. Sie führte ihn also in eine Laube , und nachdem sie ihm hohe Wasserlilien und Kalmus gepflückt hatte , setzte sie sich zu ihm , lehrte ihn von den gespaltenen Stielen und langen Blättern schöne Ketten machen , und erzählte ihm da von dem Jesuskinde aus einem bekannten Volksbuche , wie es so gern mit andern Kindern gespielt , und dabei alles zum Besten gewandt und den Bekümmerten geholfen habe . Einst , sagte sie , war Jesus nah bei einem Brunnen und setzte sich auf einen Stein , da kam ein Kind mit einem Kruge , um Wasser zu schöpfen , aber es ließ den Krug fallen , und der Krug zerbrach in tausend Stücke . Als das Kind nun so sehr weinte , und sich vor seiner Mutter fürchtete , da streichelte ihn Jesus mit den kleinen Händchen , und sagte , weine nicht , ich will dir helfen , geh nur und hole mir die Scherben , und da diese nun vor Jesum lagen , da machte er den Krug wieder ganz , so daß man nicht sehen konnte , daß er zerbrochen gewesen war . Eben wie sie die letzten Worte sagte , fiel nicht weit von ihr ein Schuß . Der kranke Knabe schreckte heftig zusammen , und barg den Kopf in ihren Schooß . Luise redete ihm zu , und suchte ihn auf alle Weise zu beruhigen , als sie selbst durch ein ungewöhnliches hin und her Laufen außerhalb des Gartens verstört ward . Sie wollte nach der Thür eilen , konnte aber wegen des Knaben nur langsam gehen . Dieser hatte mit einer Hand seine Blumenbüsche zusammen gefaßt , und hielt mit der andern die Kette und Luisens Kleid . So schlichen sie an der Hecke entlang , als plötzlich hinter derselben ein Mann , wild und verstört , vor Luisen hinstürzte , und heftig rief : Sie werden mir fluchen , Sie müssen mir fluchen , gewiß , gewiß , ich habe ihn ja ermordet ! - Sie erkannte schaudernd den Jagdjunker , und wie ein Blitz fuhr der Sinn seiner Worte durch ihre Seele . - Fernando ! rief sie . Ja , ja schrie Carl , da tragen sie ihn hin . Luise sah auf , zwei Männer hoben eine Tragbahre in das Haus hinein . Tod ? fragte sie sanft , und aller Schmerz eines langen Lebens preßte sich in einzelne herabrollende Thränen zusammen . - Noch nicht , aber bald , erwiederte Carl . Sie reichte ihm die Hand . Lassen sie mich ihn noch einmal sehen , sagte sie , jetzt habe ich nichts mehr zu scheuen , die Stunde versöhnt uns alle . Der Knabe drängte sich furchtsam an sie , er wollte nicht von ihr weichen , und sie konnte ihn jetzt am wenigsten hart zurückweisen . So traten sie in das Krankenzimmer . Fernando lag auf einem Sessel der Thür gegenüber . Er richtete sich völlig auf , als Luise nahete . Gott mein Gott ! rief er die Arme ausbreitend , so finden wir uns dennoch wieder ! aber wiederkehrende Schmerzen überwältigten ihn bald , und rissen ihn wimmernd auf sein Lager zurück . Luise kniete neben ihm , der Knabe reichte dem Kranken unaufhörlich seine Blumen hin , und sagte , er solle nur still sein , Jesus werde ihn bald helfen , der habe ihm auch geholfen . Fernando mußte endlich die Blumen nehmen , ihr frischer Duft belebte ihn für einen Augenblick , er küßte des Knaben Stirn , welcher ihm auch nun die schöne Kette zeigte , und sie spielend um ihn und Luisen schlang . Jesus Christus sei gelobt ! rief Fernando , Luisens Hand ergreifend , sein Auge brach , er sagte nichts mehr . - Da trat der Mönch herzu , er legte seine Hand segnend auf des Sohnes Stirn , und ließ ihn still an seiner Brust verscheiden . Als er nun neben Julius begraben , und alles ruhiger und seliger in Luisen war , erfuhr sie durch Carl , wie eine unbedeutende Neckerei , beide bei zufälligem Zusammentreffen im nächsten Städtchen aneinander brachte , daß Fernando darauf nach dem Kloster geritten , Carl ihm aber in seinem Grimm gefolgt sei , und der hitzigste Wortwechsel zuletzt Blut gefordert habe . Fernando war an derselben Stelle gefallen , wo ihn Julius früher verwundet hatte . Gott hat es so gewollt , tröstete ihn Luise . Das war schon längst bestimmt , und Sie ein unschuldiges Werkzeug ewiger Vergeltung . Sie lebte von da noch viele Jahre ein stilles , erbauliches Leben , durch nichts unterbrochen , weder in übergroßer Freude noch Schmerz . Der Obrist ward durch seinen Beruf und Familienverhältnisse gezwungen , von ihr entfernt , im Nördlichen Asien , den wichtigen Posten eines Gouverneurs dortiger Provinzen zu übernehmen . Er bewahrte immer eine treue Liebe für Luisen , und starb endlich unvermählt . Minchen blieb Luisens treue Gefährtin . Einst erschien dieser nach langer Zeit die Ahnfrau wieder im Traume , jugendlich und reich geschmückt , wie sie sich zu ihr neigte , und sie küßte . Noch selbigen Tages schloß Luise die müden Augen , nachdem sie ihre fromme Stiftung dem Kloster vermacht , und Minchen zur Vorsteherin derselben ernannt hatte .