beklagen gehabt - er ist streng zurückhaltend , vermeidet meine Begegnung auf seinem eigenen Grund und Boden geflissentlich und läßt mich mit seinen Kunstschätzen schalten und walten , wie ich Lust habe - dagegen macht mir häufig mein sogenannter Famulus das Leben recht schwer . « » Ah , der schmucke Lieutenant ? « lachte einer der Herren . » Er benippt die Wissenschaft , wie der Schmetterling einen Blumenkelch , « fuhr mein Vater mit einem bestätigenden Kopfnicken fort . » Appelliert man nur im entferntesten an sein Nachdenken , husch , ist er auf und davon ! ... Für ihn ist die vom Hofe ausgehende Vorliebe für die Altertumskunde gleichbedeutend mit jenen rasch wechselnden Modethorheiten , die ihn heute einen kleinen goldenen Sattel , morgen einen Maikäfer als Berlocken tragen lassen ... Vor kurzer Zeit begleitete er seinen Onkel auf einer Geschäftsreise im Norden . Auf seine dringenden Bitten gab ich ihm eine Empfehlung an Professor Hart in Hannover , der denn auch so freundlich gewesen ist , die Herren nach einer Gruppe von Hünengräbern in der Heide zu begleiten und eines derselben öffnen zu lassen ... Gott , wie sahen die Fundstücke aus , die der Herr Lieutenant in meine Hände niederlegte ! Verbogen und in Stücken zerbrochen , weil er sie in ein und dieselbe Kiste mit Mineralien zusammengesteckt habe , die ihm Professor Hart für einen Kollegen mitgegeben , entschuldigte er sich - das Herz hat sich mir umgewendet ! « Wie wenig ahnte mein Vater , daß sich in diesem Moment auch mir das Herz umwendete , daß ich einen unbeschreiblichen Groll empfand gegen die , unter denen ich saß ! ... Man lachte und spöttelte , und niemand fiel es ein , den Abwesenden in Schutz zu nehmen . Herrn Claudius hatte die Prinzessin sofort verteidigt , als ich in meiner Beschuldigung zu weit gegangen war ; selbst Herr von Wismar hatte zu seinen Gunsten gesprochen - nur für Charlotte und Dagobert fiel kein freundliches Wort - die armen Geschwister ! ... Die Prinzessin unterbrach das allgemeine Gespräch plötzlich mit der an meinen Vater gerichteten Frage , bis zu welchem Zeitpunkte die Aufstellung der Antiken in der Karolinenlust beendet sein werde ; sie interessiere sich lebhaft für die ans Tageslicht gezogenen Kunstschätze und habe sich vorgenommen , den Herzog bei seinem ersten Besuche zu begleiten . » Ich habe dabei auch noch einen stillen Nebengedanken , « sagte sie . » Ich möchte mir einmal gar zu gern das Claudiussche Etablissement ansehen - die Glashäuser mit ihren Palmen sind ja weit berühmt ... Direkt hinzugehen habe ich Anstand genommen - der Mann hat einen unerträglichen Bürgerstolz ; da ist , wie ich fürchte , das Terrain sehr schwierig - « » Und die entschieden pietistische Färbung , welche das Etablissement seit einiger Zeit an der Stirn trägt und die Eurer Hoheit so unsäglich zuwider ist ? « fragte Fräulein von Wildenspring lauernd - man sah , das fürstliche Vorhaben , jenes Haus zu betreten , war ihr sehr fatal . » Ebendeshalb soll die Besichtigung der Kunstschätze Hauptzweck sein - ich werde im Vorübergehen den Garten besehen und brauche dabei weder den Hochmut noch die pietistische Tendenz des Besitzers in den Kauf zu nehmen . « Das Hoffräulein reichte ihrer Gebieterin schweigend eine Tasse Thee und nahm dann scheinbar unterwürfig ihre Stickerei wieder auf . Den übrigen Teil des Abends füllte eine lebhafte Debatte über die Kunst der Alten aus , und die Hofherren , die über den Dilettantismus so grausam den Stab gebrochen , sprachen so sicher und zuversichtlich , so enthusiastisch mit , als seien sie sämtlich solch berühmte Gelehrte wie mein Vater , und als sei das Studium der Archäologie dasjenige , was einzig und allein ihre Zeit und Seelenkräfte in Anspruch nehme . Ich hätte ihnen auch unbedingt geglaubt , wären nicht die sarkastischen Blicke gewesen , die der Herzog häufig mit meinem Vater wechselte . Bei unserem Weggange ließ die Prinzessin einen Foulard kommen und legte ihn mir um den Hals . Es sei kühl geworden , sagte sie , und ihre liebe kleine Heidelerche dürfe nicht heiser werden . Meinem Vater versicherte sie , daß sie mich sehr oft bei sich sehen und unter ihren ganz besonderen Schutz nehmen werde ; dann küßte sie mich auf die Stirne , und wir verließen das Schloß . 21 Ein Gewitter war inzwischen über die Stadt hingezogen . Kühlumfloß die Luft meine Schläfen , und der durchfeuchtete Kies des Schloßplatzes glänzte und funkelte im Lichte der Gaskronen . Eine Hofequipage brachte uns nach Hause ; sie fuhr donnernd in den Claudiusschen Geschäftshof ein , und ein Gefühl von kindischem Hochmut machte mir das Herz schwellen , als ich neben dem demütig am geöffneten Schlage verharrenden fürstlichen Lakai auf das Pflaster herabsprang , das mir vor wenigen Tagen ein halb und halb verweigerter Weg gewesen war . Meine Augen suchten Charlottens Zimmer , ich wünschte lebhaft , von dort aus gesehen zu werden ; aber das ganze Vorderhaus war dunkel , mit Ausnahme der Treppenhausfenster . Eine prächtige , aber uraltmodische Lampenglocke hing hoch droben inmitten der Hausflur und beleuchtete in nächster Nähe die grauen , kräftig geschwungenen Steinbogen der Decke , welche am Tage dem Blicke unerreichbar erschienen . In einem der ungeheuren Glashäuser , von denen auch die Prinzessin heute abend gesprochen , brannte Licht - zwei große Kugellampen glühten purpurn in die Nacht hinein . Während wir den Hauptweg entlang schritten , hörte ich hastige Tritte vom Glashaus herkommen - - es flatterte hell durch das nächste Rosengebüsch , und plötzlich stand Charlotte vor uns . » Ich habe Sie kommen hören , « sagte sie mit gedämpfter Stimme und fliegendem Atem . » Bitte , überlassen Sie mir das Prinzeßchen noch für eine halbe Stunde , Herr von Sassen - es ist eine so köstliche Nacht - ich bringe Ihnen die Kleine unversehrt nach der Karolinenlust . « Mein Vater sagte mir gute Nacht und versprach ,