heut ' weiß ! « Und als der Waldsänger auf dem Erdhügel steht und den Spatenstiel als Stock in der Hand hält , daß er auf dem lockeren Grund nicht strauchelt , und als er einen Blick hinabtut auf den Schrein , da hebt er an zu reden , wie hier aufgeschrieben : » Geboren ist sie worden vor neunzig Jahren . Ihr Lebtag ist sie mit keinem Rößlein gefahren . Mit ihren Füßen ist sie gegangen talab und bergauf ihren ganzen mühseligen Lebenslauf . Sie ist beigesprungen den Leuten in Kummer und Nöten , und dabei hat sie hundert Paar Schuh ' zertreten . Und andere hundert Paar Schuh ' tät sie wagen , um ihren Kindern das Brot auf den Tisch zu tragen . Und weitere hundert Paar Schuh ' sind zerrissen auf Schmerzenswegen , die sie hat wandeln müssen . Für Tanz und sonstige Lustbarkeiten fürwahr , tät ' sie brauchen nicht ein einziges Paar . Dann hat sie angezogen die letzten Schuh ' und ist fortgegangen in die ewige Ruh ' . Die heiligen Engel taten ihre Seele führen wohl durch das Fegefeuer bis zu den himmlischen Türen . Und unter der Erde tut ruhen der arme Leib in seiner hölzernen Truhen . - Schlaf ' wohl , Kathrin , in deiner neuen Wiegen , wir werden bald an deiner Seiten liegen ; bis der Herr uns tut wecken zu seinen heiligen Scharen , auf daß wir mit Leib und Seel ' in den Himmel mögen fahren ! « - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - » Der Rüpel wäre der Pfarrer für die Winkelsteger ! « hat nun der Mann gesagt , den sie den Einspanig geheißen . Ja , wenn er nicht unter ihnen aufgewachsen wäre ! Als wir , der Pfarrer und ich , mit der Schaufel einige Erdschollen auf den Sarg geworfen , tritt der Ruß-Bartelmei ganz betrübt zu uns und frägt , was uns seine Mutter denn getan habe , daß wir ihr noch in das Grab die Klötze nachschleuderten ? Da haben wir es ihm dargelegt , daß das einen letzten Liebesdienst bedeute , und daß Erde die einzige Gabe sei , die man einem Toten zu Lieb ' könne reichen . Darauf hebt der Bartelmei an und schaufelt Erde hinab , bis man keine Ecke mehr sieht von dem weißen Schrein und die Leute ihm die Schaufel aus der Hand nehmen , auf daß sie die Grube schließen . Nach dem Begräbnisse sind sie in das Wirtshaus des Grassteigers gegangen und haben sich mit Branntwein erfrischt ... so wie auch die Alten ihren Toten haben nachgetrunken . Gott zählt seine Leute auch in Winkelsteg und da darf ihm keines fehlen . Kaum ist auf dem Friedhofe das Gräblein zugemacht , wird in der Kirche das Taufbecken aufgetan . Der erste Tote und der erste Täufling an einem Tage - aus einer Familie . Auf demselben Waldweg , den heran vor ein paar Stunden der Sarg ist geschwankt , haben zwei Weiber ein neugebornes Kind herübergetragen aus den Lautergräben . Das Kind ist eine Enkelin der Ruß-Kath und gehört der Anna Maria . Es klopft an die Kirchentür , tät ' bitten um die Taufe und heißen möcht ' es gern : Katharina . Wir haben alle Heiligen des Himmels zur Auswahl und der Name der Großmutter wird ihm nicht versagt sein . Die Schriften des Waldschulmeisters ( Dritter Teil ) Im Jahre 1830 . Zur Winterszeit . Die sechzehn Jahre her , seit ich in den Winkelwäldern bin , weiß ich keinen solchen Schnee , als in diesem Jahre . Schon seit Tagen kommt mir kein Einziges mehr in die Schule . Die Fenster meiner Stube sehen aus wie Schießscharten . Wenn es noch ein wenig so fortgeht , so sind wir allmiteinander verschneit . Zweimal des Tages wird von mir bis zum Pfarrhofe ein Pfad ausgeschaufelt , der an der Tür des Grassteigerhauses vorübergeht . In dem Grassteigerhause haben wir , der Pfarrer und ich , unser gemeinschaftliches Mittagsmahl . Das Frühstück bereitet sich jeder in seiner Wohnung . Am Abende kommen wir stets zusammen , entweder im Pfarrhofe oder bei mir im Schulhause . Wie es nur denen in den Gräben und Karwässern gehen wird ! Da drüben ist ein Schneegestöber noch viel wüster , als im Winkel . Es liegen um diese Zeit in den Häusern viele kranke Leute , und es werden sich keine Wege machen und erhalten lassen , daß sie einander beispringen könnten . Und über die Lauterhöhe zu kommen , ist schon gar eine Unmöglichkeit . Die Markstangen , die an den Steigen stecken , gehen kaum mehr aus dem Schnee hervor , die Lasten auf den Bäumen reißen die Äste ab und brechen die Stämme . Des Schneiens ist kein Ende . Keine Flocken fallen mehr , es ist ein schweres , undurchsichtiges Staubwirbeln . Und die Hauben der Geäste und Pfähle , und die Dachgiebel bauen sich höher von Minute zu Minute . Wenn ein Wind kommt , so rettet das vielleicht den Wald , kann aber zu unserem Verderben sein . Eine Stunde Sturm über die lockeren Schneelehnen her , und wir sind eingedeckt . Der Pfarrer hat alle Waldarbeiter , denen nur beizukommen ist , gedungen , daß sie Pfade herstellen in die Lautergräben , Karwässer , und daselbst von einer Hütte zur andern . Einmal sind sie richtig hinübergekommen , aber die Rückkehr ist doch wieder die neue Mühe . Die verschneiten Leute drüben werden doch vorgesorgt sein ; sie haben ihre Welt ja in ihren Hütten . In einer Klause des Karwasserschlages soll wohl schon seit fünf Tagen die Leiche eines alten Mannes liegen . Der Pfarrer hat sich heute Schneeleitern an die Füße gebunden , um bei den Kranken Besuche zu machen . Aber der Schnee ist zu locker , der Mann hat wieder