welche sich bis jetzt ruhig gehalten hatten , wollten nun durch Witz und muntere Einfälle ihren Zoll zur allgemeinen Freude beitragen . Freilich trafen nicht Alle immer das Beste , und oft erhob sich Gelächter aus ganz andern Gründen , als der beabsichtigte , welcher es erregte ; aber doch umschwebte die Freude die Tafel . Endlich neigte sich auch diese Lust zu Ende , und der Haushofmeister schenkte schon den perlenden Champagner ein ; der Baron Löbau sah mit ängstlichen Blicken den Grafen an , der ihn sogleich verstand , ein Glas nahm und , indem er aufstand , mit lauter Stimme rief : Auf das Wohl unseres theuern Landesvaters , unseres geliebten Königs , den uns Gott lange erhalten möge ! Ein langer schmetternder Tusch von Trompeten bestätigte die ausgebrachte Gesundheit , und es war , als ob die Töne in jeder Brust das gleiche Gefühl der Liebe und Hingebung hervorriefen , Aller Augen glänzten in Thränen , alle Stimmen wiederholten die Worte , und selbst der Baron Löbau , der die Sache wie eine Förmlichkeit betrieben hatte , fand unvermuthet eine Empfindung in seinem Busen , die auch seine Augen befeuchtete . Er hatte sich nicht auf den Grafen verlassen und befürchtet , daß in Ansehung dieses wichtigen Gesundheitstrinkens nicht die gehörige Anordnung getroffen sein möchte , deßhalb hatte er es nicht verschmäht , in einem unbeachteten Augenblicke den Haushofmeister aufzusuchen und ihm selbst das Nöthige aufzutragen , und blickte nun mit einem Gefühl von Stolz gleichsam in die Trompetentöne hinein , die er glaubte veranlaßt zu haben . Nach der Abendtafel wollten noch Einige den Tanz zu erneuern suchen , aber auch die Lust ermüdet den Menschen , und da der Tag schon wieder zu dämmern begann , so trennte sich die ermüdete Gesellschaft . XVIII Als nach einer Ruhe von einigen Stunden der Graf sich wieder von seinem Lager erhoben hatte , säumte Dübois nicht , aus doppelten Gründen , sogleich vor dem Herrn zu erscheinen ; zuerst wollte er erfahren , ob der Graf mit der ganzen Anordnung des Festes zufrieden gewesen sei , und dann glaubte er , daß es gut gethan sei , wenn er ihm die Unterredung mittheilte , die er mit dem Knaben Gustav gehabt hatte . Als ihn der Graf erblickte , rief er : Ei , ei , guter Dübois , sind Sie schon aufgestanden , nach der großen Anstrengung , die Sie gestern hatten ? Sie sollten sich mehr schonen , Sie sollten daran denken , daß Sie sich uns noch lange erhalten müssen . Dübois lächelte entzückt über diese Güte und versicherte , daß er gar keine Müdigkeit fühle , auch , fuhr er fort , stand mir der Knabe des jungen Herrn Grafen mit so vieler Gewandheit und Einsicht bei , daß ihm ein großer Theil des Lobes gebührt , wenn wir überhaupt Lob verdient haben . Alles war vortrefflich , sagte der Graf , jede Anordnung verständig ; wie läßt sich das auch von Ihnen anders erwarten ; Sie haben in Paris eine so gute Schule gehabt ; und Alles war so eingerichtet , wie ich es liebe ; Jeder wohl versorgt , auch der geringste Gast beachtet , ein anständiger Ueberfluß ohne alle Prahlerei ; durch Ihre Mühe war es ein so wohlgeordnetes Fest , daß ich Ihnen recht sehr dafür danke . Gewiß , sagte der Haushofmeister , ich bin innig erfreut über die Zufriedenheit meiner hohen Herrschaft , aber doch muß ich der Wahrheit gemäß eingestehen , daß ich mir ohne den lieben Knaben Gustav gar nicht in dem Grade diese mir so theure Zufriedenheit hätte erwerben können . Was ist es mit dem Knaben , fragte der Graf , denn es scheint mir , daß Sie seiner nicht ohne Absicht gedenken ? So ist es , erwiederte Dübois und ließ sich gern bereit finden , Alles , was er von dem Knaben wußte , mitzutheilen . Der Graf hörte nicht ohne Theilnahme dessen traurige Geschichte und sagte , als sie geendigt war : Wie bereit doch ein Jeder ist , dem Andern Unrecht zu thun ; ich hätte meinem finstern , kalten Vetter nicht so viel Menschlichkeit zugetraut , und ich war sehr geneigt , das für seinen Charakter zu erklären , was vielleicht nur die Folge eines eben erduldeten Unglücks sein mag . Ich hielt es deßhalb für meine Pflicht , erwiederte Dübois , das Alles zu berichten , damit nicht vielleicht die Mitglieder eines verehrten hohen Hauses durch Mißverständnisse noch mehr von einander getrennt werden . Sie sind ein verständiger Mann , sagte der Graf mit Güte , und ich habe es oft mit Dank erkannt , daß Sie alles , was zu meinem Vortheil gehört , wie ein Freund berücksichtigen . Dieß ist die Pflicht eines treuen Dieners , sagte der alte Mann mit vor Rührung bebender Stimme , aber nicht immer wird diese Pflicht gegen so edle Herren ausgeübt . Ich bin so dreist gewesen , fuhr er sich beherrschend fort , dem Bürschchen Gustav den Gebrauch der Bibliothek zu gestatten , ohne um Ihre Erlaubniß dazu erst nachzusuchen , wie ich hätte thun sollen , aber die Geschäfte des Tages verhinderten mich , und ich hoffe , der Herr Graf verzeihen mir diese Freiheit . Sie haben auch daran Recht gethan , mein guter Dübois , sagte der Graf , wie ich alles , was Sie für den unglücklichen Knaben gethan haben , nur loben kann , und gewiß werde ich es nicht unterlassen , Ihre guten Absichten mit ihm nach besten Kräften zu unterstützen . Das Wort war gesprochen , welches Dübois von der Großmuth seines Herrn erwartet hatte , und er ging in jeder Hinsicht befriedigt hinweg . Kaum hatte der Haushofmeister den Grafen verlassen , als St. Julien mit ganz ungewöhnlicher Heiterkeit hereintrat . Sie wollten kein Friedensfest , rief er lachend , nachdem er den Grafen umarmt hatte , aber wenn Sie auch dabei bleiben wollen , das gestrige Fest nicht