, das Gefühl , wovon ich rede , lag in der letzten Zeit schon beinahe reif in mir ; ich kann nicht sagen , daß es die Folge langer Überlegung sei , doch ruht es auf dem klarsten und nüchternsten Bewußtsein und ist so wahr als ich nur selber wirklich bin . Es hat sich mir in diesen Tagen die Gestalt meiner Vergangenheit , mein inneres und äußeres Geschick , von selber wie im Spiegel aufgedrungen und es war das erstemal , daß mir die Bedeutung meines Lebens , von seinen ersten Anfängen an , so unzweideutig vor Augen lag . Auch konnte das und durfte nicht wohl früher sein . Ich mußte gewisse Zeiträume wie blindlings durchleben , vielleicht geht es mit den folgenden nicht anders und vielleicht ist das bei den meisten Menschen so ; aber auf den kurzen Moment , wo die Richtung meiner Bahn sich verändert , wurde mir die Binde abgenommen , ich darf mich frei umschauen , als wie zu eigner Wahl , und freue mich , daß , indem eine Gottheit mich führt , ich doch eigentlich nur meines Willens , meines Gedankens mir bewußt bin . Die Macht , welche mich nötigt , steht nicht als eigensinniger Treiber unsichtbar hinter mir , sie schwebt vor mir , in mir ist sie , mir deucht , als hätt ich von Ewigkeit her mich mit ihr darüber verständigt , wohin wir zusammen gehen wollen , als wäre mir dieser Plan nur durch die endliche Beschränkung meines Daseins weit aus dem Gedächtnis gerückt worden , und nur zuweilen käme mir mit tiefem Staunen die dunkle wunderbare Erinnerung daran zurück . Der Mensch rollt seinen Wagen wohin es ihm beliebt , aber unter den Rädern dreht sich unmerklich die Kugel , die er befährt . So sehe ich mich jetzt an einem Ziele , wonach ich nie gestrebt hatte , und das ich mir niemals hatte träumen lassen . Vor wenig Wochen noch schien ich so weit davon entfernt ! Manches , was mir so lang als notwendige Bedingung meines Glücks , meines vollendeten Wesens erschienen war , was ich mit unglaublicher Leidenschaft genährt und gepflegt hatte , liegt nun wie tote Schale von mir abgefallen ; so ist Constanze mir nicht viel mehr als noch ein bloßer Name , so ist mir schon früher jene Agnes untergesunken . Große Verluste sind es hauptsächlich , welche dem Menschen die höhere Aufgabe seines Daseins unwiderstehlich nahebringen , durch sie lernt er dasjenige kennen und schätzen , was wesentlich zu seinem Frieden dient . Ich habe viel verloren , ich fühle mich unsäglich arm , und eben in dieser Armut fühle ich mir einen unendlichen Reichtum . Nichts bleibt mir übrig , als die Kunst , aber ganz erfahr ich nun auch ihren heiligen Wert . Nachdem so lange ein fremdes Feuer mein Inneres durchtobt und mich von Grunde aus gereinigt hat , ist es tief still in mir geworden , und langsam spannen alle meine Kräfte sich an , in feierlicher Erwartung der Dinge , die nun kommen sollen . Eine neue Epoche ist für mich angebrochen , und , so Gott will , wird die Welt die Früchte bald erleben . Siehst du , ich könnte dir die hellen Freudetränen weinen , wenn ich dran denke , wie ich mit nächstem zum ersten Male wieder den Pinsel ergreifen werde . Viel hundert neue , nie gesehene Gestalten entwickeln sich in mir , ein seliges Gewühle , und wecken die Sehnsucht nach tüchtiger Arbeit . Befreit von der Herzensnot jeder ängstlichen Leidenschaft , besitzt mich nur ein einziger gewaltiger Affekt . Fast glaub ich wieder der Knabe zu sein , der auf des Vaters Bühne vor jenem wunderbaren Gemälde wie vor dem Genius der Kunst geknieet , so jung und fromm und ungeteilt ist jetzt meine Inbrunst für diesen göttlichen Beruf . Es bleibt mir nichts zu wünschen übrig , da ich das Allgenügende der Kunst und jene hohe Einsamkeit empfunden , worin ihr Jünger sich für immerdar versenken muß . Ich habe der Welt entsagt , das heißt , sie darf mir mehr nicht angehören , als mir die Wolke angehört , deren Anblick mir eine alte Sehnsucht immer neu erzeugt . Ich sage nicht , daß jeder Künstler ebenso empfinden müsse , ich sage nur , daß mir nichts anderes gemäß sein kann . Auf diese Resignation hat jede meiner Prüfungen hingedeutet , dies war der Fingerzeig meines ganzen bisherigen Lebens ; es wird mich von nun an nichts mehr irre machen . « Der Maler schwieg , seine blassen Wangen waren von einer leichten Röte überzogen , er war aufs äußerste bewegt und bemerkte mit Unwillen die Befremdung seines Freundes , sowie sein zweifelhaftes Lächeln , das jedoch weniger Spott als die Verlegenheit ausdrückte , was er auf Theobalds höchst unerwartete Erklärung erwidern sollte . » Darf ich « , fing Larkens an , » darf ich aufrichtig sein , so leugne ich nicht , mir kommt es vor , mein Nolten habe sich zu keiner andern Zeit weniger auf sich selber verstanden , als gerade jetzt , da er plötzlich wie durch Inspiration zum einzig wahren Begriff sein selbst gelangt zu sein glaubt . Weiß ich es doch aus eigener Erfahrung , wie gerne sich der Mensch , der alte Taschenspieler , eine falsche Idee , das Schoßkind seines Egoismus die Grille seiner Feigheit oder seines Trotzes , durch ein willkürlich System sanktioniert , und wie leicht es ihm wird , einen schiefen oder halbwahren Gedanken durch das Wort komplett zu machen . Denn du gibst mir doch zu - « » Hör auf ! ich bitte dich « , rief Theobald lebhaft , » hör auf mit diesem Ton ! du machst , daß ich bereue , dir mein Innerstes aufgeschlossen , dir das heiligste Gefühl bloßgestellt zu haben , das mir kein Mensch unter der Sonne von den Lippen gelockt hätte , wenn es der Freund nicht wäre , von dem