ich pflanzte , sprossen . So klang es in des Prinzen Herzen , sobald Oculi und Lätare gekommen waren : Und sieh am Tage Judica , In seiner Waldesklause , Da ruft er froh : » Bin wieder da In meinem eignen Hause . « » Und ob es klein , doch mein es ist , Hier leb ' ich ohne Sorgen , Das Flüstern dreier Linden grüßt Mich glücklich jeden Morgen . « Und wirklich glücklich vergingen ihm hier die Tage ... Den Forst durchstreift der Feldmarschall Im grauen Weidmannskleide , Tautropfen funkeln überall , Es duftet frisch die Heide ... So Balduin Möllhausen in einem reizenden kleinen Liede , das die Waldessehnsucht ausdrückt , die den Prinzen , bei Frühlingserwachen , zu befallen pflegte , gefällige Strophen , denen ich meinerseits nur das noch hinzuzufügen habe , was ich über Gang und Art eines solchen Dreilindner Frühlingstages in Dreilinden selbst erfahren konnte . Der Prinz war ein Frühauf und gehörte zu den Glücklichen , die sich mit wenig Stunden Schlaf zu behelfen wissen . Allmorgendlich zwischen drei und vier bereits begann er seinen Tag und fuhr auf die Pürsch , nur von einem Diener oder Leibjäger begleitet . Oft dehnte er diese Fahrten über das ganze Revier hin aus , aber öfter noch begnügte er sich mit einzelnen Schlägen . Der Bestand an Wild war reich : Kaninchen , Füchse , Hirsche , Rehe , Fasane . Was an Wild erlegt ward , wurde verkauft . Nichts davon kam auf den prinzlichen Tisch . War die Pürschfahrt beendet und das erste Frühstück genommen , so wandte sich der Prinz jenen Forst- und Waldkulturen zu , die von ihm ins Leben gerufen wurden . Er kannte jeden Baum in seinem Revier , hatte er doch jeden einzelnen entstehen sehn und ihm als Setzling und Steckling schon seine Sorgfalt und sein Interesse zugewandt . Ein echter und rechter Erzieher , der bei dem Kleinen beginnt ! War aber das Gedeihen erst gesichert , so hieß es nun diesem Gedeihenden auch die Form , den Reiz der Erscheinung zu geben . Mit sicherm Blick erkannte der Prinz alles , was gefördert und ans Licht gezogen , aber auch ebenso was beseitigt werden mußte , und mit einer Art Künstlerhand begann er nunmehr den Baum zu bilden und zu gestalten . Seine höchsten forstmännischen Triumphe jedoch feierte er nicht als Überwacher und Leiter eines , in der Gesichertheit glücklicher und gesunder Verhältnisse , dementsprechend auch glücklich und gesund aufstrebenden Baumgeschlechts , sondern umgekehrt als Arzt der Armen und Kranken , und eine nicht unbeträchtliche Zahl der jetzt inmitten einer neuen Anlage hoch aufstrebenden Eichen , gehört in die Reihe solcher Geretteten . Es waren diese Geretteten vordem , als der Prinz im Jahre 1859 die Dreilindner Forst an sich brachte , halb verkommene , ja , zum Teil mißgestaltete Bäume , die , weil eingestreut in eine ziemlich dicht stehende Kiefernheide , jeder eigentlichen Entwicklungsmöglichkeit und damit auch aller Gelegenheit zu Wohlgestalt und Schönheit entbehrt hatten . Ihnen Hilfe zu bringen , wurde nunmehr Aufgabe , deren erstes Ziel das war , an die Verwachsenen und Verkrüppelten heranzukommen , ihnen Freiheit , Luft und Licht zu verschaffen . Und so fiel denn zunächst die hemmend und hindernd um sie herstehende Kiefernheide . Jetzt erst konnte der Kliniker und Orthopäde an seine Kranken heran , die , kaum in liebevolle Behandlung genommen , auch schon nicht mehr sie selber waren , und jetzt in voller Pracht und Stattlichkeit das um sie her neu beforstete Terrain überragen . Der Vormittag des Prinzen gehörte den verschiedenen Forstbeständen , die wie Klassen , höhere und niedere , gemustert wurden . Um zwölf aber unterbrach er diese Musterung auf eine Stunde , nahm ein zweites Frühstück , ein Lunch , und kehrte erst mit Beginn des Nachmittags in seinen geliebten Wald zurück . Um fünf war dann Diner , das entweder im engsten Kreise der Adjutanten oder aber im weitren einer bestimmten Anzahl von Gästen genommen wurde . Die darauf folgenden Stunden gehörten teils der Korrespondenz , teils der Lektüre . Der Prinz las viel , zog jede Wissen schaft heran , und hatte selbst ein Herz für die belles lettres . Ein glückliches Gedächtnis , das , als ein Hohenzollern-Erbteil , auch ihm geworden , unterstützte ihn bei diesen Studien und erleichterte ihm nicht nur das Eindringen in immer neue Stoffe , sondern auch , im lebendigen Gegenwärtighaben des Gelesenen , einen Ideenaustausch , ein Gespräch darüber . Auf jedem Gebiete bewandert , über das Neueste stets orientiert , war es ihm ein leichtes , und zugleich eine liebe Gewohnheit , im Verkehr mit seinen Gästen in der Sprache dieser zu sprechen . » Suum cuique « . Er hatte eben auch wissenschaftlich einen Blick für und über das Ganze , wenn aber ein Einzelnes sich rühmen darf , mit besondrer Lust in den Kreis seiner Betrachtung gezogen worden zu sein , so wäre hier wohl in erster Reihe das Ethnographische zu nennen , das Länder- und Staatenkundliche , das Völkerpsychologische . Womit zwei seiner Passionen zusammenhingen : die für das Reisen und die für die Marine , Neigungen , in denen er lebhaft an den zu früh geschiedenen Admiral Prinz Adalbert erinnerte , mit dem er auch andre Züge gemein hatte : das Affable , das Einfache , das helfende Mitleid und den ruhigen Mut . Ich komme darauf zurück , insonderheit auch auf die bevorzugten Gesprächsthemata des Prinzen , und begnüge mich damit , an dieser Stelle mit einer an die Dreilindner Forstkulturen anknüpfenden Anekdote zu schließen . Es war im Frühjahr 1871 als , von Fontainebleau her , wo sich der Prinz nach Abschluß der Friedenspräliminarien aufhielt , Order nach Dreilinden kam » einen bestimmten Schlag zu rajolen und demnächst mit jungen Eichen zu bepflanzen « . Der Befehl lautete strikt genug ; aber ihm zu gehorchen , war nicht leicht , denn alles junge Volk stand damals noch in Frankreich . An