Bosheiten immer gewälzt werden : diesem Niemand kannst du es sagen , oder auch seinem Erbfeinde , dem Jemand : denn freilich ist der Niemand auch wieder der Tugendsame , Gottesfürchtige , Wohltätige , der ohne Laster und Leidenschaft ist , und wenn Niemand so ausbündig und tadellos ist , so muß irgendein Jemand doch wohl dies und das verbrochen haben . - O ihr armen Armseligen ! hat Gott denn wirklich für euch die Sprache erfunden und sie euch mitgeteilt ? « Mit dieser Rede ließ sie ihn stehn , um sich in ihren Zimmern zu verschließen . Ottavio , der Hohnlächeln und verachtenden Spott in ihren Mienen gesehn hatte , war erfreut , als die Mutter mit ihrer Gesellschaft in das Haus trat . Vittoria ließ sich , als unpaß , durch den Diener entschuldigen . - Drittes Kapitel Die Mutter , Donna Julia , hatte sich schon seit lange in alle die Einrichtungen gefunden , welche Vittoria in ihrem Haushalt für notwendig hielt . Es befremdete sie eigentlich nicht , wenn sie sah , wie die beiden Ehegatten auf keine Weise in dem Verhältnis lebten , wie es Sitte , Gesetz und Religion verlangen . Sie waren stets getrennt , und sahen sich nur , wie zufällig , wenn Besuchende im Saale versammelt waren . Sie benutzten die Gewohnheit , welche schon damals eine mißverstandene Schicklichkeit und Courtoisie in Italien einführte , daß Mann und Frau sich nicht beisammen in fremden Häusern zeigen , und so erblickte man Vittoria allenthalben nur in Gesellschaft des Herzogs Bracciano , dem alle übrige erklärte Verehrer der schönen Frau hatten weichen müssen . Vittoria behandelte immerdar mit einer stillen , nicht auffallenden Geringschätzung , an welche er sich nun schon gewöhnt hatte , ihren Gemahl ; eine Vernachlässigung , die ihn jetzt nicht mehr demütigte , da er so auffallend von vielen Großen , vorzüglich vom Kardinal Farnese beschützt wurde . Die Mutter Julia war bekümmert , daß sie so ganz das Vertrauen der Tochter , sie wußte selbst nicht wie , verloren hatte , und die bange Ahnung eines vielleicht bald einbrechenden Unglücks bedrückte ihr Gemüt , so daß sie nach und nach alle Heiterkeit verlor . Es machte sie auch das Gefühl unglücklich , daß ihr Sohn , der Bischof , ihr und dem Kardinal Montalto fast mit offenbarer Feindlichkeit entgegentrat , und sich offen als Anhänger der Farnesischen Partei erklärte : von ihrem Sohne Marcello brachte sie nichts in Erfahrung , als nur betrübende Gerüchte , so daß sie für diesen immerdar zittern mußte , und so war das Glück , auf welches sie gerechnet hatte , fast in nichts zerronnen . War der Herzog Bracciano auch glücklich , so kämpfte sein ungestümer Geist doch immerdar , mehr und alles zu erringen . Indem er seine Geliebte wegen ihres edlen Mutes verehren mußte , fühlte er doch , wie unwürdig ihr gegenüber ihr sogenannter Gemahl erschien , auch quälte ihn eine sonderbare Eifersucht , denn er wußte oder ahnete wohl , was Farnese gehofft , und früher der junge Orsini beschlossen hatte . Dieser vermied geflissentlich alle Gesellschaft , wo er die Accorombonis treffen konnte und lebte ganz seiner Braut , der schönen Savelli , mit welcher er sich auch nach einiger Zeit vermählte , zum Erstaunen vieler Römer , welche es nicht begreifen konnten , wie die edle , von allen verehrte Jungfrau sich mit dem Ausgelassensten der römischen Jugend verbinden könne . Es war ein Fest und ein Maskenball unter den jungen Leuten veranstaltet worden , an welchem auch Peretti teilnehmen sollte . Vittoria entzog sich seit einiger Zeit diesen rauschenden Vergnügungen , und so auch dieser Anstalt , und um so mehr , weil man beschlossen hatte , daß das Festino bis in den folgenden Tag hinein dauern sollte . Die Mutter war unwohl und ging früh zur Ruhe , alle Bekannte und Freunde , jeder Besuch war abgewiesen worden , und so hatte Vittoria Gelegenheit , sich wieder einmal ganz der Einsamkeit zu ergeben , die sie jetzt mehr als je gern aufsuchte , sooft es nur irgend möglich war . Denn dem beobachtenden Freunde entging es nicht , daß sie viel ernster war , als früher , daß jene jugendliche übermütige Laune , die sie ehedem so reizend machte , sie jetzt nur noch selten besuchte . Heut am Abend überließ sie sich gern den süßesten Träumen , weil es verabredet war , daß Bracciano sie sehn , und ungestört bis spät sich ihres Gesprächs und ihrer Gesellschaft erfreuen solle . Der Herzog kannte ihr Wesen und ihre Festigkeit so gut , daß er mit keinen neuen Hoffnungen zu ihr schlich , und sie durfte sich so vertrauen , daß kein Flehn oder liebliches Träumen ihre Entschlüsse in dieser nächtlichen Einsamkeit erschüttern würden . Ursula , die Vertraute , ließ auf ein gegebenes Zeichen den verkleideten Fürsten in den Saal . Vittoria erwartete ihn beim Scheine einiger Kerzen , sie hatte verschiedene ihrer Gedichte hervorgesucht , die sie ihm nach seinem Wunsche mitteilen wollte . Bracciano war sehr feierlich gestimmt und nahm traurig und nachdenkend Platz an ihrer Seite . Sie erlaubte ihm gern Kuß und Umarmung und beide ergingen sich dann in süßen Plaudereien , die nur Liebende zu schätzen wissen , in jenen Kleinigkeiten , die den übrigen Menschen nur unbedeutend erscheinen , und an denen sich die Berauschten entzücken . Endlich sagte Bracciano : » Und du willst dies Elend noch ferner so ruhig mit ansehen , in welchem wir beide verstrickt leben ? Es ist dir nicht möglich , einen großen , herzhaften Entschluß dir abzuringen , um uns eine neue Bahn zu brechen ? Können wir nicht nach Venedig gehn , selbst nach Toskana , oder Frankreich und Deutschland ? Alles , was ich besitze , lege ich zu deinen Füßen : meine Verbindungen , mein Rang sichern dir in jedem Lande eine ehrenvolle Aufnahme , wer weiß , was indessen hier mit dem schwachen , oft kränkelnden