Nacht . Kein Lichtblitz , kein Tagesschimmer mehr , so dicht wölbte sich über uns das von rechts und links her ineinander geschobene Gezweig . Und nun schwieg auch die Heiterkeit . Alles rückte sich zurecht und ließ deutlich erkennen , daß wir uns in unmittelbarer Nähe unseres Zieles befinden mußten . Und wirklich , eine scharfe Biegung noch und der Wagen hielt . Unvergeßlich Bild ! Aus einer mit beiden Flügeln offenstehenden Tür ergoß sich ein Lichtstrom auf einen rondellartigen und von Tannen umstellten Vorplatz , während sich in der Tür selbst , und weiter zurück , ein buntes Gewirr von Uniformen und Livreen zeigte . Die Mäntel glitten uns von der Schulter , und im nächsten Augenblicke schon traten wir aus dem Vorflur in eine dahinter gelegene größere Flurhalle , von der aus eine Steintreppe , gradlinig und mit leichtem Eisengeländer , in die Zimmer des ersten Stockes hinaufführte . Hier am Eingang empfing uns der Prinz , ein gnädiges Wort an alle , die gnädigsten an die Neulinge richtend ; aber ehe noch das Wort ein Gespräch werden konnte , tat sich auch schon der uns unmittelbar zur Seite gelegene Speisesaal auf , auf dessen von Lichtern überstrahlter Tafel es von goldenem Gerät und eigenartigen , aus der Jagdwelt stammenden Aufsatzstücken blinkte . Die Fülle der Eindrücke nahm der Zeit ihr Maß , die Stunden wurden zu Minuten und ehe noch die Möglichkeit gewonnen war , sich in dem Bilde von Licht und Glanz zurechtzufinden , war auch die Zeit schon wieder um , und das Vorfahren der Wagen wurde gemeldet . Ein Abschiedswort noch , gnädig wie das des Empfanges , und siehe da , durch Nacht und Dunkel hin und gleich danach an der von einzelnen Lichtern erhellten Lisiere vorüber , ging unsere Fahrt , immer rascher und rascher , denn der eben laut werdende Pfiff der Lokomotive mahnte bereits zur Eile . Abgepaßt ! Im selben Momente , wo der Zug hielt , hielten auch wir , und abermals eine kleine Weile , so war die letzte Station und die letzte Gitterbrücke passiert und in das Bahnhofsportal eingleitend , wölbte sich wieder der mächtige Bogen über uns . Aussteigen ! Ein Strom , ein Gewirr ; Pelze , Koffer und Geschrei : der ganze Lärm einer großen Stadt . Und Dreilinden lag hinter mir wie ein Traum . 2. Kapitel 2. Kapitel Dreilinden , historisch-topographisch Dreilinden : sein Forsthaus und sein Jagdhaus , dazu die gleichnamige Waldparzelle , darin beide , Forsthaus wie Jagdhaus , gelegen sind , bildet den westlichen Teil des Rittergutes Düppel , das – 1865 auf Antrag der Teltower Kreisstände durch König Wilhelm in Anerkennung der Verdienste des Prinzen Friedrich Karl gegründet – aus einer Acker- und einer Forsthälfte besteht . Die Ackerhälfte hieß ( und heißt noch ) Gut oder Vorwerk Neu-Zehlendorf . Die Forsthälfte dagegen hieß : die Heinersdorfer Heide , darin , in alten Zeiten schon , ein Forsthaus unter dem Namen » Der Heidekrug « gelegen war . Beide Hälften haben eine Geschichte , die hier in Kürze gegeben werden möge . Vorwerk Neu-Zehlendorf Gut oder Vorwerk Neu-Zehlendorf bestand , bis zu seinem Aufgehen in das Rittergut » Düppel « , aus einem Alt-Zehlendorfer Bauernhofe , dem , wenn ich recht berichtet bin , außer seinem alten und eigentlichen Hofbesitz , auch noch ein kleineres , durch Kauf oder Erbe hinzugekommenes Ackerstück zugehörig war . Auf diesem Alt-Zehlendorfer Bauernhofe nun saßen bis 1826 bäuerliche Leute : die Geschwister Pasewald . Um die genannte Zeit aber verkauften dieselben ihr Bauerngut an den Salz- und Schiffahrtsdirektor Bensch , der dafür 6000 Taler zahlte . Bensch beantragte , gleich nach der Übernahme , die Separation der bis dahin noch in der Gemeinschaft verbliebenen Dorfäcker , bei welcher Antragstellung er sich durch die gesamte Bauernschaft unterstützt sah . Infolge dieser Unterstützung ordneten sich alle zur » Auseinanderlegung « erforderlichen Schritte rasch und mit verhältnismäßig leichter Mühe , so daß noch vor Jahresablauf ein Anteil von 845 Morgen an Bensch fiel . Auf eben diesem Anteil begann Bensch alsbald ein Vorwerk 44 aufzubauen , dem er den Namen Neu-Zehlendorf gab . Und so bestand denn um diese Zeit , und zwar im Gegensatze zu weiterhin zu nennenden und ebenfalls aus Benschischen Mitteln erworbenen Nachbarbesitzungen , der Zehlendorfer Besitz des Salz- und Schiffahrtsdirektors Bensch aus folgenden Einzelstücken : 1. aus dem Alt-Zehlendorfer oder Pasewaldschen im Dorfe selbst gelegenen Bauernhofe , dem bloßen Grundstück , samt ererbtem oder erkauftem Ackerannex ; 2. aus dem bei der Separation aus der Dorfgemeinschaft ihm zugefallenen Acker von 845 Morgen und 3. aus dem , auf eben diesem Acker , unter dem Namen Neu-Zehlendorf erbauten Vorwerke . So blieben auch die Verhältnisse von 1826 bis 1851 , in welchem Jahre der sogenannte » Seeplan « , eine Hütungs- und Weideparzelle , durch Bensch hinzugekauft und dem Vorwerke Neu-Zehlendorf angefügt wurde . Jagdbegang Dreilinden In vorstehendem hab ' ich über die Feld- und Ackerhälfte von Rittergut Düppel beziehungsweise Dreilinden berichtet . Ich berichte nunmehr auch über die Forsthälfte : den Jagdbegang Dreilinden . Der jetzige Jagdbegang Dreilinden hieß , wie schon eingangs hervorgehoben , in alten Zeiten » die Heinersdorfer Heide « , welche Heide , von 1515 an bis zu Beginn dieses Jahrhunderts , der auf dem Teltow reich begüterten Familie von Hake gehörte . Von den Hakes kam eben diese Heinersdorfer Heide – der wir ( unter Ignorierung der Besitzverhältnisse des gleichnamigen Rittergutes Heinersdorf ) allein hier gedenken – an den Leutnant Mumme , welcher die Heide nur kurze Zeit besaß und schon 1820 wieder an den schon vorgenannten Salz- und Schiffahrtsdirektor Bensch verkaufte . Bensch war also bereits sechs Jahre lang in diesem Heinersdorfer Heidebesitz , als er 1826 das vorerwähnte Pasewaldsche Bauerngut in Alt-Zehlendorf erwarb und durch sofortige Zusammenlegung beider : aus dem Zehlendorfer Bauerngut einerseits und dem Heinersdorfer Heideland andererseits , einen Gesamtbesitz herstellte , der im wesentlichen dem Umfange des gegenwärtigen , seit 1865 bestehenden Rittergutes Düppel entsprach . In diesem Gesamtbesitz