bald und behende . Dergleichen Verhältnisse , weiß ich wohl , heben sich nicht auf und bilden sich nicht , ohne daß manches falle , was steht , ohne daß manches weiche , was zu beharren Lust hat . Durch Überlegung wird so etwas nicht geendet ; vor dem Verstande sind alle Rechte gleich , und auf die steigende Waagschale läßt sich immer wieder ein Gegengewicht legen . Entschließe dich also , mein Freund , für mich , für dich zu handeln , für mich , für dich diese Zustände zu entwirren , aufzulösen , zu verknüpfen ! Laß dich durch keine Betrachtungen abhalten ; wir haben die Welt ohnehin schon von uns reden machen ; sie wird noch einmal von uns reden , uns sodann , wie alles übrige , was aufhört neu zu sein , vergessen und uns gewähren lassen , wie wir können , ohne weitern Teil an uns zu nehmen . « Der Major hatte keinen andern Ausweg und mußte endlich zugeben , daß Eduard ein für allemal die Sache als etwas Bekanntes und Vorausgesetztes behandelte , daß er , wie alles anzustellen sei , im einzelnen durchsprach und sich über die Zukunft auf das heiterste , sogar in Scherzen erging . Dann wieder ernsthaft und nachdenklich fuhr er fort : » Wollten wir uns der Hoffnung , der Erwartung überlassen , daß alles sich von selbst wieder finden , daß der Zufall uns leiten und begünstigen solle , so wäre dies ein sträflicher Selbstbetrug . Auf diese Weise können wir uns unmöglich retten , unsre allseitige Ruhe nicht wiederherstellen ; und wie sollte ich mich trösten können , da ich unschuldig die Schuld an allem bin ! Durch meine Zudringlichkeit habe ich Charlotten vermocht , dich ins Haus zu nehmen , und auch Ottilie ist nur in Gefolg von dieser Veränderung bei uns eingetreten . Wir sind nicht mehr Herr über das , was daraus entsprungen ist , aber wir sind Herr , es unschädlich zu machen , die Verhältnisse zu unserm Glücke zu leiten . Magst du die Augen von den schönen und freundlichen Aussichten abwenden , die ich uns eröffne , magst du mir , magst du uns allen ein trauriges Entsagen gebieten , insofern du dirs möglich denkst , insofern es möglich wäre : ist denn nicht auch alsdann , wenn wir uns vornehmen , in die alten Zustände zurückzukehren , manches Unschickliche , Unbequeme , Verdrießliche zu übertragen , ohne daß irgend etwas Gutes , etwas Heiteres daraus entspränge ? Würde der glückliche Zustand , in dem du dich befindest , dir wohl Freude machen , wenn du gehindert wärst , mich zu besuchen , mit mir zu leben ? Und nach dem , was vorgegangen ist , würde es doch immer peinlich sein . Charlotte und ich würden mit allem unserm Vermögen uns nur in einer traurigen Lage befinden . Und wenn du mit andern Weltmenschen glauben magst , daß Jahre , daß Entfernung solche Empfindungen abstumpfen , so tief eingegrabene Züge auslöschen , so ist ja eben von diesen Jahren die Rede , die man nicht in Schmerz und Entbehren , sondern in Freude und Behagen zubringen will . Und nun zuletzt noch das Wichtigste auszusprechen : wenn wir auch unserm äußern und innern Zustande nach das allenfalls abwarten könnten , was soll aus Ottilien werden , die unser Haus verlassen , in der Gesellschaft unserer Vorsorge entbehren und sich in der verruchten , kalten Welt jämmerlich herumdrücken müßte ! Male mir einen Zustand , worin Ottilie ohne mich , ohne uns glücklich sein könnte , dann sollst du ein Argument ausgesprochen haben , das stärker ist als jedes andre , das ich , wenn ichs auch nicht zugeben , mich ihm nicht ergeben kann , dennoch recht gern aufs neue in Betrachtung und Überlegung ziehen will . « Diese Aufgabe war so leicht nicht zu lösen , wenigstens fiel dem Freunde hierauf keine hinlängliche Antwort ein , und es blieb ihm nichts übrig , als wiederholt einzuschärfen , wie wichtig , wie bedenklich und in manchem Sinne gefährlich das ganze Unternehmen sei , und daß man wenigstens , wie es anzugreifen wäre , auf das ernstlichste zu bedenken habe . Eduard ließ sichs gefallen , doch nur unter der Bedingung , daß ihn der Freund nicht eher verlassen wolle , als bis sie über die Sache völlig einig geworden und die ersten Schritte getan seien . Dreizehntes Kapitel Völlig fremde und gegeneinander gleichgültige Menschen , wenn sie eine Zeitlang zusammenleben , kehren ihr Inneres wechselseitig heraus , und es muß eine gewisse Vertraulichkeit entstehen . Um so mehr läßt sich erwarten , daß unsern beiden Freunden , indem sie wieder nebeneinander wohnten , täglich und stündlich zusammen umgingen , gegenseitig nichts verborgen blieb . Sie wiederholten das Andenken ihrer früheren Zustände , und der Major verhehlte nicht , daß Charlotte Eduarden , als er von Reisen zurückgekommen , Ottilien zugedacht , daß sie ihm das schöne Kind in der Folge zu vermählen gemeint habe . Eduard , bis zur Verwirrung entzückt über diese Entdeckung , sprach ohne Rückhalt von der gegenseitigen Neigung Charlottens und des Majors , die er , weil es ihm gerade bequem und günstig war , mit lebhaften Farben ausmalte . Ganz leugnen konnte der Major nicht und nicht ganz eingestehen ; aber Eduard befestigte , bestimmte sich nur mehr . Er dachte sich alles nicht als möglich , sondern als schon geschehen . Alle Teile brauchten nur in das zu willigen , was sie wünschten ; eine Scheidung war gewiß zu erlangen ; eine baldige Verbindung sollte folgen , und Eduard wollte mit Ottilien reisen . Unter allem , was die Einbildungskraft sich Angenehmes ausmalt , ist vielleicht nichts Reizenderes , als wenn Liebende , wenn junge Gatten ihr neues , frisches Verhältnis in einer neuen , frischen Welt zu genießen und einen dauernden Bund an soviel wechselnden Zuständen zu prüfen und zu bestätigen hoffen . Der Major und Charlotte sollten unterdessen unbeschränkte Vollmacht