, meist in französischer und englischer Sprache . Les Oeuvres de Frédéric le Grand fehlten nicht . Dystra setzte sich auf einen der sauber gepflegten , ursprünglich weißlakirten und vergoldeten Sessel . Durch und durch ein moderner Mensch , hatte ihm diese ganze Wirthschaft hier auf Tempelheide etwas Komisches und doch war er befangen , wie er sich nun mit diesem alten Herrn , der hier im Style seiner verschollenen Zeit wie es schien mit majestätischem Selbstgefühle lebte , vermitteln sollte . Er zupfte an seinen gelben Handschuhen , er roch an seinem parfümirten Taschentuche , er spiegelte sich in seinen gefirnißten Stiefeln und gefiel sich offenbar in der Beobachtung seines zierlichen kleinen Fußes . Den sauber gefärbten Kinnbart konnte er seiner Handschuhe wegen nicht streicheln . Er hätte gern die Thüren rechts und links aufgeklinkt , um nach Olga zu sehen . Sie mußte doch in der Nähe sein . Es war ihm , als huschte bald da , bald dort etwas an den Wänden . Zuletzt entdeckte sich die gespenstische Gesellschaft . Zwei Katzen , die das Mittagessen zu wittern schienen , standen plötzlich vor ihm mit langniederhängenden Schweifen . Er hatte sie auf ihren sammetweichen Pfoten nicht hereinschleichen hören . Er sah , daß sie durch die eine Thür , die nicht ganz fest zugeklinkt gewesen , gekommen sein mußten . Die Thiere sahen ihn mit Befremden an . Sie waren schön gestreift , der Rücken tigerartig , der Bauch weiß . Ihre Schnurrbärte standen ihnen husarenartig keck , während sie im Übrigen etwas weiblich Gelassenes , Sanftes , Unaufgeschrecktes hatten . Dennoch wagte sich Dystra nicht recht an die Thür , um in das Arbeitszimmer des Präsidenten zu blicken , denn offenbar aus diesem waren die beiden Katzen , die wir unter dem Namen Isis und Osiris kennen , hereingekommen . Dystra fühlte etwas von der Apprehension , die wir diesen schleichenden Haus- und Küchenhüterinnen gegenüber empfinden . Es rieselte ihm über den Rücken . Sein Muth , von bengalischen Tigern und Löwen zu prahlen , entfiel ihm vollends , als sich zu den beiden Katzen noch ein ungeheurer , schwarzer , grüngelbblickender Kater gesellte . Dieser dritte Gesellschafter war fast so groß wie die beiden andern zusammengenommen . Aber auch dieser war ruhig und ernst und duldsam über den Besuch und schien sogar an dessen blanken Stiefeln so viel Wohlgefallen zu finden , daß er sich Dystra bedenklich näherte . Jetzt hier so allein zu stehen mit den drei unheimlichen Katzen , erfüllte den Baron mit leisem Schauder . Wetter , dachte er , du hast doch Schakals heulen hören und in gemessenen Distanzen auf dem Nilsande Krokodille sich sonnen sehen , aber diese drei zahmen Katzen in unmittelbarster Nähe machen dir mehr Angst als die Schrecken der Wildniß ! Die Thür , die offen blieb , ließ das Arbeitszimmer da noch räthselhafter erscheinen , als noch auf dem Fußboden ein Vogel hereinsprang , schwarz mit gelben Pünktchen gezeichnet , mit klugen Augen , beweglich munterm Schwanze , eine Amsel . Ohne daß die Katzen nach ihr haschten , setzte sich die Amsel traulich auf den Rücken des großen Katers , der sich nach ihr umwandte mit einer gelassenen Ruhe , die eines Philosophen würdig war . Dystra scheute sich , einen Blick in das offne Zimmer zu werfen . Er dachte schon an die Möglichkeit , darin plötzlich noch irgend etwas ganz Ungeheures zu sehen , als auch in der That wieder ein Hund hereintrat , ein Hühnerhund , von derselben ruhigen und nicht einmal neugierigen , sanften , schleichenden Ergebenheit wie die übrigen Thiere . Dystra kam sich jetzt in der That wie Äsop unter seinem moralisirenden Vieh vor und dachte sich irgendwo die spottende Olga , die ihn belausche oder ihm wol gar diese Bestien alle auf den Hals schickte . Es war für seine in der That ergriffenen Nerven die höchste Zeit , daß Anna von Harder eintrat und ihn ersuchte , ihr zu folgen . An eine ceremonielle Vorstellung war jetzt nicht zu denken . Sie würden , sagte sie , den Großvater unten in der Hausflur bei dem thüringischen Vogelabrichter finden ; vorbereitet hätte sie ihn schon auf einen berühmten Reisenden , der für Olga ' s Beaufsichtigung Rechte in Anspruch nehmen dürfe ; sein ferneres Glück müsse er nun selbst versuchen . Drittes Capitel Die Akademie Dagobert von Harder , der Obertribunalspräsident , war von kleiner gedrungener Figur , ganz im Gegensatz seines zweiten Sohnes , des langaufgeschossenen Kurt Henning Detlev . Der große Kopf saß tief in dem gewaltigen Brustumfange . Hände und Füße waren zierlicher , letztere besonders weiß und zart gepflegt , fast sammetweich . Den Schädel bedeckte kein Härchen mehr . Ein sammtnes Käppchen schützte das glänzende , mit Äderchen unterlaufene Haupt . Das Antlitz zeigte die Spuren des hohen Alters . Es war wie ein durchfurchtes Feld , wie eine Netzzeichnung , so in tausend kleine Quadrate getheilt , die alle länglich von den Schläfen herab sich senkten . Die Augen quollen , wie von Hautsäcken umgeben , etwas hervor und hatten einen Anflug von Blödsichtigkeit . Die Lippen waren fast mit den Zähnen verschwunden und ganz in die Höhlung zwischen Backenknochen und Unterkiefer verloren gegangen . Der Kopf senkte sich ein wenig über . Ein Diener mußte immer in der Nähe sein , dem über Achtzigjährigen den Arm zu bieten und ihn zu führen . Bei dem Vogelhändler stand der Präsident . Die Erörterung schien ihm Elastizität zu geben . Der Abrichter hob wol an dreißig kleine hölzerne Käfige auf einem Tische auseinander und pries unter steter Wiederholung der Anrede : Excellenz ! die Leistungen seiner Kanarienhähne , Dompfaffen , Zeisige , Rothkehlchen und Stieglitze . Daß sich Excellenz aus den kleinen Späßen mit dem Aufziehen eines Futterkarrens und dergleichen nicht viel machten , wußte der Thüringer schon , aber mit den Vögeln , die ihm Melodieen nachpfiffen , legte er mehr Ehre ein und erwarb sich mit Fug den Thaler ,