Dir geredet wie sie so wehmutsvoll aufschrie im Schilf . - Ich will ja doch gern alles mit Dir teilen , es ist mir Genuß , großer Genuß , Deine Schmerzen auf mich zu nehmen , ich bin stark , ich bin hart , ich spür ' s nicht so leicht , mir sind Tränen zu ertragen , und dann sprießt die Hoffnung so leicht in mir auf , als könnt wieder alles werden und besser noch , als was die Seele verlangt . - Verlaß Dich auf mich ! - Wenn ' s Dich ergreift - als woll es Dich in den Abgrund stoßen , ich werde Dich begleiten überall hin - kein Weg ist mir zu düster - wenn Dein Aug das Licht scheut , wenn es so traurig ist . - Ich bin gern im Dunkel , liebe Günderode - ich bin da nicht allein , ich bin voll von Neuem , was in der Seele Tag schaffet - grade im Dunkel , da steigt mir der lichte hellglänzende Friede auf . - O verzweifle an mir nicht , denn ich war in meinen Briefen auf einsamen Wegen gegangen , ja , zu sehr als such ich nur mich selbst , das wollt ich doch nicht , ich wollte Dich suchen , ich wollt vertraut mit Dir werden , nur um mit Dir die Lebensquellen zu trinken , die da rieseln in unserm Weg . - Ich fühl ' s wohl an Deinem Brief , Du willst Dich mir entziehen - das kann ich nicht zugeben , die Feder kann ich nicht niederlegen - ich denk , Du müssest aus der Wand springen ganz geharnischt wie die Minerva und müßtest mir schwören , meiner Freundschaft schwören , die nichts ist als nur in Dir - Du wollest fortan im blauen Äther schwimmen , große Schritte tun , wie sie , behelmt im Sonnenlicht wie sie , und nicht mehr im Schatten traurig weilen . Adieu , ich geh zu Bett , ich geh von Dir , obschon ich könnt die ganze Nacht warten auf Dich , daß Du Dich mir zeigst , schön wie Du bist und im Frieden und Freiheit atmend , wie ' s Deinem Geist geziemt , der das Beste , das Schönste vermag . Eine Ruhestätte Dir auf Erden , das sei Dir meine Brust . - Gute Nacht ! - Sei mir gut - ein weniges nur . - Montag Jetzt hab ich schon drei Tage an diesem Brief geschrieben , und heute will ich ihn abschicken , ach , ich mag ihn nicht überlesen , geschrieben ist er , wahrheitsvoll ist er auch , wenn Du die augenblickliche Stimmung der Wahrheit würdigest , wie ich sie deren würdige und nur sie allein , obschon die Philister sagen , sie sei die Wahrheit nicht , nur was nach reiflichem Überlegen und wohlgeprüft vom Menschengeist sie angenommen , das sei Wahrheit . Ach diese Stimmungen , sie bauen das Feld , und was uns zukommt , als sei die Seele mit im Abendrot zerschmolzen , oder als löse sie sich frei vom Gewölk und tue sich auf im weiten Äther - das bringt uns auch wie das fruchtbare Wetter Gedeihen . Ist mir ' s doch , da ich meinen Brief schließen will , als ob das schönste Leben uns bevorstehe , wenn Du nur willst und willst so viel mich würdigen , daß Du ruhig Deine Hand in der meinen liegen lässest , wenn ich sie fasse . - Ich war heut morgen draus und hab mir den Aschenkranz zum Ball bestellt - wie Du ' s gesagt hast - aber , gelt der Moritz hat Dir ' s gesagt , ich soll den Kranz aufsetzen ? - Ich kam hin zum Gärtner , er stand zwischen der Tür vom Boskett und dem Blumengarten gelehnt , gewiß er hat auf mich gewartet , denn ich war schon zwei Tage nicht da gewesen . Aber gestern abend , wie ich schlafen ging , da hatt ich mir fest vorgenommen , ich wollt gewiß keinen Menschen unglücklich machen , oder besser , ich wollt gewiß jedem geben an Glück , was ich kann . - Und mir soll ' s nicht zu gering sein , und was ist ehrender , als wenn Du mit einem Blick oder Wort wohltun kannst ! - Nun hör nur mein lieb Gespräch mit dem Gärtner an . - Weil ich kam , so sagt ich : » Ich hätt wohl eine Bitte an den Anton . ( Denn ich rede ihn nicht anders an , denn ich mag ihn nicht Er nennen . ) Ich geh auf den Ball heut und da möcht ich einen Kranz , und weil ich gar nicht vergnügt bin , daß ich zum Tanz soll gehen , so wollt ich einen traurigen Kranz gern haben von Aschenkraut , und keine Blumen wollt ich gar nicht . Ist wohl so viel Aschenkraut da , daß wir einen Kranz können machen , ohne die Büsche zu verderben ? « - Da ging er voran und brach mir eins nach dem andern , und ich band ' s am Draht fest . Er hatte mir doch noch kein Wort gesagt und legte mir die Sprossen nacheinander auf den Schoß , ich saß auf der Blumenbank am Treibhaus , er rückte die Blumen über mir und um mich her zusammen , während ich meinen Kranz flocht , und holte noch mehrere aus dem Treibhaus , daß ich wohl merkt , ich war ganz eingerahmt , und da war eine große purpurrote Passionsblume , die hing herab an meiner Seite , er schnitt sie ab und legte sie schweigend an das Geflecht , ich band sie auch schweigend mit ein , ich probierte ihn auf , er war weit genug , er nahm ihn mir aus der Hand , streifte sich den Ärmel auf , maß am Arm die Länge vom Kranz und band ihn selber fest ,