und Mangel erschöpft , saß ganz gebeugt und gebrochen auf einem schadhaften Stuhl am Ofen ; seine beiden älteren Söhne lehnten ernsthaft , doch ohne sichtbare Betrübnis neben ihm an der Wand . Christine aber flog , gleichfalls laut weinend , dem Ankömmling entgegen . » Mein Frieder , mein Frieder ! « schrie sie an seinem Halse . » Bist endlich da ? Sieh , ich kann mein Elend auf keinem Berg übersehen ! « » So bleib im Tal « , erwiderte er . » Jetzt treibt er noch sein Gespött mit uns « , sagte der Alte mit dumpfer , sinkender Stimme . » Nein , alter Vater « , erwiderte Friedrich , indem er , Christinen um den Leib haltend , zu ihm trat und seine Hand mit Gewalt faßte , » ' s ist mir jetzt eben nicht spöttisch zumut , aber ich seh nur nicht ein , was es für ein Jammer sein soll , daß ich jetzt endlich vor den Herren und vor der ganzen Gemeinde erklären kann , daß ich mich mit der Christine in allen Treuen versprochen hab und sie heiraten will . Und das sagst du morgen vor Kirchenkonvent , Christine , und gibst alles an , wie ' s wahr ist , und sagst unverhohlen , ich sei der Vater zu dem Kind , das du unterm Herzen trägst . Heulet doch nicht so « , wandte er sich zu der Alten , die bei diesen Worten wieder in ein lautes Geschrei ausbrach , » das ist eine natürliche Sach , wer A gesagt hat , muß auch B sagen , und mich wundert ' s nur , daß die Leut noch so ein Zetermordio drüber verführen können , da es doch so oft und allerorten vorkommt . Es ist nur , bis das Kränzle verschmerzt ist . Sehet einmal die Kinder an , die das Kyrie nicht abgewartet haben , und vergleichet sie mit den andern , die rechtmäßig kommen sind . Ist ein Unterschied zwischen ihnen ? Und macht man noch einen Unterschied zwischen einer Frau , die vor zehn , zwanzig Jahren am Mittwoch hat vor dem Altar stehen müssen , und einer , die ihr Kränzlein in Ehren , wie sie ' s heißen , vor den Menschen , aber vielleicht nicht vor Gott getragen hat ? Wenn einmal Gras drüber gewachsen ist , so verzollt jedermann die ein für so gut wie die ander , und denkt keine mehr dran ; ja , es ist schon oft genug vorkommen , daß eine , statt an ihre Vergangenheit zurückzudenken , ihre jüngeren Leidensschwestern aufs bitterste verfolgt hat , und ist noch liebloser mit ihnen umgangen , als eine , der man nichts hat vorwerfen können . So darfst du ' s einmal nicht machen , Christine , sonst halt ich dir einen Spiegel vor , in dem du etwas schauen kannst , was dir solch ein unchristlich ' s Betragen verbieten soll . « » Er ist doch ein sündhafter Mensch « , sagte der Hirschbauer , den übrigens Friedrichs Reden sichtlich aufgerichtet hatten . Die Alte aber verharrte in ihrer Trostlosigkeit und schalt ihn heftig , daß er es mit einer so wichtigen Sache , wie das Ehrenkränzlein , so leichtfertig nehme . » Von wem hab ich das gelernt ? « entgegnete er . » Bei armen Leuten freilich , die das Strafgeld nicht aufbringen können , ist ' s etwas Wichtig ' s , weil sie dann einen Schimpf auf sich nehmen müssen , der nicht so bald wieder von ihnen abgeht . Von den Vermöglicheren aber steckt die Herrschaft das Geld dafür ein , und was ich mit Geld bezahlen kann , das kann ich doch nicht so schwer nehmen . Jetzt saget selber , wer handelt und redet leichtfertig , die Herren oder ich ? « » Ja , wenn mein Kind schellenwerken müßt « , sagte der Bauer , » das tat mich vollends unter den Boden bringen . « » Dafür bin ich noch da « , versetzte Friedrich . » Ihr werdet doch nicht glauben , solang ich noch einen Kreuzer hab , werd ich ' s zulassen , daß mein künftig ' s Weib die Straf mit dem Karren abverdienen muß . « » Wenn Er nur auch auf Seinem Sinn bleibt ! « seufzte die Alte , die sich nach und nach gleichfalls ein wenig zufrieden gab . Er tat seine reiche Schatzkammer von Schwüren und Beteuerungen auf und spendete nicht karg daraus . Sein zuversichtliches Wesen beruhigte die Familie allmählich , wie seine Erscheinung Christinen schon längst beruhigt hatte . Ungescheut zog er sie zu sich nieder und saß am Tische , als ob er nach längerer Abwesenheit sich mit seinem Weibe auf Besuch bei den Schwiegereltern befände . Er ließ Wein kommen und steckte mit Hilfe desselben alle durch seine muntere Laune an . Der alte Hirschbauer , wenn er auch noch von Zeit zu Zeit den Kopf schüttelte , ließ sich doch durch seine unbefangene Art , die Dinge anzusehen und anzufassen , einmal übers andere zum Lächeln bringen ; die beiden Söhne aber , durch Friedrichs herzhaftes Auftreten ganz und gar gewonnen , erfüllten die Stube mit Gelächter über die lustigen Einfälle , die er zum besten gab . Die Bäuerin , nachdem sie den peinlichen Teil des Gesprächs einmal überstanden und hinter sich liegen hatte , suchte ihre Neugier zu befriedigen und ließ sich von seiner weiten Reise erzählen , wobei der kleine Wollkopf an seinen Lippen hing und mit aufgerissenem Munde in die zunehmende Heiterkeit einstimmte , die er so wenig begriff , als er zuvor den Jammer begriffen hatte . Christine aber lehnte sich selig , und durch kein elterliches Verbot gestört , an ihren Liebsten an ; es war ihr wie ein Traum , daß er ihrer Unglücksahnung zum Trotze so bald wieder zurückgekommen und dennoch so lange für sie nicht auf der Welt gewesen war .