von Karyatiden in halber Figur getragen , zwischen welchen ein rings herumlaufender Holzfries die verschiedenen Szenen einer Jagd mit Schützen , Hunden und zum Teil fabelhaftem Getier in erhabener Arbeit darstellte , auf welches Werk der Doktor mit Recht besonders stolz war . Die Stelle des Deckengemäldes vertrat das kühngeschnitzte Wappen der Sprecher von Bernegg . Die Ecke des Zimmers füllte , stattlich und kranzgekrönt , das warme Gebäude des Kachelofens . Ein großartiger und zugleich kurzweiliger Anblick ! Denn da entfaltete sich zwischen zartgefärbten Engeln und Fruchtschnüren in mehreren Bilderreihen die ganze Geschichte des Erzvaters Abraham . Die biblischen Szenen waren in violetten , gelben und blauen Umrissen und Schattierungen mit großem Fleiße auf die weißen Kacheln gemalt und durch daruntergesetzte geistreiche Reimsprüche erklärt und nutzbar gemacht . Der Tischgenossen waren jetzt nur noch drei . Die jüngern Kinder des Hauses , welche das untere Ende der Tafel eingenommen und in bescheidener Stille ihr Essen stehend verzehrt hatten , waren beurlaubt worden . An dem Ehrenplatze , zwischen dem Hausherrn und seinem blonden Töchterlein , saß , als gefeierter Gast , der Herr Amtsbürgermeister Heinrich Waser . Heute am Tage der öffentlichen Überreichung der Friedensakte , wozu ihn seine den drei Bünden immer besonders gewogene Vaterstadt , die Republik Zürich , abgeordnet hatte , befand er sich in voller Amtstracht und im Schmucke seiner bürgermeisterlichen Kette . Die höchste Würde des Staates war ihm um seiner besonnenen Leistungen und mit berechneter Bescheidenheit nur nach und nach ans Licht gestellten Verdienste willen ungewöhnlich früh und neidlos zuteil geworden , denn er stand , frisch und lebenslustig , erst am Eingange der Vierzigerjahre . Ein Hauch von Jugendlichkeit schwebte auf seinen vom Gastmahle geröteten Zügen , deren frühere bewegliche Feinheit sich zum behäbigen Ausdrucke einer wohlwollenden , aber ans Schlaue streifenden Klugheit ausgeprägt hatte . Heute sah er bewegt aus , besonders wenn er mit seiner Nachbarin sprach , deren Worten und Mienen er eine prüfende liebevolle Aufmerksamkeit schenkte . Ihr kindliches Köpfchen , das auf einem lichten Halse über dem blauen Tuchkleide und den von ihrer Mutter geerbten Holländerspitzen des durchsichtigen Flügelkragens schwebte , hatte für ihn etwas äußerst Anziehendes . Die weiche Rundung des hellen Gesichtes , der damit übereinstimmende sanfte Glanz ihrer unter langen blonden Wimpern und angenehm gelockten Haaren hervorleuchtenden Augen machten einen Eindruck von befriedigter Ruhe , welche Herrn Waser an die silberne Luna erinnerte , wie sie sich in den klaren Wassern des Zürchersees spiegelt . Immer sehnlicher wünschte er , dieses anmutige Gestirn möchte glückbringend an seinem Abendhimmel aufgehen . Obgleich des Doktors Lebensauffassung infolge seines galligen Temperamentes im ganzen eine trübe war , sah er dem unter seinen Augen sich vorbereitenden häuslichen Ereignisse nicht ohne väterliche Befriedigung entgegen . Aber seine Gedanken waren zerstreut . Herr Waser hatte ihm in allem Vertrauen vor der Mittagstafel eine Kunde mitgeteilt , mit welcher er Fräulein Amantia nicht vorzeitig , nicht heute betrüben wollte – die Kunde vom Tode des Herzogs Rohan . Ein deutsches Flugblatt , das denselben mit rührenden Worten beschrieb , war nach Zürich gelangt und Waser hatte es für seinen geschichtskundigen Freund mitgebracht . Überdies beschäftigte diesen der jeden Augenblick erwartete Einzug des Triumphators in Chur , dessen Persönlichkeit ihm von jeher fremdartig und widerwärtig gewesen und dem er am wenigsten verzeihen konnte , daß er das Sprechersche Haus , eine Festung der Ehre , wie der Doktor früher mit Stolz zu sagen gewohnt war , durch Verrat befleckt hatte . Doch sonderbar ! Was der Bürgermeister dem Fräulein in dieser Stunde festlichen Zusammenseins noch verschweigen wollte , schien einen magnetischen Zug auf dessen ahnungsvolles Gemüt auszuüben , wenigstens kam Amantia heute in Gedanken und Worten von dem guten Herzog Heinrich Rohan nicht weg und konnte bei diesem Anlasse nicht umhin , auch seines tapfern Adjutanten mit Interesse sich zu erinnern . Herr Waser ließ für seinen Mitbürger keine übertriebene Vorliebe blicken . Der Bravour und dem aufgeweckten , gebildeten Geiste Wertmüllers widerfuhr von seinem Munde Gerechtigkeit , aber er schüttelte bedenklich den Kopf über des Locotenenten schneidiges und den Widerspruch absichtlich reizendes Wesen , womit er seine Landsleute beunruhige und sich eine unangenehme Berühmtheit in seiner Vaterstadt zugezogen habe . So selten er in Zürich verweile , sei es ihm gelungen , durch seine Ausfälle gegen eine hohe Geistlichkeit Abscheu , durch sein hochmütiges Geringschätzen der in ihrer Art interessanten städtischen Angelegenheiten allgemeine Mißbilligung und durch allerlei physikalischen Hokuspokus , der ihn dem freilich törichten Verdachte der Zauberei aussetze , bei dem gemeinen Manne unheimliche Furcht zu erregen . So habe er sich in Zürich den Weg verrammelt und das Zutrauen einer löblichen Bürgerschaft in alle Zukunft verscherzt , welches doch , nebst einem reinen Gewissen , die Lebensluft des echten Republikaners sei . – » Das Schlimmste aber an dem jungen Manne « , schloß der mehr als billig erregte Bürgermeister , » ist sein Mangel an aller und jeder Pietät – denn , ich bitt Euch , innig verehrte – dürft ich sagen innig geliebte ! – Jungfer Sprecherin , was ist alles Wissen und Können der Welt ohne die Grundlage eines religiösen Gemütes ! « » Was mir den Locotenenten wert machte « , sagte Fräulein Amantia fast beschämt , » war seine Treue an dem edlen Herzog Heinrich . Da hat er sich als echten Kavalier gezeigt neben dem Verräter Georg Jenatsch , der mir trotz seines gewinnenden Wesens immer wie ein böser Geist vorkam , wenn er über unsere Treppen zum Herzog hinaufsprang . « » Ein schwer zu beurteilender Charakter « , sagte der zürcherische Bürgermeister , indem er , in einen traurig ernsten Ton übergehend , sich an Herrn Fortunatus wandte . » In einem Stücke wenigstens überragt Georg Jenatsch unsere größten Zeitgenossen – in seiner übermächtigen Vaterlandsliebe . Wie ich ihn kenne , so strömt sie ihm wie das Blut durch die Adern . Sie ist der einzige überall passende Schlüssel zu seinem vielgestaltigen Wesen . Ich muß zugeben , er hat ihr