Ecke und jammerte bald über die Entdeckung , daß ein Judenkind , gleichviel ob Knabe oder Mädchen , in Ulrich ' s Krankheit ihn mit seinen Gaben bedacht , daß sie selbst sie angenommen - bald darüber , daß eine Jüdin in ihrer christlichen Kammer sei - daß ihre Söhne sie versteckt . Nein - nicht Söhne ! ihr eigener Sohn zürnte ja selbst darüber und hätte das nimmer gethan ; jetzt zeigte es sich recht deutlich , das Ulrich ein fremder Mensch war , der sie gar nichts anginge . Die Baubrüder ließen sie reden und sagten beide nichts dazu - Hieronymus nicht , weil er im Grunde der Mutter beistimmte , und Ulrich nicht , weil er sich verletzt fühlte und weil er nicht wollte , daß es im Zimmer noch lauter werde und Rachel in der Kammer nicht höre , was es ihn koste , auch jetzt sie zu sichern . - So war es etwa elf Uhr geworden - in allen Fenstern waren die Lichter verlöscht und es war ganz still auf den Straßen . Ulrich sagte : » Ich werde jetzt Rachel hinauslassen , « und ging zu ihr . » Du kannst jetzt gehen , « sagte er ; » Ich will Dir den Riegel an der Hausthür öffnen , es ist ganz still draußen - aber sprich kein Wort ! « » Könnt Ihr mir vergeben ? « sagte sie ; » könnt ich ' s vergelten - « » Es ist nichts zu vergeben ! « antwortete er . » Doch , doch ! « rief sie , » es ist eine alte Rechnung ! « » Still ! « sagte er , » ich bat Dich nicht zu sprechen . « Sie gehorchte mit einem Seufzer und folgte ihm schweigend die Treppe hinab - ebenso öffnete er die Thür , und ohne Lebewohl und Gutenacht schieden sie von einander . Als Ulrich wieder in sein Zimmer kam , legte er sich auch schweigend nieder . Mutter Martha aber öffnete in ihrer Kammer Thür und Fenster und räucherte unter dem von Holz geschnitzten Christus , der darin hing , um ihn wieder zu versöhnen für den Frevel , daß ein Judenkind in seiner Nähe geweilt . Viertes Capitel Geheimnißvolles Am Morgen nach dem nächtlichen Abenteuer , welches Ulrich und Hieronymus zum ersten Male in ihrem Leben in eine Art von Zwiespalt gebracht hatte , waren sie stumm aufgestanden und hatten auch so ihr Morgenbrod genossen . Es war noch dunkel , als sie die Stiege hinabgingen , da hörte Ulrich von seinem Tritt berührt die Stufen etwas wie eine kleine Kugel hinabrollen . Er tappte unten danach , wo der Laut verhallt war , und fühlte einen Ring mit einem großen Stein in seinen Händen . Draußen vor der Hausthür besah er seinen Fund und zeigte ihn auch Hieronymus . Es waren die ersten Worte , welche sie zusammen redeten . » Es scheint ein werthvolles Kleinod zu sein , « sagte Ulrich ; » ein goldener Ring , einen großen Stein in der Mitte , der noch mit einem Kranz von gleichen Steinen eingefaßt ist - wer kann ihn verloren haben ? « » Wer anders als das Judenkind ? « sagte Hieronymus , » es ist ja Niemand in das Haus gekommen . « Ulrich schüttelte den Kopf . » Wie käme die zu solchem Kleinod ? « » O dies Judenpack sammelt immer Schätze , um die es die Christen betrügt , « rief Hieronymus , » und wer weiß , auf welche unlautere Weise noch die Dirne dazu gekommen , die sich seit Jahr und Tag so unerträglich an uns hängt , und wenn man einmal sie lange losgeworden zu sein scheint und sie fast vergessen hat , so ist sie wieder da in einer andern Gestalt uns zu belästigen gleich einem bösen Kobolt , mit dem jede Bewegung unheilvolle Folgen hat . « » Hieronymus ! « mahnte Ulrich , » wir haben es mehr als einmal gesagt , daß wir ohne Grund andern Menschen nicht eher das Schlechte zutrauen wollten als das Gute , nach dem Grundsatz der heiligen Schrift : Was du nicht willst , daß dir die Leute thun sollen , das thu ' du ihnen auch nicht ! Warum ihn einmal verleugnen ? Warum dies Judenmädchen , das mir ein unschuldiges , aber gepeinigtes Kind zu sein scheint , zu einer Verbrecherin stempeln ? « » Die Juden sind einmal die Ausgestoßenen , auf denen der Fluch des Herrn ruht , den sie sich selbst täglich neu verdienen ! « rief Hieronymus . » Hast Du Dein Glaubensbekenntniß geändert , so brauchst Du doch nicht mir dasselbe zuzumuthen - und außerdem hätte ich wenigstens erwartet , daß Du meine Mutter schonen und ihr nicht so ihre Liebe vergelten würdest ! « » Hieronymus ! « sagte Ulrich ernst , » Du sahest selbst , daß ich nicht anders handeln konnte . Du eiltest selbst mit mir den Unglücklichen zu Hülfe , Du gewährtest sie ihnen , wie ich auch , nachdem wir erfuhren , daß sie zu den Ausgestoßenen gehörten - « » Ja , « fiel ihm der unzufriedene Kamerad in ' s Wort , » ich gewährte sie ihnen , wie ich sie auch einem Hunde würde gewährt haben , der von einer tollen Meute angefallen . Die Hülferufenden vor Mißhandlung zu schützen und dann der Wache zu übergeben , war unser würdig ; aber das Mädchen bei uns zu verstecken - dieser Schimpf macht meine Mutter unglücklich und wird uns Beide in Schimpf und Schande bringen , wenn , was sehr wahrscheinlich ist , der Vorfall in der Hütte zur Sprache kommt . « » Dann , « sagte Ulrich , » werde ich den Schimpf und die Strafe auf mich allein nehmen und sagen , daß ich das nicht nur gethan , weil ich gar nicht anders konnte , sondern auch gegen Deinen Willen ; und damit man dies