bringen . Weder die Apostel noch die Armen in der Gemeinde forderten so etwas . Christus hatte nur einfach gesagt : Willst du vollkommen sein , so verkaufe , was du hast , und gib es den Armen - und hatte es nur als Rat gesagt , nicht als Gebot . Es war also ein himmlischer Antrieb , aus dem jene Gemeinschaft hervorging : die Liebe Gottes entzündete edle Herzen zur innigsten Nächstenliebe . Der Kommunismus kam von oben herab und ist der schlagendste Gegensatz zu dem modernen , unchristlichen , der durch Zwang und von kommunistischen Gesetzgebern eingeführt werden soll . Übrigens gab es schon im zweiten Jahrhundert Häretiker , 4 welche neben ihrer Irrlehre auch irrige soziale Verhältnisse und namentlich die allgemeine Gütergemeinschaft predigten , und bei einigen häretischen Sekten des Mittelalters tauchte sie ebenfalls auf . Es ist also an dieser Erscheinung in unserer Zeit nichts neu , als der Name : Kommunismus . Er gibt ihr einen gewissen pedantischen Anstrich , als sei die Sache im System versteinert , bevor sie sich im Leben als praktisch bewährt hat , und sie gehört auch zu denjenigen Theorien , welche der Unglaube ausbrütet , um das Christentum , wie er wähnt , zu überflügeln . « » Ja , « sagte Ernest , » der brutale Bursche Kommunismus rächt die Verbannung der himmlischen Charitas ! Wie manche Staaten wähnten sich in der selbstgefälligen Vorstellung von ihrer Omnipotenz beeinträchtigt , weil die Charitas reiche , frische , kräftige Blüten auf dem Boden der Kirche trieb . Die katholische Liebe mit ihren unzähligen Anstalten der Barmherzigkeit nicht unter Verwaltung des Staates zu sehen , war dieser krankhaften Sucht nach Regiererei unerträglich . Diese Anstalten wurden eingezogen , zusammengeschmolzen , umgestaltet , unter ein Heer von Beamten gestellt , die über jeden Kreuzer eine weitläufige Rechnung , über jedes Stück Brot eine genaue Kontrolle führen mußten und deren Besoldung einen beträchtlichen Teil der Habe der Armen verschlang . Nun war man doch sicher , daß nichts verschleudert wurde ! Nun hatte man doch der Kirche diese großen Geldmittel entrissen , vermöge welcher es ihr so leicht wurde , das geringe Volk für sich zu gewinnen und ungescheut Übergriffe in die Rechte des Staates zu machen und ihren Obskurantismus zu verbreiten - während nun hinter den Bollwerken der Bureaukratie der Staat geschirmt und gesichert für ewige Zeiten war und die Aufklärung ihre Siege feierte ! - Alle engen Herzen und beschränkten Köpfe stießen in die Jubelposaune über solche Maßregeln von Seiten der Regierungen . Aber siehe da ! die Zuflüsse stockten ! vor dem Rauschen der Schreibfedern in ungeheueren Registern floh die verschüchterte Charitas , die an den Verkehr mit armen Ordensbrüdern , stillen Nönnchen und einfachen Priestern gewöhnt war , auf vertrautem Fuß mit ihnen lebte , sie als Verwalter und Ausspender der Gaben Gottes kannte und deshalb keine ängstlich genaue Rechnungsablage von ihnen begehrte . An die Stelle jener ungeheueren freiwilligen Liebesgaben , welches das christliche Europa mit Anstalten der Barmherzigkeit erfüllten , die im bedürftigen Nächsten Christus den Herrn sieht und ihn demgemäß behandelt wissen will - trat der Staat mit seiner Verwaltung , seinen Besoldungen , seiner Armentaxe , seiner Armensteuer , seinem Geschäftsgang , und machte die leidenden Glieder Christi zu Objekten , für die man fast ebenso gut zu sorgen habe , als dafür , daß keine Motten in die Montierungskammern kommen . Dies fühlen die Armen sehr gut ; es mißfällt ihnen ungemein - was ihnen auch nicht zu verdenken ist - und Dankbarkeit kann durch diese Sorte von Wohltätigkeit nicht geweckt werden . Im Gegenteil ! vom Staat erwartet jeder vor allem Gerechtigkeit . Nimmt der Staat also die Sorge für die Armen in die Hand , so möge er doch - folgern die Armen - etwas mehr für sie tun und sie nicht so kläglich unterstützen , da es ihm ja doch nie , in ihren Augen , an Mitteln fehlt . In ruhigen Zeiten läßt sich ihr Murren überhören als bedeutungslos ; aber in unruhigen kann sehr leicht ihr Mißvergnügen benutzt und dem Staat gefährlich werden . Er hat die Charitas unter Vormundschaft seiner Bureaukratie stellen wollen - wie es hieß , zum Vorteil der Armen ; jetzt tritt der grobe Kommunismus auf und sucht zu beweisen , deren wahrer Vorteil beginne mit ihm , und da man jetzt dem Fortschritt vor allem und in allem huldige und auf des Volkes Wohl zuerst und zuletzt bedacht sei : so müsse man nunmehr dem Kommunismus huldigen . Der Staat hat das uralte , heilige Recht der Kirche überflügelt zu Gunsten seiner Omnipotenz : der Kommunismus überflügelt diese zu Gunsten der seinigen , die durch einen furchtbaren Mechanismus im Gesamtgang des Lebens jede frische Blüte und jede edle Kraft in demselben unterdrückt . « » Wie trostreich , « sagte Levin , » nimmt sich neben diesen , so ganz aus dem Erdgeist hervorgegangenen Bestrebungen das Walten des heiligen Geistes in der Kirche aus , der nichts untergehen läßt , was zum Leben in ewiger Wahrheit berechtigt ist . Ein ächter Ableger christlicher Gütergemeinschaft wächst fort und fort durch die Jahrhunderte und beweist , daß es , wie in den ersten Tagen des Christentums , so auch in der Gegenwart , Seelen gibt , welchen es ein heiliges und durch die Christusliebe gerechtfertigtes Bedürfnis ist , in jener zu leben . Der Ordensstand bringt die Gütergemeinschaft mit sich . « » Eigentlich die Armutsgemeinschaft , « sagte Ernest . » Allerdings - und das ist denn freilich etwas so Schönes , daß sich der natürliche Mensch nicht zu dieser Höhe zu erheben vermag . Der natürliche Kommunismus schreit von unten nach oben : Ihr Reichen , wir sind eure Brüder , wir wollen mit euch von dem Euren genießen und schwelgen ! - Der übernatürliche spricht von oben herab : Ihr Armen , meine Brüder in Christus , ich will mit euch arm sein . « » O Gott ! « rief Ernest ,