dann nicht , so schlage ich ihm mit dem Säbel Kopf und Beine ab , und wenn das noch nicht hilft , vergrabe ich den Hund schließlich lebendig « . Nun ward es Uli nicht angst ums Reichwerden , sondern angst vor dem Armwerden , und da ward es ihm , als helfe alles dazu , als habe die ganze Welt sich verschworen , ihn um alles zu bringen . Auf alles guckte er und allem sah er nach , alles , was gebraucht wurde , biß ihn , und was fortgetragen wurde , ging durch seine Seele . Uli hatte ein nicht ganz so beschränktes Hirn als Mädi , aber wenn ihn was recht erfaßte , ward er immer so eintönig , nur eines und immer das Gleiche klang in ihm nach . Jetzt fiel ihm Vrenelis Ehrenamt spitzig in die Augen . » Du kannst geben , bis wir selbst nichts mehr haben , sieh dann zu , wer dir geben wird . Die und die ist abermal eine ganze Stunde bei dir gestanden , hat nichts getan und dich versäumt . Wundern muß man sich nicht , daß es so arme Leute gibt . Wie sollte es anders kommen , wenn die Weiber ganze Tage herumstehn und nichts tun ! Lieber wäre es mir , es ginge uns nicht auch so . Was doch das für eine verfluchte Unvernunft ist , wenn eine sieht , daß man alle Hände voll zu tun hat , und dann einem vor der Nase steht , daß man nicht vom Platz kann . Ich begreife nicht , wie du ihnen zuhören magst . Es dünkt mich , es sollte dir dabei himmelangst werden . Den Verstand könntest du ihnen machen , wenn sie ihn nicht selbst haben : du hättest nicht Zeit , ihrem Geklatsch zuzuhören , du hättest Schweine , welche gefüttert werden , und Menschen , welche arbeiten müßten und essen wollten zu rechter Zeit . « Umsonst entschuldigte sich Vreneli , es hätte dabei nichts versäumt , sondern immer zugeschafft und aufs Essen hätte niemand warten müssen , weder Menschen noch Schweine . Umsonst entschuldigte Vreneli die armen Weiber damit , sie hätten ihns um Rat gefragt oder es tue ihnen so wohl , ihr Elend klagen zu können . Wenn jemand ihnen freundlich zuhöre , so leichtere es ihnen wenigstens um die Hälfte . Umsonst entschuldigte Vreneli die Gaben , dieweil sie nur so klein seien ; wenn sie es ohne die nicht machen könnten , so sei es bös bestellt mit ihnen , und wenn sie Gottes Gnade und Hilfe so nötig hätten , so seien sie doch um so mehr schuldig , zu tun nach seinem Wort und Befehl . Er solle doch nur denken an der armen Witwen Scherflein im Gotteskasten . Umsonst war das alles , Ulis Augen wurden immer spitziger , sein Ärger beim kleinsten Anlasse größer . Vreneli hielt seine Kinder sorgfältig , wie ein Mädchen seine Blumen , reinlich mußten sie ihm sein um und um . Narrenzeug mochte es für sein Leben nichts an ihnen leiden . Es hatte nicht Augen wie so manche Mutter , welche nicht Farben genug an ihrem Kinde anbringen kann und es am schönsten findet , wenn dasselbe Dinger am Leibe hat , wie sie niemand hat , und grelle , glitzernde , die in allen Gassen schrei , en und haben doch keine Zunge im Munde . Nun hatte zum Beispiel der Wirt oder dessen Frau dem Johannesli ein Ungeheuer von Turban geschenkt , hochrot von Farbe , mit blauem Borde , eine Elle hoch , oben eine Elle breit , mit Ohrenlappen , groß wie die Blatten an einem Pferdekommet , und einem handbreiten gelben Bande , ihn unter dem Kinn zu binden . Das arme Kind sah darin aus wie ein Zwerg in einer Grenadiermütze oder ein klein Spätzlein , welchem man einen großen Hahnenkamm aufs Köpflein gepflanzt . Vreneli konnte es nicht übers Herz bringen , das Bübchen in das Ungetüm zu stecken . Aus einem Kinde eine Vogelscheuche zu machen , sei eine Sünde , sagte es , so was könne einem Kinde sein Lebtag nachgehen . Wer ein Kind so spöttisch verpuppt gesehen , der erinnere sich daran , wenn das Kind ihm längst erwachsen vor die Augen komme , nehme es für dumm und lächerlich und gewöhne sich mit Mühe daran , die Sünden der Eltern zu vergessen und das verständig gewordene Kind als verständig anzunehmen . Vreneli kaufte dem Bürschchen ein klein Käpplein , wohlfeil und doch schön , und was will man mehr ? Darüber ward Uli auch wieder sehr böse . Unnütz Geld auszugeben sollte man sich hüten in solchen Umständen , sagte er . Es werde sehen , wie weit man komme damit , aber dann werde es zu spät sein . Die Hoffart habe reichere Leute auf die Gasse gebracht , und dümmer sei nichts , als vorstellen zu wollen , was man nicht sei , was man erst mit Mühe und Not werden könne . Übrigens begreife er nicht , was ihm an der Kappe nicht recht sei , ihm gefalle sie und zwar besser als die , für welche es Geld verschleudert . Es sei aber nur Weiberwunderlichkeit ; weil es die Wirtin hasse , so gefalle ihm nichts , was von ihr komme . So eine Wirtin , welche an einer Straße wohne , wo alle Tage Herrschaften vorbeiführen , Engeländer und Huttwyler , werde doch wohl besser wissen , was schön sei und Mode , als so eine Pächtersfrau , welche jahraus jahrein niemand sehe als die Eierfrau , den Hühnerträger und zuweilen einen Lumpensammler . Und daß es das Bübli nur den - er wußte selbst nicht , wie er dem roten Turm sagen sollte - tragen lasse ! Wenn die Wirtin mal käme und das Kind hätte ihn nicht auf dem Kopfe , so hätte sie es ungern und meinte , man schätzte ihn nicht .