» Den 13. Mai 1689 ist Habba Schachasaga , eine geborene Türkin , nachdem dieselbe in unserer christlichen Religion unterwiesen und ihr Glaubensbekenntnis öffentlich abgeleget , getaufet worden und hat den Namen Maria Louisa bekommen . Gott regiere sie ferner durch seinen heiligen Geist und erhalte sie bei der erkannten und angenommenen Wahrheit bis an ihr seliges Ende . Die Paten waren : Herr Major von Bornstädt , Herr Samuel von Hertefeld , Herr Wilhelm von der Gröben , Frau Oberst von der Gröben , Frau Hauptmann von der Gröben . « Von anderen Eintragungen in das Kirchenbuch geb ' ich nur noch folgende zwei : » Den 17. Februar 1719 hat der reformirte Prediger Adolph Christoph Stoschius ( der jüngere ) in der Zehdenickschen Stadtkirche einem lutherischen Obristlieutnant von Jeetze die Parentation gehalten , weil es im Letzten von ihm begehrt worden . « Und : » Am 9. März 1801 starb in Liebenberg der K. preußische Oberst , Herr von Cocceji , am Schlagfluß und wurde , seiner bei seinen Lebzeiten gegebenen Verordnung gemäß , in einem für seine Leiche in dem Kapphölzchen besonders hergerichteten Gewölbe den 14. desselben Monats beigesetzt . « * Und hiermit haben wir unseren Rundgang durch Schloß und Park und Kirche geendet und nehmen Abschied von Liebenberg , aber nicht ohne vorher eine Parallele zwischen dem Leben von sonst und dem Leben von heute gezogen zu haben . Es ist nicht loyaler geworden , dies Leben , die Hertefelds waren loyal , aber preußischer wurd ' es , und an die Stelle des dem vorigen Jahrhundert entstammenden Aufklärungs-Evangeliums , mit seinem Hange zu Weltbürgertum und Philosophie , traten wieder Konfession und Nationalität , die Scheidungen und Gliederungen einer weiter zurückliegenden Zeit . Ein Begrenztes anstelle des Unbegrenzten . Und wenn die Betrachtung des Lebens wechselte , die Temperatur des Lebens wechselte nicht . Es erkühlte sich nichts in den Herzen , und jene Hilfsbereitschaft und schöne Gastlichkeit , die hier alle Zeit heimisch und das alte Vorrecht der Hertefelds war , sie lebt fort bis diese Stunde . Die » japanische Zimmerreihe « wird nicht leer und nicht müde wird der Eifer , alles , was zu Besuch und Sommerfrische kommt , in die wechselvoll-entzückende Landschaft oder auf die Höhen- und Aussichtspunkte hinaufzuführen . Unter diesen am liebsten auf die Burgbergstelle , die , zugleich voll historischem und landschaftlichem Reiz , auf Wald und Wiesen und die von Mummeln überblühte » große Lanke « niederblickt . Hierher geht es in Sommerzeit , um in einem Borkenhäuschen den Tee zu nehmen und sich unter neckischem Spiel , als wär ' es im » Sommernachtstraum « , über Wald und See hin zu verteilen , zu haschen und zu suchen . An dem Schilfgürtel entlang schiebt sich das Boot , unter den Uferbäumen ist es wie Flüstern und leises Lachen , und nun geht der Mond auf und gießt sein Licht über die stillbewegte Flut . Dreilinden 1. Kapitel 1. Kapitel Erster Besuch in Dreilinden Jagdschloß Dreilinden war Lieblingsaufenthalt des Prinzen Friedrich Karl . Jeder , während der siebziger Jahre , kannte das Schloß , wenn nicht von Ansehen , so doch aus den Hofnachrichten , in denen es in bestimmten Abständen hieß : » Seine Königliche Hoheit kam heute von Dreilinden herein in die Stadt und kehrte gegen Abend dahin zurück . « Dreilinden war ein populärer Name geworden , fast so populär wie der des Prinzen selbst . Ich persönlich lernte das Jagdschloß erst im Spätherbst 1881 kennen , und wie sich ' s mir damals darstellte , darüber will ich in nachstehendem berichten . * Ein halb durchsichtiger Novembernebel , aus dem es in kleinen Tropfen niederfiel , lag weithin über der Landschaft , und an allerlei wie Schatten aus der Unterwelt dastehenden Vergnügungslokalen vorüber , die traurigen Blicks uns nachsahen , als ob sie bäten , » sie doch mitzunehmen in Licht und Leben « , jagten wir erst durch den Steglitzer Bahnhof und gleich danach durch den von Lichterfelde hin . Alles war öd und leer , und selbst der Kadettendom stand wie in Trauer . Und nun hielten wir . » Wannsee , Wannsee « . Den ganzen Zug entlang öffneten sich nicht mehr als zwei Kupees , deren Insassen , in einer längeren und einer kürzeren Schräglinie sofort demselben Ziele zusteuerten und zwar auf zwei hart an einer Windecke haltende prinzliche Wagen , die , luftig und offen , in ihrer ganzen Erscheinung unzweifelhaft eine Wonne für tapferes und abgehärtetes Kriegsvolk , aber von desto zweifelhafterem Werte für alle noch zu den Traditionen der » zuigen Droschke « haltende Zivilpersonen waren . Ich , der den kürzeren Weg hatte , nahm das Marschtempo so , daß ich mit der Hauptkolonne dicht an der Windecke zusammenstoßen mußte , stellte mich hier vor , und tauschte dafür , als Gegengabe , vier oder fünf Namen ein , die die gesamten Personalverhältnisse genau so dunkel beließen , wie sie bis dahin gewesen waren . Übrigens entsprang aus dieser Dunkelheit weder Verwirrung noch Gene , vielmehr ließ sich umgekehrt leicht erkennen , daß ein unter gleichen Verhältnissen an dieser Ecke stattfindendes Zusammentreffen ein ganz alltägliches Ereignis war . Jedenfalls aber klärte sich die Situation sofort , als die Plätze hüben und drüben eingenommen und unter Zitierung einiger wie Whistwitze stationär auftretenden Schäkereien , unsere vier Beinpaare nach Art ebenso vieler Rautenwappen ineinander geschoben waren . Und nun saßen wir . Fertig ! Ein Peitschenknips noch , und in raschem Trabe ging es , unter einem Brückenüberbau weg , in eine breite chausseeartige Fahrstraße hinein , die , nach links hin , eine mit hohen Kiefern besetzte Waldlisiere streifte . Hart zur Rechten aber lief der Bahndamm , auf dem eben die roten und grünen Signallichter angezündet wurden . Am Waldsaum hin wob noch Dämmerung , in demselben Augenblicke jedoch , wo wir , von der breiten Fahrstraße her , in einen schmalen und recht eigentlichen Waldweg einbogen , umgab es uns wie