nicht als Feinde . “ „ Ja , was die Abreise betrifft , “ fiel Curt rasch ein , „ Papa ist noch oben in seinem Zimmer und Eugenie augenblicklich ganz allein in dem ihrigen – wollen Sie sie nicht noch einmal sprechen ? “ „ Wozu ? “ fragte Arthur betroffen . „ Der Herr Baron kann jeden Augenblick erscheinen , und Eugenie wird schwerlich – “ „ Ich stelle mich vor die Thür und lasse Niemand hinein ! “ versicherte Curt eifrig . „ Ich werde den Papa schon so lange hier aufzuhalten wissen , bis Ihr drinnen fertig seid . “ Eine schnelle Röthe bedeckte einen Moment lang Arthur ’ s Stirn , als er dem gespannt forschenden Blick seines Schwagers begegnete , aber er schüttelte ernst den Kopf . „ Nein , Curt , das ist unnöthig ! Ich habe gestern Abend bereits noch einmal und ausführlich mit Ihrer Schwester gesprochen . “ „ Auch über die Abreise ? “ „ Auch über die Abreise ! “ Der junge Officier sah etwas enttäuscht aus , übrigens blieb ihm keine Zeit zu weiteren Vorschlägen , denn man hörte bereits draußen den Schritt des Barons , der gleich darauf eintrat . Curt zog sich mit einer halb trotzigen Bewegung mehr in den Hintergrund des Zimmers zurück , während er vor sich hinmurmelte : „ Und richtig ist die Sache doch nicht ! “ Das unumgänglich nöthige Beisammensein während des Frühstücks war vorüber . Die abgemessene Förmlichkeit des Barons und die stete Gegenwart der Diener hatten darüber hinweg geholfen ; jetzt fuhr der Wagen unten auf der Terrasse vor . Die Herren nahmen ihre Mäntel um , und das Kammermädchen brachte Eugenien Hut und Shawl . Arthur bot seiner Frau den Arm , um sie hinunter zu führen . Der Schein eines vollkommenen Einverständnisses sollte ja bis zum letzten Augenblick aufrecht erhalten bleiben . Grau und trübe war der Morgen über die Berge gekommen ; grau und trübe stieg er jetzt in ’ s Thal hernieder , vor den Fenstern wogte ein Nebelmeer , und hier drinnen gab das frostig kalte Morgenlicht , das die Räume bereits erfüllte , ihnen etwas gespenstig Oedes und Unheimliches ; es schien , als ob all die reiche Pracht , die sie schmückte , auf einmal Glanz und Farbe verloren hätte , und sie sollten ja auch jetzt leer werden , ganz leer – die junge Herrin verließ sie , um nicht wiederzukehren . Curt machte im Stillen die Bemerkung , daß auch seine Schwester dasselbe Aussehen zeigte , das ihn vorhin an Arthur so erschreckt hatte , aber sonst konnte auch er in der Haltung Beider nichts Außergewöhnliches entdecken . Sie wußten die einmal übernommenen Rollen durchzuführen , wenn ihre Züge auch verriethen , daß es ihnen eine schlaflose Nacht gekostet , und vielleicht war diese starre kalte Fassung nicht einmal eine Rolle . Wenn der Sturm ausgetobt hat , dann folgt jene Ruhe , die uns so oft im Leben gerade über das Schwerste , das am meisten Gefürchtete verhältnißmäßig leicht hinweghilft , weil es wie ein Schleier auf der Seele liegt , der sie nicht zum klaren Bewußtsein des entscheidenden Momentes kommen läßt , weil all das frühere Kämpfen und Ringen untergeht in einem dumpfen Wehgefühl , durch das nur hin und wieder ein jäher stechender Schmerz zuckt , bei dem man sich erst besinnen muß , warum man denn eigentlich leidet . Am Arme ihres Mannes schritt Eugenie die Treppen hinunter , ohne eigentlich zu wissen , daß und wohin sie gingen . Wie im Traume sah sie die teppichbelegten Stufen , auf denen ihr Kleid rauschte ; die hohen Oleanderbäume , mit denen das Vestibül geschmückt war , die Gesichter der Diener , die sich vor der gnädigen Frau verneigten , das Alles glitt undeutlich , schattenhaft vorüber – dann plötzlich berührte etwas scharf und beinahe schmerzend ihre Stirn ; es war die kalte Morgenluft , in der sie zusammenschauerte , und vor sich sah sie den Wagen , der sie fortführen sollte , ihn allein , denn Terrasse , Blumenanlagen und Fontainen , das Alles verschwand in Dämmerung und Nebelgeriesel . Noch einmal begegneten sich die Augen der beiden Gatten , aber sie sagten einander nichts . Der Schleier lag schwer und dicht auch zwischen ihnen . Dann fühlte die junge Frau , wie eine Hand sich feucht und eiskalt in die ihrige legte , und hörte einige fremd und höflich klingende Abschiedsworte , die sie nicht verstand , aber es war doch Arthur ’ s Stimme , die sie sprach , und dabei fuhr wieder der stechende Schmerz heiß durch den dumpfen Traum – dann Hufestampfen und Räderrollen , und vorwärts ging es , hinein in das Nebelgrauen , das ringsum wallte und wogte , wie damals , als die Trennung beschlossen ward , oben auf der Waldhöhe in jener Frühlingsstunde – und was sich da trennt , das trennt sich für alle Ewigkeit ! „ Wie ich Ihnen sage , “ versicherte der Oberingenieur dem Director , während sie gemeinschaftlich nach ihren beiderseitigen Wohnungen gingen , „ jetzt wird ’ s Ernst ! Der Herr Führer scheint die Angriffsparole ausgegeben zu haben , aber wir sollen ihnen den Vorwand dazu liefern . Man fordert uns ja förmlich heraus , und die Insulten sind an der Tagesordnung . Sie haben uns richtig den ganzen Bezirk aufgewiegelt ; auf allen Werken ist die Geschichte jetzt erklärt ; wir hatten nur die Ehre gehabt , anzufangen . Das ist Wasser auf Hartmann ’ s Mühle . Er trägt den Kopf noch einmal so hoch wie sonst ! “ „ Herr Berkow scheint auf Alles gefaßt zu sein , “ meinte der Director . „ Er hat schleunigst die gnädige Frau in Sicherheit gebracht ; das beweist am besten , was er von seinen eigenen Leuten fürchtet . “ „ Bah , unsere Leute ! “ fiel der College ein . „ Mit denen wollten wir schon fertig werden