verblieb der Salzdirektor bis 1856 , um welche Zeit er seine mit ebenso viel Liebe wie Verständnis ins Leben gerufene Schöpfung ( denn von einer solchen wird sich sprechen lassen ) an den Kaufmann Gilka zu Berlin überließ . Letzterer , Gilka , hatte das Gut nur drei Jahre lang , nach deren Ablauf er Acker und Forst unterm 17. Januar 1859 an den Prinzen Friedrich Karl verkaufte . Kaufsumme 95000 Taler . * Prinz Friedrich Karl begann sofort mit Erweiterung seines Besitzes und zwar durch Erwerbung eines kleinen , am Wannsee hin gelegenen Uferstreifens , der bis dahin , trotz der längst vorher vollzogenen Separation , in der Alt-Zehlendorfer Gemeinschaft verblieben war . Damit aber hatten die Territorialänderungen ihren Abschluß erreicht . Von einer weiteren Ausdehnung nach außen hin ward Abstand genommen und dafür der energische Versuch einer selbständigen Bewirtschaftung gemacht , bis die Wahrnehmung unausreichender Erträge zur endlichen Verpachtung dieser Ackerhälfte des Gesamtterritoriums führte . Gegenwärtiger Pächter ist Leutnant ( Reserveoffizier ) Ring , ein bewährter Landwirt , der das Gut , und zwar neuerdings mit bestem Erfolg , ausschließlich als Ackergut bewirtschaftet , nachdem er die frühere , vorzugsweise mit Rücksicht auf die Nähe von Berlin-Potsdam unternommene Milch- und Gartenwirtschaft , als unlukrativ hat fallen lassen . Mit einer selbständigen Ackerbewirtschaftung war der Prinz gescheitert , aber in andrem was er unternahm , war er erfolgreicher und schuf beispielsweise Forstkulturen und Wildbestände mit so vielem Glück , 45 daß ihm Ende der sechziger Jahre der Gedanke kam , auch inmitten dieser seiner Waldwelt leben und in sie hinein übersiedeln zu wollen . Aus diesem Gedanken heraus entstand 1869 ein » Jagdhaus « . Baumeister : Nabbath . Noch im selben Jahre bezog es der Prinz und gab ihm den Namen Dreilinden . Dieser Name » Dreilinden « war übrigens keine Neuschöpfung und existiert bereits seit 1833 , in welchem Jahre das uralte , schon eingangs erwähnte Forstetablissement Heidekrug , mit Rücksicht auf drei alte , vor seiner Tür stehende Linden , die Bezeichnung Forsthaus Dreilinden erhalten hatte . Bald danach empfing auch die Forst selber eben diese Bezeichnung , so daß wir seitdem , ein und demselben Namen dreifach begegnend , eine Forst von Dreilinden , ein Forsthaus von Dreilinden und endlich drittens ein Jagdhaus von Dreilinden unterscheiden müssen . Die Forst spricht für sich selbst , das Forsthaus ist Försterei , das Jagdhaus aber prinzliche Villa . 3. Kapitel 3. Kapitel Dreilinden im Sonnenschein » Klein , aber mein « Spruch am Jagdhause von Dreilinden Es war im Novembernebel , daß ich Dreilinden zum ersten Male sah . Aber nun hatten wir Sommer und ich brach auf , diesmal einfach als » Wanderer « und zu Fuß , um das Jagdhaus , das mir bis dahin nur ein Nebelbild gewesen war , auch in hellem Tagesscheine zu sehen . Ich wollte mich von seiner Wirklichkeit überzeugen . Und ein prächtiger Junitag war es . Erst am Wannsee , dann am Wald hin , aus dem Kuckucksruf und Finkenschlag zu mir herüberscholl , schritt ich » andächtiglich fürbaß « , bis ich , nach kurzem Marsch in heißem Sonnenbrand , in den Wald selber einbog und alsbald eines Giebeldaches unter Zweigen und gleich danach einer dicht an den Weg herantretenden Dulcamarahecke gewahr wurde , deren gelb und violette Blütenpracht , wuchernd fast , aus dem dichten Blattgrün hervorschimmerte . Kein Zweifel , diese Bittersüßhecke war ein Zufall , nichts weiter , und doch mußte ich unwillkürlich eines Ausspruchs des alten Feldmarschalls Derfflinger gedenken , der , in seinen Gusower Zurückgezogenheitstagen , zu sagen liebte : » Habe des Sauren und Süßen viel genossen ; aber des Sauren war mehr . « Oft vergessenes Wort ( immer wieder in Hoffnung vergessen ) , aber wer , der auf den Höhen des Lebens wandeln durfte , hätt ' es schließlich nicht gesprochen ! Und nun hatte ich die Hecke passiert und stand wieder auf dem Vorplatz , den ich bis dahin immer nur in einem das draußen liegende Dunkel durchflutenden Lichtstrom gesehn hatte . Weshalb ich die Stelle kaum wieder erkannte . Vom Wald her vorgeschobene Tannen umstanden ein Rondell , an dessen einer Seite das prinzliche Jagdhaus aufragte , während an der andern ein dänischer Runenstein stand , ein » Mitbringsel « aus Jütland her . Das Jagdhaus selbst aber zeigte nichts als Souterrain und Erdgeschoß , und über diesem ein erstes Stockwerk im Schweizerstil , um das herum sich Holzbalkone zogen . An diesen allerlei Sprüche : Freudig trete herein und froh entferne Dich wieder , Ziehst Du als Wandrer vorbei , segne die Pfade Dir Gott . Andere waren länger , auch kürzer ; unter den kürzesten der , den ich diesem Kapitel vorgesetzt habe : » Klein , aber mein . « In der Tat , Jagdhaus Dreilinden ist klein und wirkt nach Art einer Villa von acht Zimmern ; aber es gelang nichtsdestoweniger , mit Hilfe geschickter Raumausnutzung , eine doppelte Zahl von Zimmern und Gelassen herzustellen . Und zwar in folgender Einteilung : im Souterrain die Wirtschaftsräume ; darüber , im Erdgeschoß , die Hofmarschall- und Adjutantenzimmer ; endlich , im ersten Stock , die Zimmer des Prinzen selbst : ein Vorzimmer , ein Wohn- und Arbeitszimmer , ein Schlafzimmer , ein Eßsaal . Der Rest : kleine Gelasse für die Dienerschaften . Alle vom Prinzen selbst bewohnten Räume sind ausnahmelos mit Erinnerungsstücken reich geschmückt , so reich , daß sie den Charakter eines historischen Museums annehmen . Einzelnes auch von künstlerischem Wert . Alles in allem aber ist es in drei Gestalten , daß uns der Prinz aus diesen seinen Erinnerungsstücken entgegentritt : erst als Jäger , dann als Soldat und endlich drittens und letztens in seinen intimeren Beziehungen zu Familie , Freunden , Kunst . Und im Einklange hiermit ist denn auch die Reihenfolge , darin ich diese Museumsschätze dem Leser vorzuführen gedenke . Den Jagderinnerungen sollen Kriegserinnerungen , und diesen wiederum Erinnerungen aus dem häuslichen Leben des Prinzen sich anschließen