gefährlichsten Bahnen wandelnden Olga tragisch genug zum Bewußtsein gekommen schien . Dieser gefährliche Mensch ! Ich lernte ihn bei Helene d ' Azimont kennen und wurde so mit der Beschleunigung des Wiedersehens zwischen ihr und dem damals fieberkranken Prinzen Hohenberg gedrängt , daß ich , um diese Krisis minder gefährlich zu machen , zur List und Verschlagenheit greifen mußte . Noch ist mir ein Räthsel , welche Rolle jener Faun in diesem Verhältnisse spielen wollte . Und diesen Mann , sagte Dystra , hab ' ich von bedeutenden Notabilitäten der Residenz rühmen hören , habe Rochus vom Westen entrüstet gesehen , als es hieß : Ein Jesuit ist ausgewiesen . Auf dem Wege nach Wien , wohin ihn wol geheime Aufträge führten , muß er seiner ganzen Natur die Zügel haben schießen lassen . Das arglose Mädchen wollte sich von den Nadelstichen kindischer Huldigungen befreien und verfiel in eine Gefahr , die Sie ermessen können , wenn Sie Rudhard ' s Geständniß hören , das ungefähr in der Thatsache besteht : Er kam nach Wien , fand Olga nicht in dem Gasthofe , wo die aus Rom rückkehrende Familie hatte absteigen wollen . Diese Familie traf endlich ein . Olga blieb aus . Wie bebte sein Herz , als er den Namen Rafflard nennen hörte ! Der alte Pädagog , ewig geneckt von den Extremen der Zeit ! Sein Zögling in solcher Gefahr ! Die Taube in den Krallen des Geyers ! Was sollte er thun ? Bleiben , reisen ? Er suchte den Beistand der Regierung . Er bot Alles auf , zu einer genauen Kenntniß der Route zu kommen , die Sylvester Rafflard mit Olga genommen hatte . Oft wär ' s ihm , dem besonnenen , kalten Manne gewesen , als hätt ' er mit der Stirn gegen die Wand rennen müssen ! Endlich hätte er erfahren , daß ein älterer Herr mit einem jungen Mädchen von Triest über Udine nach Steiermark gereist wäre . Aus spätern fragmentarischen Berichten ergab sich , daß Rafflard die katholische Schwärmerei Olga ' s zu irgend einem Lebensplane nutzte , ihr eine Rundreise durch Klöster und Abteien als eine romantische Verschönerung ihres nächsten Reisezweckes vorhielt und gradezu auf eine Eroberung nicht nur für die Kirche , sondern vielleicht gar für die Heiligengeschichte zusteuerte . Drommeldey blickte fragend auf ... In der That , Doktor ! sagte Dystra . Es ist schaudervoll , wie weit die mittelalterlichen Rückfälle gehen . Man wird mit ihnen grade wieder bei Thümmel ' s Reisen ankommen . Rafflard hatte in Rom die Leidenschaft Olga ' s für die katholische Kirche bemerkt . Der Kriticismus ihres Erziehers hatte ihr keine Waffen in die Hand gegeben gegen den verführerischen Reiz der Musik und des entzündeten Weihrauchs . Da findet er in Venedig dies Kind wieder , das sich ihm mit seinem ganzen schwärmerischen Unbedacht in die Hände liefert . Weit entfernt , sich ihr durch seine schlimme Natur verdächtig zu machen , legt es Rafflard darauf an , Olga ' s Überspannung bis zum Visionären zu steigern und sich in der hierarchischen Sphäre , wie man das jetzt sehr gut durch Extreme kann , einen Namen zu machen . Er spricht bei Geistlichen mit ihr vor , die die Sehnsucht des Mädchens nach diesem Extremen steigern . Hier und da eine aus den höheren Ständen in den geistlichen getretene Nonne muß Olga in dem Vertrauen auf innere Offenbarungen stärken . Sie wissen , daß jetzt überall Wunder der katholischen Kirche wieder auftauchen ! Bilder schwitzen Blut , an visionären Mädchen auf dem Lande zeigen sich die Leidensmale Christi , es ist , als schwankten wieder alle festen Normen und Naturgesetze , als ergriffe die Menschen in gewissen Gegenden der St.-Veitstanz der Ideen , die Alles im Wirbel mit ihnen umdrehen . Dieser Rafflard soll alle Stadien eines pädagogischen Abenteurers durchgemacht haben und als wahrer Seelenverwüster nun damit enden wollen , Heilige zu schaffen . Er fand in jenen mit Geistlichkeit jedes Ordens gesegneten , zur Donau auslaufenden Bergthälern Hülfe genug , Olga zu fesseln , bei ihrem aus Liebesgründen nicht gesteigerten Verlangen nach der Rückkehr zu den Ihrigen sie planlos umherzuführen , bis sie in einen Zustand kommen mußte , den ich mit jener Zähmung der Schlangen in den Kästen der indianischen Zauberer vergleichen möchte , mit jener Erstarrung durch umhüllende Decken , die eine Lethargie , eine Geistesohnmacht , eine Willenlosigkeit zurücklassen , an welcher man erlebt hat , daß Frauen für heilig galten , sie wußten nicht wie und daß sie sich inspirirt glaubten , sie wußten nicht von Wem , wol aber an sich selber glaubten , an ihre eigne Geistesverwirrung wie an ein Evangelium , das Unsichtbare ihnen zuriefen , ja daß sie stigmatisirt waren , ohne es zu wissen ... Drommeldey sprang auf . Er hatte erst gelächelt , erst wirklich an Thümmel ' s Reisen , die er und Schlurck ausnehmend liebten , gedacht . Nun aber überwältigte ihn der Zorn . Er erging sich in Verwünschungen eines wahnsinnigen Zeitalters - und hatte doch eben selbst diesem wahnsinnigen Zeitalter sich zum Opfer dargebracht , seine Logik , seinen klaren Verstand , seinen Voltaire dem Mittelalter und einer am Throne doppelt gefährlichen Romantik preisgegeben ! In Linz , fuhr Dystra fort , entdeckte endlich Rudhard die Flüchtlinge . Die Jesuiten , die oben auf der schönsten Aussicht über die Donau und die Steiermärker Berge wohnen , mögen Rafflard angezogen haben . In der Wohnung einer besonders bigotten vornehmen Sternkreuzordens-Dame war Olga wie eingebürgert und wurde von dieser und einem Dutzend hoher Geistlicher gleich einer Heiligen behandelt . Ich zweifle gar nicht , daß es darauf abgesehen war , das Kind in einen magnetischen Zustand zu versetzen . Rudhard fand sie , wie sie schlummernd auf einem Ruhebett lag , die Brust mit einem Kreuze bedeckt ... Das Kreuz war ein Magnet ! Das vermuthet Rudhard selbst und beklagt sich , desselben sich nicht bemächtigt zu haben . Er wäre im Hotel abgestiegen ,