Bande , eine der ansehnlichsten , hatte es am heutigen Tage auf Niemand Geringern , als auf den Kaiser selbst abgesehen gehabt , von dem ein dunkles Gerücht verbreitet hatte , als wolle er selbst , in die Tracht , des wilden Jägers vermummt , allein und ohne Gefolge die Volkslust in den höchsten , wie in den niedersten Kreisen verfolgen und beobachten . Die Hoffnung , von dem leutseligen Herrn ein ansehnliches Geschenk zu gewinnen , hatte diese lockern Töchter so kühn gemacht , ihn im Putze vornehmer Frauen aufzusuchen , und so zierlich zu bewirthen , als es angehen würde . Gerhard ' s Larve täuschte sie , wie früher schon das lügenhafte Gerücht ; erst in dem Saale des Gasthauses , in welchem für die lebenslustige Schar und ihren seltnen Gast ein Vespertrunk bereit stand , enthüllte sich die Wahrheit . Gerhard lachte die Betrogenen aus , log ihnen von seinem Geschlechte und seinen Gütern ein Langes und Breites vor , ließ sich ihren Wein schmecken , seinen Beutel wegstibitzen , und entrann mit leerer Tasche und ziemlich vollem Kopfe den Lockungen des losen Gesindels . - » Sagt nun einmal zur Güte , « schloß er seinen Bericht ; » ob ich nicht Wort gehalten habe , wie ein Mann . Hier bin ich wieder und stehe Euch zur Seite . Verlangt , was Ihr wollt . Ich stehe dem Satan selbst , wenn er Lust hätte , mit mir anzubinden . « » Das glaub ' ich Dir von Herzen gern ; « erwiederte Dagobert : » denn Dir sitzt ein Dutzend von Teufeln jetzt im Leibe . Da ich indessen heute eines Menschen bedarf , der nicht grübelt , da der Weindunst Dir das Grübeln verbietet , und Deiner Bärenkraft das Doppelte , wie ich hoffe , zulegt ; so sollst Du der Wächter einer That seyn , die Dir später Segen bringen wird , erfährst Du auch kein Wort von ihr . « - » Ihr sprecht ein Deutsch , das klingt wie Latein ; « meinte Gerhard : » ich will bucklich werden , wie der Montfort , wenn ich ein Wort davon verstehe . Thut indessen nichts . Sagt mir nur , wo ich hinstehen soll . Kreuz und Dorn ! ich halte fest . « - » Für ' s Erste , « sprach Dagobert , indem er ihn in ein finster Gäßlein zog : » für ' s Erste nimm Dein Jagdmesser zur Hand . « - » Was ? « fragte Gerhard , den Jüngling anglotzend , so gut es die Dunkelheit erlaubte : » Ich werde Euch doch nicht die Gurgel abschneiden sollen ? « - » Schweig ! « raunte ihm Dagobert zu : » Trenne schnell und sicher jetzo die Schellen von meinem Gewand und meiner Kappe . « - » Eine seltsame Grille ! « versetzte der Hülshofen » eine wunderliche Aufgabe , hier den Schneider zu machen , wo es Pechrabenschwarz um uns her ist . Schreibt Euch ' s selbst zu , wenn ich nicht blos die Naht treffe . « - » Thut nichts ; nur zu . Ich gebe indessen das Zeichen . « - Während Gerhard mit unbarmherziger Hand die Schellen abschnitt , und mit jeder derselben ein erkleckliches Stück des Gewandes wegnahm , schnalzte Dagobert viermal mit der Zunge , als ob eine Wachtel anschlüge aus grünem Felde . Nicht lange war das Zeichen vorüber als auch schon zwei Männer sich näherten , in schleppenden Röcken . Gerhard , stutzig gemacht , wollte ihnen ein derbes : » Wer geht da ? « entgegendonnern , aber Dagobert hielt ihm den Mund zu . » Willkomm ! « sprach der erste Ankömmling in ausländischer Mundart : » Die Mund ist da . « - » Wie steht ' s ? « fragte Dagobert . - » Gut ; « versetzte der Andre : » der Freund « auf den zweiten zeigend » hat vorgearbeitet . Petrus wird aufmachen . « - » Das gebe Gott ; « antwortete Dagobert , und ging voraus . An der Ecke warf er seine Narrenglocken in einen Brunnen , und schritt dann schneller vorwärts . - » Ist das der Mensch , von dem Ihr spracht ? « fragte ihn leise einer der Fremden , auf den geduldig nachtrabenden Gerhard weisend . » Ja , « entgegnete der junge Mann : » er ist ' s , Herr Graf . Zuverlässig , willenlos , und gänzlich unwissend . « - » Gut , gut ; « antwortete der Fremde , und hielt sich mit seinem Begleiter dicht auf den Fersen des Führers , der abermals in ein Gäßlein einbog , und vor der Pforte und dem Vorsprungshänslein eines Klostergebäudes stille stand . Kein Laut war weder in dem Kloster , noch in der Nachbarschaft zu hören . » Halte hier die strengste Wache ! « sprach Dagobert zu Gerhard : » Wir haben im Hause zu thun . Solltest Du Lärm hören , so decke unsern Rückzug . Schlage das feige Gesindel , mit dem Du zu thun bekommen wirst , nur tapfer hinter die Ohren mit der Klinge . Verletze jedoch nur im allerhöchsten Nothfall . - In der Herberge sehen wir uns im schlimmsten Falle wieder . « - Gerhard brummte zu diesem Allen ein bereitwilliges Ja , pflanzte sich auf ein steinern Bänklein , unfern dem Kloster , und harrte geduldig der Dinge , die da kommen sollten . Dagobert sammt Begleitern klopften hingegen leise an das Pförtlein , und gaben auf die Frage des von innen herausspähenden Bruders die Antwort : » Fastnachtsfreunde . « Darauf öffneten sich die Riegel , und des Thürleins schwarzer Mund verschlang die Pochenden . Ein fettleibiger Klosterbruder stand vor den Eintretenden mit Lampe und Schlüsselbund , und grüßte sie , wie der bildlich dargestellte Fasching mit wankenden Knieen , Brühetriefendem Munde , und in Weineslust verkehrten Äuglein . » O weh ! «