Herrschaften weder mit der Musik noch mit den gezähmten Thieren , aber nothwendig wird es sein , daß Ihr hiesiges Gewimmel und Gekrabbel , das Gebelfer und Gezwitscher nicht gefährlich erscheint . Den Tanzmeister mein ' ich , die drolligen Puterhähne , die Windspiele Biche und Alkmene - Sie wissen nicht , wie unbeliebt ohnehin alle Erinnerungen an Friedrich den Großen sind - auch die gebesserten Raben müssen in Obhut bleiben und besonders hoff ich , daß die Schildkröte , obgleich sie dem Apollo heilig ist und die erste Veranlassung der Musik wurde , ja sogar von Phidias für seine berühmte Statue der Aphrodite als Piedestal benutzt wurde - worin mein Freund Schlurck einen gewissen Zusammenhang zwischen Venus und den Mokturtelsuppen entdecken würde - ich sage , daß Sie diese schreckliche Bestie gleichfalls nicht als Wirklichkeit in den schönen Traum , der hier geträumt werden soll , hineinkriechen lassen . Anna von Harder war nicht so reflektiv und politisch gestimmt , daß sie etwa hier eingeschaltet hätte : Also so würden die Großen bedient , so würden ihnen die romantischen Täuschungen erleichtert , so würde in den Waisenhäusern die Suppe erst kräftiger gekocht , wenn sie eine Prinzessin kosten sollte ... Sie erinnerte nur an die Statuten , die schon die Sicherheit aller Sänger und Sängerinnen vor den Liebhabereien des Großpapas bedingten ; genug , Drommeldey konnte schließen : Also sammeln Sie sich ! Es bleibt dabei ! Gegen vier Uhr kommen die Herrschaften und verrathen Sie uns Niemanden ! Damit erhob sich Drommeldey , fragte noch flüchtig nach Olga , wollte keine Begleitung dulden und eilte aus dem Musikzimmer , verfolgt von dem bittenden , vorwurfsvollen Blick der in Erschöpfung niedergesunkenen , von solcher Aussicht auf ihr so nahe bevorstehendes » Glück « fast vernichteten Anna ... Draußen aber hielt Dystra den schnell dahineilenden Eklektiker mit einer Entschiedenheit auf , die ihn verhinderte , nur an eine kleine Plauderei zu denken ... Was ? Eine Konsultation ? sagte der Arzt . Dystra zog Drommeldey vom Hofe über die Rasenbeete zu dem Pavillon hinauf ... Spartakus und Cicero , seine Mohren , unterhielten sich inzwischen mit dem zahmen Reh , lachten über den Kranich und erkundigten sich in der Küche nach etwaigen Rum- und Arracvorräthen . Wie mich meine Verlobte an dieser Stelle sah , berichtete Dystra , ergriff sie die Flucht . Zwar würdevoll , majestätisch , aber so entschieden negativ , daß ich die Lächerlichkeit scheute , sie zu verfolgen . Sie huschte unter die Tannen , wie die Pfauen da , die ein häßliches Geschrei verführen ... Sie werden magerer , Baron ! Diese Liebe ruinirt Sie ... Ich kenne jetzt , antwortete Dystra , Drommeldey auf einen Gartenstuhl drückend , ich kenne jetzt die Geschichte der Rückreise Olga ' s von Rom und muß sie Ihnen andeuten , damit Sie eine Ansicht aussprechen . Wohlan ! sagte nach der Uhr sehend , der ärztliche Rathgeber , der in der Kenntniß der geheimen Verwickelungen des Lebens von keinem Beichtvater der Welt übertroffen wurde . Aber schade , daß Sie nicht schnupfen , Baron ! Und in der That sprach Drommeldey , der mit allen Geruchsnerven seiner gehobenen Nase Schnupfer war , den alten Bedienten des Hauses , der um die Erlaubniß bat , Wein oder Wasser auftragen zu dürfen , nur um seine Dose an und regalirte sich im Vorrath mit einer solchen Befriedigung an diesem pikanten Blätterdünger , wie sie seine ganze Natur , auch seine geistige , zu bedürfen schien . Dystra erzählte nun , daß er von Rudhard aus Brüssel einen Brief erhalten hätte , der ihm den Schlüssel dieses sonderbaren Benehmens der aus Italien heimkehrenden Olga gegeben . Die Familie , der man Olga in Rom anvertraut , hätte aus mannichfachen Elementen bestanden . Statt Schutzes hätte sie von Seiten einiger jüngerer Mitglieder jene quälende Huldigung erfahren , die zuletzt ein Mädchen , das auf die begehrte Hinneigung nicht einginge , wahrhaft erschöpfen und in einem Grade abspannen könne , daß sie einen Ekel und Überdruß an sich selbst empfände . In Venedig hätte Olga die unausgesetzten Galanterien zweier jungen Söhne der Herrschaft , mit der sie reiste , nicht mehr ertragen mögen und das Leiden eines selbständig in der Welt auftretenden weiblichen Wesens , da ihr die Waffen des Humors fehlten , so lästig gefunden , daß sie mit Freuden auf den Vorschlag eines älteren Mannes eingegangen wäre , sie bis Wien in seinen Schutz zu nehmen . Ohne Abschied von der Familie zu nehmen , rücksichtslos , frank und frei , ganz in Olga ' s Art , die das Tragische hätte , daß sie aus dem empfindlichsten Zartgefühl für Tugend leichtsinnig erschiene , wäre sie von jenen Menschen geschieden und hätte den Vorschlag eines älteren Mannes , sie nach Wien zu führen , angenommen . Sie kannte diesen Mann als zuverlässig von Rom aus : es war ein Jesuit , der Professor Sylvester Rafflard ... Himmel ! unterbrach Drommeldey erschreckend ... Kennen Sie ihn ? Erzählen Sie ! Das Mädchen ist die neue Clarisse Harlowe ... Dystra fuhr fort , nach Rudhard ' s Mittheilungen zu berichten , daß Olga diesen Mann nur von Rom und dem Hause der Gräfin d ' Azimont gekannt hätte . Sie hätte mit Freuden von ihm vernommen , wie er immer gegen den Fürsten Egon gesprochen , wie er der damals noch von ihr verehrten Helene die Charakterlosigkeit dieses Treulosen unbarmherzig vorgehalten , bis Helene selbst » charakterlos « geworden . Damals schon hätte sie zu jenem gefälligen Hausfreund ihre Zuflucht nehmen , seinen Rath begehren wollen . Nun fand sie ihn in Venedig auf dem Balkon eines Hotels , wo sie schwermüthig in den großen Kanal blickte und ihn für einen Retter vor den Unarten zweier jungen modern erzogenen Söhne der schwachen Dame , mit der sie reiste , ansah ... Sie kam aus dem Regen in die Traufe ! unterbrach Drommeldey mit prosaischer Wahrheit einen Zustand , der in der auf den