' s , theils der auch jetzt nicht nachlassende Trotz gegen Armgart ... Der unruhige Sinn der Aeltern ging glücklicherweise im gleichen Takt ; uneins mit der Welt und der Zeit , waren sie doch einig mit sich ... Sie kauften jetzt - in jener Hast , die Monika eigen war - mit Armgart ' s bedeutendem Gelde sofort eine herrliche Besitzung , die Armgart gehörte , dicht am Genfersee ... Es war das Schloß Bex , das einem Patricier Berns gehört hatte - dicht in der Nähe jenes Waldes , wo sich im Jahr 1689 von den aus ihren Thälern in Italien mit Feuer und Schwert vertriebenen Waldensern 900 wieder sammelten und unter Heinrich Arnaud ' s tapferer Führung jenen Heldenzug über den Genfersee , durch Savoyen hindurch und zurück in ihre heimatlichen Thäler unternahmen , eine Unternehmung , die nach dem Aufgebot zweier Truppencorps Ludwig ' s XIV. und Victor Amadeus ' vollständig vom Siege gekrönt wurde ... Als sie das Schloß bezogen , entdeckte man freilich hundert Fehler und hätte es gern wieder veräußert ... Aber Armgart sagte nun : Ihr reißt euch gleich das Bein ab , wenn euch der Schuh drückt ! ... Sie drang darauf , das Schloß , den Park , die schönen Weinberge mit allem , was daran schadhaft war , zu behalten ... Dabei grenzte sie sich ihr Leben eigenthümlich streng von dem der Aeltern ab ... Sie hatte ihre eigenen Zimmer , Freitags ihre eigene Mahlzeit , manchen Abend sogar in ihrem Flügel Gesellschaft für sich und die Aeltern eine andere in dem ihrigen ... Der Ton war mild , oft innig ... Die Aeltern wußten , was im Innern ihres Kindes zu schonen war und woher sie den Anlaß zu ihrem jetzt schon eigenthümlich gehaltenen , allmählich sogar spröden und ablehnenden Wesen nahm ... Benno von Asselyn , überall anerkannt als Halbbruder Friedrichs von Wittekind und demgemäß mit Lebensgütern reich gesegnet , verweilte nach wie vor als Cäsar von Montalto in London - bei ihm die Mutter und die Fürstin ... Diese Existenz währte einige Jahre , bis eine unerwartete Wiederbegegnung den schon mächtig hereinzubrechendrohenden Stillstand und Abschluß in Armgart ' s jungfräulichem Leben unterbrach und überhaupt die Schicksale der ganzen kleinen Colonie wieder in neue Bewegung brachte . Fußnoten 1 Thatsache . 3. Eines Winterabends herrschte auf Schloß Bex eine große Aufregung ... Sie galt einer Karte , die man , heimkehrend von einer Thalfahrt an den See , auf dem großen grünverhangenen , von einer brennenden Ampel beschienenen Tische des Eintrittsvestibüls vorgefunden hatte , wo regelmäßig die Karten der inzwischen dagewesenen Besucher niedergelegt wurden ... » Der Baron Wenzel von Terschka « lautete die Aufschrift ... Dazu sein Wappen und die mit » p.f.v. « bezeichnete Ecke eingebogen ... Terschka ! ... rief Monika erstaunt und reichte Armgart die Karte ... Der lebt noch ! ... Seit lange hatte man von ihm nur gehört , daß er nach Amerika gegangen war ... Armgart , die nun schon über die Mitte der Zwanzig gerückte schlanke , stattliche Herrin von Schloß Bex , schlug ihren Schleier auf , der sie beim Heimfahren im offenen Wagen gegen die rauhe Winterluft geschützt hatte , und sah , so erröthet sie war , sogleich erblassend auf die Karte , die in ihren Händen zitterte ... Erregt ergriff auch der Oberst die Karte ... Düster drückte er die Augenbrauen zusammen und wiederholte mehrmals : Ist der aus Amerika zurück ! ... Armgart hatte den Abend für sich allein sein wollen ... Es war der 28. Januar , der Tag der heiligen Paula ... Sie hatte ihren Kalender , den sie auf eigene Art einhielt ... Schon freute sie sich auf die Wärme ihres Zimmers ... Am Kamin wollte sie sitzen , ihren Thee für sich allein nehmen , ihre alten Angedenken hervorsuchen und über den Montblanc hinweg so stark und lebhaft nach Castellungo und Coni , wo Paula mit ihrem Gatten in Bonaventura ' s unmittelbarer Nähe wohnte , hinüberdenken , daß Paula , dachte sie , sie sehen müßte ... Schon hatte sie sich ausgemalt , wie zu gleicher Zeit , während die Uhr über ihrem Sopha tickte , Paula den Brief las , den sie ihr zu ihrem Namenstage geschrieben ... Vielleicht war der , wie man hörte , in viele Händel verwickelte Erzbischof bei ihr ... Schwerlich die alte Gräfin ... Aber gewiß alle Freunde und Verehrer , die einer so hochgestellten Dame , wie Paula , auch dort nicht fehlen konnten ... Sie hatte in jenem Briefe von Sancta-Paula geschrieben , jener römischen jungen Witwe , die sich von ihren Kindern trennen konnte , um die Stätten Jerusalems zu sehen und mit Hülfe des heiligen Hieronymus über dem Grab Christi ein Kloster zu bauen ... Und um so lieber träumte sie von jenem eigenthümlichen Verhältniß , in dem ihre Lieben dort lebten , als sich vieles davon aus Paula ' s Briefen doch nur zwischen den Zeilen ersehen ließ und der immer und immer besprochene endliche Besuch des Thals von Castellungo seine Mislichkeiten bot ... Ohne die Aeltern mochte sie nicht gehen und mit ihnen hatte es der religiösen Differenzen wegen ebenso seine Schwierigkeiten , wie in Rücksicht auf den Vater , der mit Paula im magnetischen Rapport gestanden hatte ... Diese Zustände hatten in Italien abgenommen ; aber Gräfin Erdmuthe , so sehr sie die Familie der Hülleshovens schätzte und liebte , schien eine verstärkte Rückkehr derselben zu befürchten , wenn sich ihrer Schwiegertochter wieder die alten Elemente ihres Umgangs näherten ... Die alte Gräfin trug schon schwer genug an Bonaventura , den sie lieber ganz gemieden hätte , wäre nicht einst sein Eifer so muthvoll für ihren Eremiten aufgetreten ... Die Reise über die Alpen war unter solchen Umständen nur ein Sehnsuchtsziel der Familie geblieben ... Dies stille Abendträumen mußte sich Armgart nun versagen ... Denn mit dem Namen Terschka zog Beunruhigung ins ganze Haus , Schrecken vorzugsweise in ihre eigene Seele ... Ein eisiger Winter war