von Vereinen , sogar zwanzig- , dreißigfach kleine Traktätchen , die Anna befördern , verbreiten sollte . Eine Gesindebelohnungsanstalt schickte Rechnungsabschlüsse . Und dann das Klingeln am großen Hofthor , wenn der Aktenwagen vom Obertribunal kam und für die greise , in der Stadt befindliche Excellenz die Akten repositorienhoch hereinfuhr und diese Ballen abgeladen wurden in der großen Aktensammlung rechter Hand beim Eintritt in das zweistöckige Wohnhaus ! Und wieviel kleine Miethswägen fuhren nicht vor und brachten nichts , als von jungen angehenden Rechtspraktikanten , neubeförderten Unter- und Hülfsarbeitern , jungen beim Obertribunal zugelassenen Advokaten Visitenkarten , um sich dem Chef der Landesjustiz zu empfehlen ! Dazu dann der ewig bewegte Verkehr mit dem lebendigen Hofe , seinen Ställen und kleinen Käfigen ! Auch heute mußte Anna lachen , wie sie schon von der Straße her einen Mann mit einem Tragkorbe auf dem Rücken erkannte , einen Thüringischen Vogelhändler , der regelmäßig des Jahres einmal bei ihnen vorsprach und dem alten Herrn seine neuesten Gesangskünstler aus dem Harze vorführte . Der Mann schwang schon in der Ferne die Mütze und grüßte mit seinem Vogelgesichte . Er hatte selbst die Physiognomie seiner Vögel angenommen , war zum Thiere herabgestiegen , während bei ihm die Thiere emporstiegen . Dem altbekannten Papageno aus Thüringen ging Anna selbst entgegen , empfing ihn im Vorhofe , hob die Decke von seinem Vogelkasten , in dem es hinund her zwitscherte und lustig auf- und niederhüpfte , ließ ihm von dem ältesten Bedienten , der in jungen Jahren selbst ein gelernter Jäger war und über diesen Gruß aus dem Walde seine innigste Freude hatte , - war er doch die rechte Hand des Präsidenten bei seinen Lieblingsexperimenten - ein vollständiges Frühstück vorsetzen und vertröstete ihn , seinen vieljährigen Gönner , der ihm immer abkaufte und noch lieber sich mit ihm unterhielt und von seinen Beobachtungen in der Vogelwelt sich erzählen ließ , nach zwei Uhr sprechen zu dürfen ... Der Vogelhändler stellte seinen Kasten in die Hausflur , dicht neben ein großes Drahtgitter , hinter dem es unten von Kaninchen , im zweiten Stockwerke von Dohlen und Raben , im dritten von kleinen Singvögeln lustig genug wimmelte . Biche und Alkmene , zwei hohe wie die schönsten englischen Misses schlanke Windspiele , umhüpften den Wohlbekannten freudig . Die drei Hauskatzen , Isis , Osiris und der große augenfunkelnde Bafomet , ein Kater , wie ihn die Egyptier mochten verehrt haben , schlugen mit ihren langen Schweifen hoch auf voll Gelüst und Erregung über die appetitliche gefiederte Zufuhr des Käfigs . Aber sie bezähmten sich , da der alte Diener Sorge trug , ihnen grade im erwachenden Gelüst ihre Mittagsration vorzusetzen . Der Vogelhändler bekam auf einem Tisch in der steingepflasterten Hausflur seinen Imbiß ... Es schlug eben ein Uhr ; eben wollte Anna die Begleitung der Musikstücke , die heute in diesem wilden Bereich , fast wie Amphion that vor den Thieren , die er durch die Leier zähmte , aufgeführt werden sollten , noch einmal durchspielen , eben trieb der alte Diener eine kleine Schildkröte , die seit Jahr und Tag im Hause frei herumlief und von Musik wie die Spinnen nahe gelockt wurde , zum Saale hinaus - die Akademie hatte die Bedingung jeder Sicherheit vor etwaigen thierischen Überfällen in der Luft oder wol gar vor kriechendem Auditorium auf der Erde - als zwei rasch daher fahrende Wägen Anna ' s Aufmerksamkeit fesselten , sie sich erheben und dem Sanitätsrath Drommeldey und Otto von Dystra , die eben zusammen durch das von den beiden herabgesprungenen Mohren schon geöffnete Hofthor eintraten , entgegen gehen mußte . Zweites Capitel Die Natur und das Wunder Anna von Harder empfing ihren Besuch im Musiksaale , einem geräumigen Eckzimmer , das trotz seiner vier Fenster etwas Düstres hatte , denn das Glas der Scheiben war nicht das weißeste , die Fensterrahmen , wie am ganzen Landhause , waren grün angestrichen . Dystra und Drommeldey hatten sich erst auf der Chaussée getroffen . Seit Drommeldey die Vermuthung des Barons , man könnte mit Olga vielleicht eine magnetische Kur beginnen , entschieden abgelehnt hatte , war zwischen ihnen die Erörterung ihres offenbar krankhaften Zustandes nicht mehr zur Sprache gekommen ... Dystra , der Anna einen großen Strauß der ausgezeichnetsten Blumen überreichte - die Gärtnerei wurde in Tempelheide vernachlässigt - erklärte sogleich , er wisse , daß Drommeldey irgend etwas Geheimnißvolles mit der Frau Landräthin von Harder zu verhandeln hätte . Er wäre heute gekommen , um auf längere Zeit sich zu einem Ausfluge nach dem Tempelstein , zu einem Besuche der Fürstin in Brüssel zu empfehlen . Wo Olga wäre ? Er müsse sie doch wenigstens zum Abschied sehen . Und Drommeldey bestätigte zum Schrecken Anna ' s , die etwas Unglückliches erwartete und auch von Abschieden immer sehr bewegt war , wie vielmehr an diesem Tage , den sie so hoch erhob , eine geheime Absicht . Sie wußte kaum , was sie erwiderte , als sie sagte , Herr von Dystra würde Olga unterm Pavillon finden ... Der Baron , im schwarzem Schnurrock , weißem Kastor , die citronengelb gantirten Hände in die mächtige Brust steckend , wandte sich dem Pavillon zu , um einen Versuch zu machen , mehr als jenes halbdutzend Worte von Olga herauszubekommen , das er bis jetzt erst aus ihrem Munde gehört hatte . Während wir ihn seinem guten Glück überlassen , sah sich Drommeldey , als er allein mit Anna von Harder war , lächelnd in dem Zimmer um , betrachtete mit satyrischem Wohlgefallen die aufgeschlagenen Notenblätter und sagte mit einer fast verschmitzten Vertraulichkeit : Gnädige Frau , nicht wahr , Sie haben heute Akademie ? Pergolese , Bach und ein Hallelujah von Händel . Sehr gut ! Rüsten Sie sich auf Besuch ! Besuch ? Wir schließen jeden Besuch aus , Sanitätsrath ! Es sind unsre Statuten - Es gibt Personen , die über Ihre Statuten erhaben sind ! Sanitätsrath ! Liebe Landräthin , ich kann Ihnen nicht verschweigen - um drei Uhr