an ihn anschließen , wir werden fechtend durch das Land ziehen und diese Bündler verjagen . « » Marx Stumpf ist noch nicht zurück « , sagte der Ritter von Lichtenstein mit besorgter Miene ; » auch haben sie seit gestern das Schießen eingestellt . Sonst hörte man jeden Stückschuß hier auf dem Lichtenstein , aber seit gestern ist es still wie im Grabe . « » Vielleicht schweigt das Geschütz wegen des Festes ; gebt acht sie werden morgen oder am Ostermontag wieder donnern lassen , daß es durch Eure Felsen hallt . « » Was da ! « entgegnete jener . » Wegen des Festes ? seinem Herzog treu zu dienen ist auch ein frommer Dienst ; und es wäre den Heiligen im Himmel vielleicht lieber sie hörten den Donner der Feldschlangen von Tübingens Wällen , als daß sie die Ritter müßig sehen . Müßiggang ist aller Laster Anfang ! aber wenn nur der Stumpf in das Schloß kommt , der wird sie aufrütteln aus ihrem Schlummer . « » Der Herzog hat den Ritter von Schweinsberg nach Tübingen geschickt , sagt Ihr ? der Herzog will ins Schloß , weil die Besatzung seit einigen Tagen zu wanken scheint ? da kann also Ulerich nicht bis Mömpelgard entflohen sein , wie die Leute sagen ; da ist er vielleicht in der Nähe ? O daß ich ihn sehen könnte , daß ich mich mit ihm nach Tübingen schleichen könnte ! « Ein sonderbares Lächeln zog flüchtig über die ernsten Züge des Alten ; » Ihr werdet ihn sehen , wenn es Zeit ist « , sagte er . » Ihr werdet ihm angenehm sein , denn er liebt Euch schon jetzt . Und ist das Glück gut , so sollt Ihr auch mit ihm nach Tübingen kommen , Ihr habt mein Wort drauf . - Doch jetzt muß ich Euch bitten , Euch ein Stündchen allein zu gedulden . Mich ruft ein Geschäft , das aber bald abgetan sein wird . Nehmt Euch meinen Wein zum Gesellschafter , schauet Euch um in meinem Haus , ich würde Euch einladen auf die Jagd auszureiten , wenn ein solches Vergnügen zum Karfreitag paßte . « Der alte Herr drückte seinem Gast noch einmal die Hand und verließ das Zimmer ; bald nachher sah ihn Georg aus dem Schlosse dem Wald zu reiten . Als sich der junge Mann allein gelassen sah , fing er an , seinen Anzug ein wenig zu besorgen , der durch den Ritt in der Nacht , durch seinen Aufenthalt in der Höhle etwas außer Ordnung gekommen war . Wer je unter solchen Umständen in die Nähe der Geliebten kam , wird es ihm nicht übelnehmen , wenn er vor einem kleinen Spiegel von poliertem Metall , den er in diesem Gemach vorfand , und der wohl zu Mariens Gerätschaften gehören mochte , Bart und Haare ordnete , das Wams ein wenig reinigte , und jede Spur von Unordnung aus seinem Anzug zu verbannen suchte . Er erging sich dann in dem großen Zimmer , und suchte unter den vielen Fenstern eines auf , von welchem er auf den Felsenweg hinabschauen konnte , den Marie von der Kirche im Tal heraufkommen mußte . Es waren fröhliche Gedanken , die sich in bunter Menge an seiner Seele vorüberdrängten , schnell und flüchtig wie ein Zug heller Wölkchen , die am blauen Gewölb des Himmels dahingleiten . Dies war die Burg , die er seit mehr als einem Jahre im Wachen geträumt , in Träumen klar gesehen hatte ; dies die Berge , die Felsen , von denen sie ihm so oft erzählte , dies die Gemächer ihrer Kindheit ! Es hat etwas Anziehendes , in den Zimmern zu verweilen , wo die Geliebte groß geworden ist . Man träumt sich um Jahre zurück , man sieht sie als kleines Mädchen in diesen Kammern , in diesen Gängen sich umtreiben . Man geht um einige Jahre vorwärts , man sieht sie noch klein aber verständig der Mutter jene kleinen Künste der Haushaltung abspähen , die sie viele Jahre nachher als Hausfrau nötig hat . Doch in dem kleinen Köpfchen gestaltet sich schon jetzt ein eigenes Hauswesen ; es ist vielleicht jene Ecke , dachte Georg lächelnd , wo sie in kindischer Geschäftigkeit , was sie von den Brosamen der Küche erbeutete , zu Speisen von eigener Erfindung bereitete , wo sie das hölzerne Wesen , das ein Knecht kunstreich schnitzelte , und die Amme mit einigen bunten Fetzen behängt hat , für ein wackeres Kind hält , und es mit wichtiger Miene zu füttern gedenkt . Und dann jene anmutsvolle Stufe zwischen Kind und Jungfrau ! wo ist wohl das stille Plätzchen , wo sich das fünfzehnjährige Fräulein , wenn sie in Garten und Feld nach Kinderweise getobt hatte , sich ernst und feierlich hinsetzte , die Kunkel zur Hand nahm und goldene Fäden zog , während ihr der Vater von der Mutter und von den Tagen seiner Jugend erzählte , oder durch weise Lehren und gewichtige Sprüche den Geist der Jungfrau zu erheben suchte ? Wo ist das Lieblingsfenster , wohin sie sich , immer höher und schöner heranwachsend , gerne setzte , und mit unbewußter , dunkler Sehnsucht in die Ferne sah , über das Leben und ihre eigene Zukunft nachsann , und sich in freundliche Träume versenkte ? Es war ihm so heimisch , so wohl in diesem Hause , es war ihr Geist , der hier waltete , der ihn umschwebte , den er , ob sie auch fern war , freundlich begrüßte ; dieses Gärtchen auf einem schmalen Raum am Felsen hatte sie besorgt und gepflegt , diese Blumen , die in einem Topf auf dem Tische standen , hatte sie vielleicht heute schon gepflückt ! er ging hin , diese Zeichen ihres freundlichen Sinnes zu begrüßen . Er beugte sich herab über die Blumen , er führte die duftenden Veilchen zum Mund . In diesem Augenblick glaubte er ein Geräusch vor der