der Stelle ! in einer halben Stunde verlasse ich dies Zimmer , und es hängt von Dir ab , ob ich es je wieder betreten werde , oder nicht . Denn so , wie es bisher zwischen uns gewesen , kann es jetzt , nachdem das Liebeswort gesprochen ward , nicht mehr bleiben - « » O warum nicht ? « unterbrach Faustine ; » Sie sind stark , Mengen , Sie können Alles ! « » Alles Menschliche , Faustine , nichts Uebermenschliches ! ich liebe Dich ! die Liebe will Eins sein mit dem geliebten Gegenstand . In Deiner Nähe bleiben , unter dem Zauber Deiner Holdseligkeit , und diesen Wunsch nicht mit jedem Athemzug , wie die Luft die mich umgiebt , begierig einzusaugen - dazu reicht meine Stärke nicht hin . Hast Du aber die Ueberzeugung , daß Deine Verbindung mit Andlau Dir und ihm noch die frühere Befriedigung gewähren könne , so scheide ich jetzt auf immer von Dir ; das kann ich allerdings . Doch meine Liebe zu Dir endet darum nicht ! so lange mein Herz schlägt , schlägt es für Dich ! so lange meine Augen offen stehen , wachen sie über Dich ! so lange ein Blutstropfen in meinen Adern fließt , gehört er Dir ! so lange ich auf dem Wege fortgehe , den ich seit meiner Kindheit gewählt , durch meine Jugend fortgeführt habe , und mit dem ich als Mann gleichsam verschmolzen bin - folge ich Dir ! Du gehörst zu meiner innersten Wesenheit , Faustine , denn durch Dich ist mir das Verständniß der Liebe geworden . Und Du solltest mich nicht genug lieben , um nicht ganz mir gehören zu wollen ? o das werd ' ich nimmer glauben . Und wenn Du Nein sprichst mit Worten und Nein durch die That - dennoch werd ' ich Dir nicht glauben ! « » Da hast Du Recht , Mario ! « rief sie . » Jetzt hast Du entschieden , Faustine : Du willst mir gehören . O Engel , habe Dank ! Du liebst mich ! « - Marios Stimme zitterte und sein Auge war feucht , als er so sprach ; von seinen Zügen war jede Spur des Selbstbewußtseins weggeschmolzen , welches ihm sonst etwas so Kühles , so Verpanzertes gab , daß man leicht glauben durfte , sein Herz bleibe unangefochten hinter der eisernen Brustwehr . Faustine sah ihn an ; Freude und Wehmuth , Wonne und Schmerz wogten in ihrem Busen ; sie erkannte , daß sein Glück in ihrer Hand lag : der Augenblick beherrschte sie , die Gegenwart siegte ; sie vergaß die Vergangenheit und dachte nicht an die Zukunft . Sie sagte nichts , aber sie nahm seine Hände , faltete sie und legte sie um ihren Hals , wie ein Joch . Dann fragte sie : » Hast Du verstanden , Mario ? « Aber Mario antwortete nicht , und Faustine sah sich zum ersten Mal dem Ausbruch einer Leidenschaft gegenüber , neben welcher die eigne Glut ihr blaß und kalt erschien . » Kann Dich denn wirklich die Liebe beseligen ? « fragte sie . » Die Deine kann es , Faustine ! « entgegnete Mario , » und jetzt begehr ' ich den Beweis dieser Liebe . « Sie schlug die erstaunten Augen groß zu ihm auf , als er sie bei der Hand nahm und aus dem Salon nach ihrem Zimmer führte . Da , vor ihrem Schreibtisch , ließ er sie los und sagte bittend : » Jetzt schreibe , Faustine . « » O Gott , « ächzte sie und sank in den Lehnstuhl , » ich kann nicht ! « » So muß ich es thun ! « sagte Mario gelassen . » Bist Du wahnsinnig ? « rief sie außer sich ; » nein ! keine andre Hand , als die meine , soll ihm den Dolch ins Herz stoßen ; denn das thue ich , das weiß ich ! « » Ja , « sagte Mario , » ihm oder mir . « Faustinens Zähne schlugen krampfhaft zusammen und ihre Hände waren eiskalt . Mario fuhr fort : » Die halbe Stunde ist sogleich verronnen , Faustine ! schreibe ! Du mußt Dich entschließen . Nach dem Entschluß hört die Qual auf . Das Unwiderrufliche überströmt die Schwankungen so beruhigend , wie Oel die tobenden Wellen . Ich will ja nicht Deinen Willen beherrschen ; ich will ja nur , daß Du ihn aussprechen sollst . Schreibe , Faustine . « Sie war ganz von ihm beherrscht . Seine Bestimmtheit , die sich um seine Leidenschaft legte , wie ein Schild vor eine nackte Brust , beschämte sie , die Schwankende . » Ja , « sagte sie , » Du bist zuversichtlich , weil Du ganz göttlich-zuverlässig bist . Aber ich - darf ich mich auf mich selbst verlassen ? « » So verlasse Dich auf mich , Faustine , und schreibe ! Sieh , Du kannst ja nichts Anderes thun . Gesetzt , Du stießest mir den Dolch ins Herz - was wolltest Du hinterher beginnen ? gegen Andlau schweigen ? das ist Dir unmöglich ! überdies würd ' er errathen , daß Du nicht die Alte bist , und fragt er , wie willst Du leugnen , lügen können ! - Oder Du sagst ihm , was Dir begegnet ist : glaubst Du , daß er im Stande sein wird , es zu verschmerzen ? Wenn ' s eine Laune von Deiner Seite gewesen wäre - wenn Du in einem müßigen Augenblick Gefallen an mir gefunden und Dich neckend und lieblich mit mir amüsirt hättest - ja , darüber könnte er lächeln und sich trösten . Kann er das jetzt , Faustine ? « » Nimmermehr , « sagte sie , und nahm entschlossen die Feder . Sie schrieb : » Anastas , Dein letztes Wort beim Abschied ist Wahrheit worden : ich habe Dich vergessen .