still und verlegen gewesen war , kaum aber eine Flasche getrunken hatte , als er die schönen Vorsichtsmaßregeln , die ihm seine Geliebte in aller Eile für diesen kritischen Fall gegeben , vergaß , und ihre abwehrenden Blicke mit desto feurigeren , und ihr geflüstertes : Aber Arthur , nimm Dich doch zusammen ; mit einem fast hörbaren : Aber , Kind , was willst Du nur ? es achtet kein Mensch auf uns , beantwortete . Ja , der junge Edelmann trieb die Unvorsichtigkeit so weit , bei einer Gelegenheit , unter dem Vorwande ein Tuch aufzuheben , Hortense ' s herabhängende Hand zu küssen , ein andermal ihr Glas mit dem seinen zu vertauschen ; mit einem Worte , er benahm sich so , daß , wer das Verhältniß der Beiden noch nicht kannte , es heute Abend kennen lernen , und wer es ahnte , in seinem Verdacht bestätigt werden mußte . Ich werde sogleich nach Tische fahren , Oswald , sagte Melitta zu diesem , der in der letzten Viertelstunde sich fast nur mit Emilie von Breesen , seiner Nachbarin auf der andern Seite , unterhalten hatte . Ich wollte , Du wärst gar nicht gekommen , oder hättest mich zu Hause gelassen , sagte der junge Mann bitter . Schilt mich nur noch , sagte Melitta , und schmerzlich zuckte es um den reizenden Mund . Ach , Oswald , ich wollte , ich könnte Dich mitnehmen - für jetzt und für immer . Hoffentlich erlaubt es Baron Oldenburg , antwortete Oswald , der bemerkte , wie die grauen Augen des Barons , während er sich lebhaft mit dem kleinen Fräulein Klauß unterhielt , unausgesetzt Melitta und ihn selbst beobachteten . Melitta antwortete nicht , aber die Thräne , die plötzlich an ihren dunkeln Wimpern erglänzte und die sie mit einer schnellen Bewegung ihres feinen Taschentuchs sogleich trocknete , war Antwort genug . Verzeih ' mir , Melitta , murmelte Oswald , aber ich bin sehr unglücklich . Ich bin es nicht minder , vielleicht noch mehr - und darum gerade möchte ich , daß Du ganz glücklich wärest , wünschte ich , ich könnte Dich ganz glücklich machen . Du kannst es durch ein Wort ! Was ist es , Oswald ? Sage , daß Du mich liebst . Oswald ; so fragt die Liebe nicht , so fragt die Eifersucht . Giebt es eine Liebe ohne Eifersucht ? Ja , die echte Liebe , die nichts fürchtet und Alles glaubt . So wäre meine Liebe nicht die echte ? Freilich , wie können wir , die wir nicht von Adel sind , auch Anspruch auf irgend etwas Echtes machen ! Unsere Mütter und Schwestern tragen böhmisches Glas statt Diamanten , wir selbst haben keine echte Ehre , keine echte Liebe - das ist sonnenklar . Wenn Oswald , indem er diese wahnsinnigen Worte sprach , in Melitta ' s Herz hätte sehen können , ja , wenn er nur einen Blick in ihr Gesicht geworfen hätte , er würde vor Scham haben vergehen müssen . Melitta antwortete nicht ; sie weinte auch nicht , sie blickte nur starr vor sich hin , als könne sie das Ungeheure nicht begreifen , daß die Hand , die zu küssen sie sich niederbeugte , sie in ' s Antlitz geschlagen , daß der Fuß , den mit Narden zu salben , sie niedergekniet war , sie grausam zurückgestoßen habe ... Wie hatte sie sich gefreut auf diesen Abend , wie schön hatte sie es sich gedacht , mitten im Lärm der Gesellschaft allein zu sein mit dem Geliebten , seinen Worten zu lauschen , seine Hand verstohlen zu drücken , und während hübsche Frauen und reizende Mädchen mit ihm coquettirten , in seinen Augen zu lesen : Ich liebe doch nur Dich , Melitta ! Und über diesen Abend hinaus hatte eine rosige Zukunft vor ihren Blicken sich aufgethan - ein Land der Hoffnung - nicht in deutlichen Umrissen , aber voll Ruhe und Liebe und Sonnenschein ... Aber da hatte sich ihre Vergangenheit herangewälzt , wie ein grauer , giftiger Nebel , und hatte das sonnige Land der Zukunft immer dichter und dichter verschleiert ... Und jetzt erschien ihr durch den giftigen Nebel das Antlitz des Geliebten wie von Haß verzerrt , und seine Stimme drang seltsam fremd zu ihrem Ohr . War das sein Antlitz ? war das seine Stimme , die jetzt die Worte sprach : Gnädige Frau , man hebt die Tafel auf , darf ich um Ihren Arm bitten ? Während sie in den Reihen der Uebrigen die Treppe hinunterschritten , sagte Melitta kein Wort : auch Oswald nicht . Als sie unten im Saale angekommen waren , verbeugte er sich tief vor ihr , und als er den Kopf hob , schaute er auf einen Augenblick in ihr Antlitz . Er sah , wie schmerzlich es um ihre Lippen zuckte ; er sah , welch ' rührende Klage aus ihren großen dunklen Augen sprach - aber sein Herz war verschlossen , und er wandte sich zu einer Gruppe junger Mädchen und Herren , die das abgebrochene übermüthige Tischgespräch noch eine Weile fortsetzen zu wollen schien . Melitta sah ihm noch für einen Moment nach , sah , wie die hübsche Emilie von Breesen sich lebhaft zu ihm wandte , wie er ihr mit einem Scherze entgegentrat , sie lachend etwas erwiederte und ihn mit ihrem Fächer auf den Arm schlug . Weiter sah sie nichts mehr ; als sie sich wiederfand , saß sie in der Ecke ihres Wagens . Auf die Bäume und Hecken an der Wegseite , die an dem Fenster vorübertanzten , fiel das helle Licht der Laternen , aber Melitta sah Alles nur wie durch einen Nebelflor , denn ihr Herz und ihre Augen waren voll Thränen . Fünfundzwanzigstes Capitel Mit Melitta schien der gute Genius aus der Gesellschaft gewichen und allen Dämonen freies Spiel gegeben . Immer lauter kreischten die Geigen , immer feuriger wurden