daß ich mich diesen unwürdigen Verbindungen entreißen muß . Können Sie mir Gelegenheit geben , das Fräulein wiederzusehen , und ihre Verzeihung zu erbitten ? « » Ich weiß nicht , wie Fräulein von Palden darüber denkt « , antwortete der junge Mann etwas verstimmt und finster ; » ich glaube nicht , daß nach diesen Vorgängen - « » Oh ! Ich habe die beste Hoffnung « , rief jener , » ich kenne Luisens gutes Herz , und kann nicht glauben , daß sie aufgehört habe , mich zu lieben . Hören Sie einen Vorschlag . Signora Campoco hat einen Garten an der Tiber ; bitten Sie das Fräulein , mit ihrer Tante heute abend dorthin zu kommen . Ich will sie ja nicht allein sehen , Sie alle können zugegen sein ; ich will ja nichts , als Vergebung lesen in ihren Augen , ein Wort von ihr soll mir genug sein , um mich mit mir selbst und mit dem Himmel zu versöhnen . Ach , wie schmerzlich fühle ich meine Verirrungen ! « » Gut , ich will es sagen « , erwiderte der Berliner , indem er mit Mühe nach Fassung rang . » Soll ich Ihnen Antwort bringen ? « » Ist nicht nötig ; wenn Sie keine Antwort bringen , bin ich um sechs Uhr als reuiger Sünder in dem Garten an der Tiber . « » Ich gestehe , der Berliner hatte ein sonderbares Geschick . Das Verhängnis zog ihn in diese Verhältnisse , seine Gestalt , sein Gesicht , zufällig dem Kapitän West sehr ähnlich , bringt ihm Glück und Unglück ; es zieht ihn in die Nähe des Mädchens , er lernt ihr Schicksal kennen , er sieht sie leiden , er leidet mit ihr ; die Zeit , die alle Wunden heilt , bewirkt endlich , daß sie den Kapitän vielleicht nicht mehr so sehnlich zurückwünscht ; sie will nur , daß er jenen Schritt nicht tue , den sie für einen törichten hält , sich selbst unbewußt , gibt sie dem armen S. Hoffnungen ; er glaubt sie errungen zu haben durch die vielen Bemühungen um ihre Wahl , und jetzt muß er den gefährlichen Nebenbuhler , einen Mann , den er verachtet , zu ihr zurückführen ! « Ich war begierig auf diesen Abend ; der Berliner hatte mir gesagt , daß sie einwillige , ihn , von Signora Campoco begleitet , zu sehen . Sie hatte ihn eingeladen , zugegen zu sein , und er bat mich , ihn zu begleiten , weil er diese Szene allein nicht mit ansehen könne . Als ich seiner Wohnung zuging , trat mir auf einmal Frater Piccolo in den Weg , mit der Frage , wo er wohl den Kapitän finden könnte ? Ich forschte ihn aus , zu welchem Zweck er wohl den Kapitän suche , und er sagte mir ohne Umschweife , daß er ihm von dem Kardinal einen Schuldschein auf fünftausend Scudi zu überreichen habe , die jener zwölf Stunden nach Sicht bezahlen müsse . » Wertester Frater Piccolo « , erwiderte ich ihm , » das sicherste ist , Ihr bemühet Euch nach sechs Uhr in den Garten der Signora Campoco , welcher an der Tiber gelegen ; dort werdet Ihr ihn finden , dafür stehe ich Euch . « Er dankte und ging weiter . Daß er diese Nachricht dem Kardinal , vielleicht auch Donna Ines mitteilen werde , glaubte ich voraussetzen zu dürfen . » Fünftausend Scudi , zwölf Stunden nach Sicht ! « sagte ich zu mir , » ich will doch sehen , wie er sich heraushilft ! « Den armen Berliner traf ich sehr niedergeschlagen . Er schien zu fühlen , daß seine Hoffnungen auf ewig zerstört seien ; doch nicht nur dies Gefühl war es , was ihn unglücklich machte ; er fürchtete , Luise werde nicht auf Dauer glücklich werden ; » Dieser West ! « rief er ; » ist es nicht immer wieder Leichtsinn , was ihn zu uns , zu ihr zurückführt ! Wie leicht ist es möglich , wenn einmal die Reue über ihn kommt , die Spanierin so unglücklich gemacht zu haben , wie leicht ist es möglich , daß er auch Luisen wieder verläßt . « Ja , dachte ich , und wenn erst das Wechselchen anlangt und er nicht zahlen kann , und wenn ihn Donna Ines mit den funkelnden Augen sucht und bei der Fremden findet , und wenn erst der Kardinal seine Künste anwendet . Die Schule der Verzweiflung hat er noch nicht ganz durchgemacht . Aber auch das Fräulein , hoffe ich , wird jetzt auftauen , und ihre Hilfe zu kleinen Teufeleien und Höllenkünsten nehmen , und der gute Berliner soll wohl auch bekannter mit mir werden müssen ! Wir gingen hinaus an die Tiber zum verhängnisvollen Garten der Signora Campoco . Unterwegs sagte mir der junge Mann , das Fräulein sei ihm unbegreiflich . Als er ihr die Nachricht gebracht , wie sich im Hause des Kapitäns auf einmal alles so sonderbar , wie durch eine höhere Leitung gefügt habe , wie West nicht nur zur protestantischen Kirche zurücktreten , sondern auch als reuiger Sünder zu ihr zurückkehren wolle , da sei , so sehr sie ihn zuvor angeklagt , ein seliges Lächeln auf ihren schönen Zügen aufgegangen . Sie habe geweint vor Freude , sie habe mit tausend Tränen ihre Tante dazu vermocht , uns in ihrem Garten zu empfangen . Und dennoch sei sie jetzt nicht mehr recht heiter ; eine sonderbare Befangenheit , ein Zittern banger Erwartung habe sie befallen , sie habe ihm gestanden , daß sie der Gedanke an den Flach ihres Vaters , wenn sie je die Gattin des Kapitäns werde , immer verfolge . Es sei als liege eine schwarze Ahnung vor ihrer sonst so kindlich frohen Seele , als fürchte sie , trotz der Rückkehr des Geliebten , dennoch nicht glücklich zu werden . Unter den Klagen