Gottesdienst - , drum hab ' ich dann sogar die Schreiberei von ihr um ein Sündengeld an den alten Krämer verschachert in der verworfensten Skorpionsstunde meines Lebens . Als ich heimkam und das hübsche Kind sah - Herrgott ! Ich hätte mir alle Haare ausraufen mögen . Erst jetzt seh ' ich , wie hübsch sie ist , und ich weiß nicht , ist ' s Reue oder was , das mich mit Gewalt immer zu ihr zieht und mich selbst dem Krämer gegenüber , den ich von ganzer Seele hasse , immer wieder so schwach macht . Er sagte mir oder verriet doch , daß mich sein hübsches Töchterlein auch noch nicht ganz vergessen habe . « » Und nun läßt du dich wieder fangen von der Lügenspinne ? « fragte Dorothee im Tone des Vorwurfs . » Der Krämer « , antwortete Hansjörg , » hat es mir in einem großen Augenblick gesagt , und ich glaub ' es , denn ich empfinde nur zu gut , wie mir selber zumute ist . « » Der Krämer meint es aber gewiß nicht redlicher mit dir als mit anderen . « » Ich mit ihm auch nicht . Wenn er glaubt , daß ich nur für seinen Laden über die Berge gehen werde , dann trügt er sich viel ärger als ich . Das ist nur , um in seinem Hause nicht ganz fremd zu werden . « » Er kann dich aber verraten beim Gericht . « » Ich ihn auch . « » Die Großen beißen einander nicht . « » Eben drum auch muß man sich an diese hängen , wenn man sicher sein will . « » Wenn du so etwas im Kopf hast « , sagte das Mädchen ungewöhnlich streng , » so ist die heutige Predigt für dich schon ganz besonders wichtig . Es wär ' doch traurig , wenn ' s dich träfe , wenn du als Dienstbot arbeiten tätest , und dein Lohn wäre der Zorn Gottes , der ja will , daß man ihm allein dienen und keine fremden Götzen daneben haben soll . Weißt du , der Kaplan hat die , welche dienen um Befriedigung der sündhaften Begierden , den Zauberern verglichen , die ihre arme Seele dem Schwarzen verschrieben aus Geldgier und Zeitlichkeit . Mir ist das schrecklich vorgekommen , und doch hab ' ich da noch gar nicht an dich gedacht . Es ist mir nicht eingefallen , daß es dich treffen könnte . « » Oder gar dich auch noch « , bemerkte Hansjörg . » Du hast recht ! Wer steht , der sehe zu , daß er nicht falle . Ich mein ' es nicht bös , und es kommt mir selbst wunderbar vor , wie ich von deiner Erzählung weg an die Predigt denken muß . « » Du hast recht , daß du nicht gleich dich selbst bei der Nase nimmst , das tun schon die anderen . Aber laß sie dich nur beneiden . Neid bringt Glück . « » Mich nähme man dafür her ? « » Ja , dich und den Hans , den dir nicht nur die recht grausam übel gönnen , welche bei Prozessionen noch das Kränzlein tragen müssen . « » Mir - mißgönnen sie - ihn ? « » Ja ; aber tu du nur jetzt nicht mehr gar zu falsch , nachdem ich doch auch so offen gegen dich gewesen bin . Du wärst nur ein Närrchen und er ein Klotz , wenn du ihn nicht bekommen tätest . « » Aber , Hansjörg - « » Man vermutet von anderen nur und redet ihnen nach , was man selbst an ihrem Platze getan hätte , drum auch brauchst du vor keinem Menschen rot zu werden , und am allerwenigsten vor mir . Ich hab ' dem Stighof schöne Jahre geopfert , es ist recht , wenn er sie meiner Schwester zurückgibt . Ich gönne dir dein Glück von ganzem Herzen . « » Ja , ich bin glücklich hier , und du könntest es auch werden . Komm doch , schlag deine Leidenschaften nieder ! Man kann ' s mit einem Ruck , wenn man die Faust ballt und recht trotzig tut . Ich mach ' es immer so , wenn mich Kummer plagt um den Vater , dich oder - und der Kummer sitzt doch noch viel tiefer , als was dich vom ordentlichen Weg treiben will . « » Wenn du für mein Vertrauen nichts hast als diese Predigt « , bemerkte Hansjörg unmutig , » so wär ' s fast schad ' , wenn ich die ganze Vesper versäumen tät . Daß ich nicht gewillt bin , Knecht zu werden , hast du verstanden . « » Nützt alles Einreden nichts ? « » Nein . « Eine Minute später schritten die beiden schweigend über die längst leere Gasse des verödeten Herrendorfes hinaus der Kirche zu . Siebzehntes Kapitel Ratlosigkeit und Entschluß Hansjörg hatte nicht ganz unrecht , wenn er Dorotheens Predigt für eine Decke hielt , hinter der das Mädchen ganz andere Gedanken und Empfindungen zu verbergen suche . Ernst aber war es ihr mit dem Zuspruch doch ; sie hätte ihn in der Verlegenheit gar nicht mehr finden können , wenn er ihr nicht ganz obenauf gelegen wäre . Erst als sie schweigend neben dem Bruder zur Kirche schritt , fragte sie sich ernstlich , ob er mit der Predigt des Kaplans wohl recht gehabt haben könnte . Sie wußte sich aber so wenig vorzuwerfen , daß sie wieder ziemlich ruhig darüber wurde . Als sie aber in die Kirche kam , man sang eben den letzten lateinischen Psalm , da drehten Männer und Weiber die Köpfe um , sahen sie lange an und schienen dann Wichtiges sagen zu müssen . Ihr wurde siedig heiß und himmelangst . Auch das wieder schien man zu merken und auf allerlei Weise auszulegen , denn noch unverschämter starrte man sie an