es wieder ... Sie sah sich wie damals im frosterstarrten Walde zwischen Westerhof und ihrem Stifte , sah an ihrer Seite den dämonischen Schmeichler , von dem sie damals mit Recht geglaubt hatte , daß er die Mutter berückte ... Ein Schauder ergriff sie in Erinnerung an ihr Gelübde , an ihr Suchen der Gefahr , an ihre Hingebung an diesen Mann ohne jede Spur der Neigung , an alles , was sie um ihn verloren und freiwillig geopfert hatte ... Wieder in ihrer Nähe dieser Schein der Harmlosigkeit , diese leichte zutrauliche Manier , die nichts begehren zu wollen schien und eben deshalb sogleich alles besaß ? ... Vater und Mutter , die sich mit politischen Dingen deshalb ausdrücklich nicht befaßten , weil ihrer religiösen Richtung vorgeworfen wurde , daß sie nur die maskirte Revolution wäre , hatten nichts mehr über Terschka ' s Leben und Treiben vernommen ... Nur das eine war ihnen zu Ohr gekommen , daß Terschka in irgendeiner Weise , welche , wußten sie nicht , sogar mit dem Untergang der Brüder Bandiera in Verbindung stand , einem Ereigniß , an dem der Oberst den schmerzlichsten Antheil nahm , da ihm in Amerika der Vater der Jünglinge bekannt geworden war und durch Thiebold auch dessen an Benno aufgetragenen Grüße ihm ausgerichtet wurden ... Noch hatte man vernommen , daß Terschka in dem Augenblick London verließ , als Benno dort ankam ... Eine große Geldsumme , die ihm später , als er wieder zurückgekehrt war , von Witoborn aus zugekommen sein sollte , mußte , glaubte man im engern Kreise des Obersten , vom Präsidenten auf Neuhof herrühren , der mit ihm über die Enthüllungen der zweiten Heirath seines Vaters schon längere Zeit in näherer Verbindung stand ... Dann war er nach Amerika gegangen ... Monika konnte nie wieder ganz das Bild jener wiener Zeiten bannen , wo Graf Hugo und Terschka so heiter und sorglos verkehrten , die alte Gräfin trotz erster Abneigung gegen Terschka für ihn schwärmte , ja sie selbst von ihm mit einer Leidenschaft verehrt wurde , die ihr Herz in Unruhe , ihre Entschlüsse in Schwankungen versetzte ... Daß Terschka , der schon immer und immer mit dem Uebertritt umging , wie Monika selbst , die Hoffnungen auf ihre Gegenliebe damals , als er Armgart und deren förmliches Sich-ihm-anbieten , um die Mutter von ihm abzuziehen , kennen gelernt hatte , aufgab , schien ihr natürlich zu sein ; eine alte Theilnahme löscht sich im Frauengemüth nie aus ; wo sie einmal Partei genommen , sind ihre Entschuldigungen unerschöpflich ... Nur Armgart , die nun schon wieder ganz allein in ihrer Abneigung zu stehen fürchtete , sagte : Er hat irgendeine Schuld auf seinem Gewissen ! Diese jagt und verfolgt ihn ! Diese treibt ihn vom Guten auf , wenn er das Schlechte eben verlassen hatte und das Gute lieben möchte ! Diese macht ihn zum Werkzeug jedes energischen Willens , der ihm imponirt ! ... In ängstlicher Spannung saßen sie beim Thee ; der Sturm mehrte sich , manche Zweige an den ächzenden Pappeln , die in nächster Nähe des Schlosses standen , brachen ... Jeden Augenblick , glaubte man , müßte die Glocke an der Eingangspforte gezogen und Terschka ' s Rückkehr gemeldet werden ... Es wurde neun , zehn Uhr ... Schon wollte man zur Ruhe gehen , da zog es an der Glocke ... Es war eine weibliche Stimme , die sich hören ließ ... Porzia Hedemann kam noch so spät aus ihrem dem See näher gelegenen Häuschen ... Sie hatte sich nicht überwinden können , ihren theuren Gönnern und Beschützern noch von einem Besuch des Barons von Terschka zu erzählen ... Freude strahlte aus ihrem Auge und ergänzte ihre gebrochene deutsche Rede ... Terschka hatte in gewohnter Weise die Spuren seines Erscheinens sogleich angenehm bezeichnet , hatte von Mitteln gesprochen , die unfehlbar die kranke Brust Hedemann ' s heilen müßten ... Alle Zauber Amerikas breiteten sich schon um ihn , als nun auch der Oberst einräumte , die Indianer besäßen Heilmittel , von denen sich die Weisheit unserer Aerzte nichts träumen ließe ... So schwebte schon Terschka , noch ehe man ihn wiedersah , in dem gewohnten Nimbus seiner Liebenswürdigkeit ... Am folgenden Tage erschien er in der That ... Er war in Genf abgestiegen , kam in einem Einspänner dahergeflogen , den er selbst führte , und sah in seinem schnurbesetzten Pelzrock , von Wetter und Sturm geröthet , trotz seiner fünfzig Jahre , noch immer ganz stattlich aus ... Die kleinen Formen des Siebenmonatkindes konnten eher , als plastischer ausgebildete , durch die Jahre zusammengehen ... Sein Auge hatte das alte lebhafte Feuer ; sein kurzgeschnittenes Haar war , trotz der Beängstigungen , die sein Gemüth die Reihe von Jahren hindurch schon ausgestanden haben mochte , nur von einem leichten Hauch der Verwandlung in Grau überflogen ... Mit einer Unbefangenheit gab er sich , als setzte die Gegenwart die nur kurze Zeit unterbrochen gewesene und völlig ungestört gebliebene Vergangenheit fort ... Die befangenen Mienen des Obersten klärten sich auf , als Terschka mit Begeisterung von Amerika sprach ... Monika sah in jeder Freude ihres Gatten ihre eigene und schürte dies Behagen ... Vom frühern Jesuiten , von der Umwandelung in einen Protestanten , vom Freunde der italienischen Emigranten konnte um Armgart ' s willen nicht lange die Rede sein ... Diese noch unverheirathet zu finden , sagte Terschka , überraschte ihn nicht , denn er hätte sie und ihre Familie auch jenseits des Oceans nicht aus dem Auge verloren ... Sein Wesen blieb harmlos ; nicht eine Miene verrieth : Du liebtest einst diese Mutter , deren Locken nun immer silberner geworden ! Und wie nahe warst du , auch die Tochter , diese immer noch blühende , schöne , reiche Herrin von Schloß Bex die Deine zu nennen ! ... Hedemann wurde gerufen ... Trotz seines » Sterbens in Christo « kam er neubelebt ... Porzia war hoch in der Hoffnung und