von Glaubigern , kein Engel im Himmel hat jemals mehr stille Wut in sich hineingeschluckt als ich in den Tagen , und was herausmuß , das muß heraus , sonsten gäbe es gar keine Engel - Sie immer , mit Erlaubnis zu sagen , ausgenommen , Herr von Glaubigern . « Es war ein trostloser Tag , und die Tage , welche ihm folgten , waren noch schlimmer ; denn wenn es schon arg ist , auf etwas Gutes , Angenehmes und Erfreuliches warten zu müssen , so ist eine Geduldsprobe , wie sie jetzt die Bewohner des Lauenhofes zu bestehen hatten , kaum zu ertragen . Der einzige lichte Schein ging am zweiten Tage nach der Ankunft Janes auf dem Hofe von dem Pastorenfranz aus , der gleichfalls dort einen Besuch abstattete und sein möglichstes tat , die düstere Gesellschaft durch sonderbar unbefangene Liebenswürdigkeit zu erheitern . Er zeigte sich ungemein höflich gegen Tonie Häußler , und als sie unglücklicherweise ihr Taschentuch fallen ließ , sprang er mit einer Gelenkigkeit zu , welche selbst den Herren von Bock und von Kalb auf der Jagd nach dem klassischen Strumpfband der Prinzeß Amalie hätte beneidenswert erscheinen müssen . Er hätte etwas anderes verdient als die bloße Verwunderung der Anwesenden , und es war ihm unter solchen Umständen nicht zu verdenken , daß er die Gesellschaft wenigstens in noch größere Verwunderung versetzte , indem er zu ihrer Kenntnis brachte , er werde morgen eine kleine Vergnügungsreise in die Berge unternehmen . Sie sahen ihn alle an , und mürrisch fragte Hennig : » Bei diesem Wetter ? « » Ja , mein Junge ! Das Wetter ist freilich nicht verlockend , allein vielleicht habe ich die letzte Zeit hindurch zu still über den törichten Büchern gesessen . Leider ist meine Körper- und Seelenstimmung noch schlechter als das Wetter , und meine Mutter hat sich schon längst über meine Nerven beklagt . Ich fühle es , die Berge werden mir guttun , und es wäre eine große Freundlichkeit , wenn du mich auf der Fahrt begleiten wolltest , Hennig . « Der Ritter von Glaubigern räusperte sich sehr ausdrucksvoll , die Übrigen schwiegen bis auf die Frau Adelheid , welche der Meinung sämtlicher Anwesenden in den einfachen Worten Ausdruck gab : » Machen Sie sich nicht lächerlich , Franz . « Daß der hoffnungsvolle Kandidat der Gottesgelehrtheit hierdurch ein wenig aus dem Konzept gebracht wurde , kann nicht geleugnet werden ; aber er faßte sich schnell , redete noch einiges über das Wetter und seine Gesundheit und nahm sodann Abschied mit der Versicherung , daß ihn sein Reiseglück noch nie verlassen habe und daß auch diesmal die Sonne auf seinen Pfad herablächeln werde , sobald er Krodebeck im Rücken habe . » Man schickt ihn dem - Mann entgegen ! « flüsterte Adelaide dem Chevalier ins Ohr , als sich die Tür hinter dem jungen Leidenden geschlossen hatte . Der Chevalier sah auf die gnädige Frau , diese zuckte die Achseln und warf einen Seitenblick auf ihren Sohn , und dieser trommelte verdrossen an der Fensterscheibe und sprach : » Da geht er hin mit seinem Regenschirm und Gummigaloschen ! Weiß denn niemand , was der Bursche bei solchem Wetter im Harz zu suchen hat ? « Gehörten die Leute auf dem Lauenhofe nicht zu unseren allerbesten Freunden , wir könnten über alle lachen . Sie hätten es nun bald für eine Gnade genommen , wenn der Meister Häußler endlich angelangt wäre ; aber der Meister Häußler kam fürs erste noch nicht . Das Wetter blieb feucht , die Tage wurden immer trostloser , und zu allem andern Elend hatte der geängstete und geärgerte Kreis auf dem Hofe jetzt auch noch in der Phantasie den Pastorenfranz auf seinen Pfaden zu verfolgen : Ist er wirklich gegangen , um ihn zu treffen ? Wie wird er ihn treffen ? Wo wird er ihn treffen ? Hat er ihn in diesem Augenblick bereits getroffen ? Und : was für einen Eindruck hat er auf den Buschmann gemacht ? Fast hätte die gnädige Frau einen Besuch im Pastorenhause abgestattet , und sie hätte in der Tat gar nicht übel daran getan , denn das Pastorenhaus wußte auch diesmal , das heißt unter der neuen Lage der Dinge , wirklich bald besser Bescheid als der Lauenhof und war ruhig . Im Alexisbad hielt sich Herr Dietrich Häußler nicht mehr auf ; aber in Wernigerode auf dem Marktplatz , dem alten , herrlichen Rathaus gegenüber , liegt der Gasthof zum Hirsch , und hier fand Franz Buschmann , ganz zufällig das Fremdenbuch durchblätternd , was er nicht suchte , nämlich ein ihm doch interessantes Autogramm : » D.H. Edler von Haußenbleib , mit Bedienung . « Am folgenden Tage schon langte im Krodebecker Pfarrhause ein Brief an , in welchem der gute Sohn den zärtlichen , besorgten Eltern einen kurzen Bericht von seiner Reise , seiner Gesundheit und einer höchst interessanten Bekanntschaft , welche er ganz zufällig gemacht hatte , gab ; und umgehend schrieb der Herr Pastor an den guten Sohn im Hirsch zu Wernigerode zurück und freute sich sehr der Fügungen des Himmels und sah einen augenfälligen Fingerzeig Gottes da , wo andere Leute vielleicht etwas anderes gesehen haben würden . Kein Diplomat hätte sich der Wendungen zu schämen brauchen , in welchen der geistliche Herr seinen Gefühlen in einer bestimmten Richtung Ausdruck gab und den augenblicklichen Stimmungen und Verhältnissen von Krodebeck Rechnung trug . Wer den Mann nur nach seinem all- und sonntäglichen Auftreten kannte , hätte gewiß nicht geahnt , wie zart und feinfühlig er unter Umständen sein konnte und in diesem Briefe war . Daß er am Schluß dieses Schreibens sich und sein Haus dem Edlen von Haußenbleib zur vollkommenen Verfügung stellte und ihn einlud , während seines voraussichtlichen Aufenthalts in Krodebeck sein Absteigequartier unter seinem bescheidenen Dache zu nehmen , war freilich für den überraschend , welcher den Mann und sein Haus nur aus dem Alltagsverkehr kannte . Es erfolgte keine schriftliche