und elend untergegangen wären ... Da erst verstanden denn Monika und Hedemann die wechselnde Gesichtsfarbe Armgart ' s und setzten das Gespräch , dessen Bezüglichkeiten sie sich jetzt auf Benno deuten konnten , nicht fort ... Aber von Lucinden und einem seltsamen Zusammenhang des überraschenden Todes ihres Gönners , des Cardinals Ceccone , wußte nun Terschka Dinge zu erzählen , die , wenn sie auch fragmentarisch bleiben mußten , weil sie für Armgart ' s Ohr nicht gemacht waren , doch die ganze Behaglichkeit verbreiteten , durch Terschka wieder in einen Zusammenhang mit der Welt zu kommen ... Armgart hörte aus dem Flüstern nur , daß Graf Sarzana gleichfalls als Flüchtling in London und gleich in den ersten Wochen seiner Vermählung von seiner Frau getrennt lebte ... Acht Tage verflossen und Terschka war in dieser und ähnlicher Art auf Schloß Bex die Hauptperson geworden ... Die Mutter konnte schon sagen : Was sollte denn nun auch werden , wenn jedem Menschen , der einmal strauchelte , der Kainsfluch immer und ewig auf der Stirn gezeichnet bliebe ! ... Warum gibt es denn keine großen Männer mehr ? ... Weil die Keime dazu in unserer Civilisation falsch aufblühen und leider zuweilen eher in den Zuchthäusern , als in den Walhallen reifen ! ... Verpflanzt doch nur einmal unsern Herrn und Heiland in das Zeitalter der Gensdarmen ! ... Würde Jesus von Nazareth drei Jahre haben lehren und hin- und herwandeln können ? ... Nicht drei Tage hätte sein hochheiliges Lehramt gedauert ... Von Lucinden , Gräfin Sarzana , hatte Terschka , wie nun Armgart vertraulich von der Mutter erfuhr , erzählt , daß die Klügste ihres Geschlechts das Opfer einer Intrigue geworden war , die auch nur in Italien vorkommen konnte ... Graf Sarzana war in der That ein Verschworener des » jungen Italien « , theils aus Ueberzeugung , theils aus Rache gegen Ceccone , der seit Jahren seine Familie entwürdigte und wahrhaft misbrauchte ... Auch ihm wollte der Cardinal die Hand einer Frau geben , die nur ihm gehören sollte ... Hatte der Cardinal Berechtigung , von Lucinden solche Hoffnungen zu hegen oder nicht , der Gardist Sr. Heiligkeit ging wenigstens scheinbar auf den Vertrag ein ... Seine Rache wollte einen erlaubten Anlaß haben , Ceccone gelegentlich aus der Welt zu schaffen ... Die Ehe wurde vollzogen ; der gerade in Rom anwesende neuerhobene , glänzend gerechtfertigte , wie von unsichtbaren Armen geschützte Erzbischof von Coni hatte früher Gräfin Paula nicht trauen können - aber Lucinde wollte diesen Vorzug genießen und Terschka hatte sogar angedeutet , daß Lucinde Mittel besäße , den Erzbischof zu allen möglichen Dingen zu zwingen ... Kaum hatte das Sarzana ' sche Ehepaar jenen Palast bezogen , in dem früher die Herzogin von Amarillas wohnte , so verbreitete sich ein Gerücht , der Cardinal hätte bei einem Abendbesuch in diesem Palast einen unglücklichen Fall gethan ... Blutend fuhr er nach Hause ... Wol ein Jahr hätte er sich dann elend hingeschleppt , hätte sehen müssen , wie Fefelotti seinen ihm immer mehr abgerungenen Einfluß gewann und wäre zuletzt still vom Schauplatz verschwunden und sogar außerordentlich heilig gestorben ... Bald aber nach jener Nachricht von dem » unglücklichen Fall « wäre Graf Sarzana heimlich aus Rom entwichen , seine Gemahlin in ein Kloster , das der » Lebendigbegrabenen « , gegangen , wohin schon einmal ein dunkler Vorfall aus dem Leben des Cardinals sich der Welt entzogen hätte - ... Jetzt wisse es alle Welt , hatte Terschka erzählt , Graf Sarzana hätte seine Gemahlin in einer » Scene « mit dem Cardinal überrascht , die Thür gesprengt und auf frischer That auf ihn den Degen gezückt ... Der Stoß war nicht tödtlich und erst nach einem Jahr erlag Ceccone den Folgen der Wunde ... Gräfin Sarzana wäre seitdem noch gar nicht lange erst wieder aus dem Kloster ans Tageslicht gekommen ... Armgart wußte freilich aus Briefen , die aus dem Thal von Castellungo kamen , daß Gräfin Sarzana schon seit zwei Jahren in Genua lebte , ja sogar in Coni erwartet wurde ... Sie sagte also : Alles das wird sich auch wol noch anders verhalten ! ... Ueberhaupt kannte Terschka von den Verwickelungen im Leben der Nahebefreundeten Monika ' s und Ulrich ' s mehr , als diese in ihrem reinen Sinn hören mochten ... Selbst Lucinden ließ der Oberst , der sich ihrer wenig entsann und von der er nur hatte erzählen hören , das Urtheil angedeihen : Wir wissen nicht , ob die Menschen , die sie verurtheilen , recht haben oder nicht ; aber für soviel Unglück , als auch gerade ihr beschieden zu sein scheint , könnte sie jeden fast dauern und ihre Erbitterung gegen die Welt gar nicht wunder nehmen ... An den in jener Gegend üblichen Erbauungsstunden und religiösen Versammlungen , an den Streitigkeiten über die Erbsünde und die Gnade nahm Terschka , der nun eingebürgert blieb , ohne besonderes Interesse theil ... Geistige Bedürfnisse lagen ihm überhaupt , wenn sie Ernst voraussetzten , fern ... Wenn von Paris , London und Wien die Rede war , seufzte er sehnsuchtsvoll ... Anfangs kehrte er immer wieder , wenn er Schloß Bex besucht hatte , nach Genf zurück ... Zuweilen kam von dort mit ihm Gesellschaft , anfangs achtbare Persönlichkeiten , die in einer mit Fremden überfüllten Stadt leicht gefunden sind ... Der einförmige Kreis des Landlebens im Winter erhielt durch ihn Belebung ; sogar mehr , als man wünschen konnte ... Es stellte sich eben eine Toleranz gegen den Erzähler seiner Abenteuer und Reisen wieder her , die alle Bedenklichkeiten des Vergangenen vergessen zu haben schien ... Nur Armgart blieb gegen den nur zu schnell wieder zu Gnaden Angenommenen kalt , vermied ihn , wo sie konnte , blieb , wenn er nicht noch vor Nacht nach Genf heimkehrte , vorsichtig auf ihren Zimmern und lebte ihrer innern Welt , die sie schon so früh verstanden hatte zu ihrem Universum zu machen ... Ein Kind , das mit