und beschwöre sie , mir zu glauben , daß ich unwissend fehlte ! O Hugo ! Hugo ! wo ist mein heiterer Muth , mein klarer , fester Blick ! Ich bin gefangen , und keine Macht der Erde spricht mich frei ! Antwort Uebereilen Sie nichts . Der Augenblick ist unpassend . Emma leidet . Die Seele ist so abhängig vom Körper ! Warum sie durch unvorgesehene Stürme aufs neue erschüttern ? Und wozu ? Was ist es denn , das Sie ihr sagen wollen ? Fürchten Sie nicht , durch laute , bestimmte Worte dem Geheimniß in sich zu nahe zu treten ? Zittern Sie nicht , die Wahrheit zu verletzen , indem Sie durch ihren Schein das Gewissen hintergehen ? Können Sie sagen : » so ist ! so war es ! « ohne zu empfinden , daß es ganz , ganz anders war ? Läßt sich der Hauch des Lebens , der Athem der Seele , wie ein Ding fassen , das man halten und geben kann , wie das Bedürfniß der Verständigung es fordert ? - Es ist vergebens ! Sie werden Emma nichts entdeckt haben , wenn Sie gleich Ihr Herz vor ihr entblößen , und sie zwingen , das strafende Auge verletzend darauf zu richten . O Elise ! wollen Sie denn gleich den Frost strenger , kalter Erörterung auf die Blüthe eines neuen Daseins werfen ? Ich verstehe Sie , ich verstehe Sie vollkommen . Aber Sie täuschen sich ! Es geht nicht ! Die Sprache giebt den Begriff wohl wieder , doch das Unbegreifliche durchdringt uns , wie der Strahl des Lichts ! Er ist überall , und weder das Bewußtsein , noch irgend eine Kraft des Geistes vermag das Unaussprechliche unentweiht in die Gränzen der Anschauung zu zwingen . Warten Sie wenigstens noch einen Tag , ehe Sie Ihr Vorhaben ausführen . Ueberlegen Sie , was Sie thun wollen . Zähmen Sie den unruhigen Durst , sich in einer ungewöhnlichen Aufopferung zu genügen . Ich komme , Elise . Ich bin diesen Abend mit dem Kahn an Ihrem Garten . Eilen Sie , eilen Sie , dem Geschick die fliehenden lieben Stunden abzustehlen ! Gegen acht Uhr Abends bin ich bei Ihnen . Gute , liebe Elise ! Verwickeln Sie Ihren freien Sinn nicht in jene nachschleppenden , hinkenden Gedanken , die das Gefühl lähmen und den Wunsch doch nicht tödten können . Sein Sie auch diesmal die starke , kräftige Frau , die sich selbst ihre Bahn zeichnet ! Tavanelli an Leontin Zu spät ! Zu spät ! Ihre Warnung verfliegt in den Wind ! Ich kann nichts ungeschehen machen . Ich darf es auch nicht . Sie wissen nicht , was Sie fordern . Sie kennen die Qualen nicht , die mich foltern . Sie werden es auch nicht fassen , wenn ich Ihnen sage , daß , um Elise zu retten , ich sie verderben mußte . Ja , sie muß zeitlich untergehen , um ewig zu leben . Niemand liebt sie , wie ich sie liebe . Niemand ! Ich habe mein Herz mit tausend Pfeilen durchstochen . Auch das ihrige wird bluten . Aber Gott weiß , es geht nicht anders ! Meine Füße tragen mich nicht mehr , und doch muß ich unstät umherlaufen , bis ! - Er kömmt gewiß ! Walter bringt ihm diese Zeilen . Heute Abend - o ich zittre an allen Gliedern ! Gottes Gericht ist fürchterlich . Leontin an den Arzt Säumen Sie nicht eine Sekunde . Fliegen Sie , wenn Ihnen der Wunsch , ein Leben zu retten , Flügel geben kann ! Kaum athmet noch der schöne , liebe Knabe . Sein guter Engel führte mich ans Ufer , ehe es auf immer um ihn geschehen war . Aber es ist vielleicht nur das letzte Zucken des Daseins ! Ewiger Richter im Himmel ! laß dies das einzige Opfer sein ! Ich fürchte , auf der Burg wird diese Nachricht den Ausschlag geben ! Ja , ja ! finsterer Tavanelli , Gottes Gericht ist fürchterlich ! Der Comthur an Sophie Bleiben Sie , arme Sophie , bleiben Sie , wo Sie sind . Hier können Sie Niemanden mehr nützen . Emma hat mit ihrer Mutter die Burg in einem Zustande verlassen , der ihr die Fähigkeit nahm , über sich selbst zu bestimmen . Dahin ist es gekommen ! Ich tadle Niemand ! Der Fall war von der Art , daß er ein Gemüth , wie das der Oberhofmeisterin , zum Aeußersten treiben mußte . Was soll ich Ihnen weiter sagen ? Alles ist entdeckt , der Riß geschehen ! Eine geschickte Hand könnte wohl zusammenhalten - aber Leben giebt nur Leben , und das ist an der Wurzel erschüttert . Erlassen Sie mir den peinlichen Bericht des Geschehenen . Mir widersteht die gewaltsame Verwüstung ruhig geordneter Verhältnisse . Ich wende mich betrübt davon ab , um soviel als möglich nicht wieder darauf hinzusehen . Unser Freund , der Arzt , übernimmt es , Ihnen alle Umstände eines Vorfalles mitzutheilen , bei welchem sein Beistand von mehr als einer Seite in Anspruch genommen ward . Er rede , wenn ich schweigend in mich selbst zurücktrete und hier die Welt aufsuche , in der wir , Liebste , unzertrennlich bleiben ! - Der Arzt zur Fortsetzung . - Am Mittwoch Abend saß ich am Ruhebett der Frau Gräfin . Ich fand ihren Zustand besser . Wir redeten von gleichgültigen Dingen , als mir ein Billet mit dem Zusatze eingehändigt wurde : der Reitknecht sei beauftragt , mir sein Pferd zu überlassen , um mich schneller nach dem Landhause des Herrn Präsidenten zu bringen , woselbst dringende Gefahr meine Gegenwart nothwendig mache . Ich erschrack um so mehr , da mich ein flüchtiger Blick auf die ersten Worte des Schreibens ein Unglück ahnden ließ . Dies , und die große Reizbarkeit meiner theuren Kranken bedenkend , bemühte ich mich , mit so viel Gleichmuth , als mir nur