wisse ich es , werde ich sagen , so wahr mir Gott helfe , und ich spreche die Wahrheit damit , Alice ! « » Wie Durchlaucht darüber denken – dann habe ich das Briefchen gefunden « , erwiderte sie . » Ich gab es dem Reitknecht mit , den der Baron an Fräulein von Gerold nach Altenstein sandte , er soll es an Frau von Katzenstein abgeben ; ich schrieb ihr ein paar Worte , daß sie den inliegenden Brief Eurer Durchlaucht morgen früh Ihrer Hoheit überreichen solle . « Die Prinzessin war still geworden . Sie hielt sich an dem im blassen Mondlicht schimmernden Türklopfer von Bronze , den der sterngeschmückte Hirsch krönte . Sie konnte nicht mehr klar denken , sie fühlte sich unsäglich elend . Frau von Berg wußte ganz genau , daß es ein Brief Beates war , den der Reitknecht forttrug , aber warum das sagen ? So wurde das Feuer noch mehr geschürt . Die Prinzessin wandte sich nach der Halle zurück und dort stand sie still . Es war eine Furcht , ein unnennbares Grauen über sie gekommen . Beate trat eben aus dem Zimmer Lothars , das Schlüsselkörbchen am Arm . » Prinzessin ! « rief sie erschreckt , » wie sehen Sie aus ! « Da kam es wie Leben über sie . Sie eilte die Treppe hinauf und in ihr Zimmer , und da wühlte sie die Hände ins Haar und lag angekleidet auf ihrem Bette die Nacht hindurch , halb bewußtlos , und fürchtete , daß es Tag werden möchte . 22. Die Herzogin hatte beim Ausbruch des Wetters ihre Kinder holen lassen ; das jüngste schmiegte sich an sie , die , von Kissen unterstützt , im Bette saß . Der Erbprinz stand mutig am Fenster und schaute in die blitzdurchzuckte Nacht hinaus , und den zweiten Prinzen hatte Klaudine auf dem Schoß . Neben dem Erbprinzen stand der Herzog und horchte auf das Prasseln des Hagels und betrachtete die Wassermassen , die der Sturm an die Scheiben warf . Die Herzogin plauderte mit dem Kleinsten ; im Nebenzimmer befanden sich Frau von Katzenstein , die Erzieherin der Prinzen und die Kammerfrau . Als der Donner sich entfernte und der Regen nachließ , wurden die fürstlichen Kinder in ihre Zimmer entlassen . Der Erbprinz sah Klaudine einen Augenblick in das Gesicht . » Haben Sie sich gefürchtet ? « fragte er . Sie schüttelte freundlich den schönen Kopf . » Das gefällt mir « , sagte der schlanke Junge , » Mama fürchtet sich immer gleich . « Die Mutter zog ihr Kind an sich . » Fräulein von Gerold gefällt dir überhaupt ? « forschte sie mit trübem Lächeln . » Ja , Mama « , antwortete der Knabe , » wenn ich groß wäre , würde ich sie heiraten . « Niemand lachte über dieses Kindeswort . Die Herzogin nickte : » Schlaft wohl , ihr lieben , lieben Kinder , Gott behüte euch ! « Als das Getrappel der kleinen Füße verhallt war , sagte sie leise : » Ich bin recht müde , Adalbert . « Auch der Herzog empfahl sich . Er küßte seine Gemahlin auf die Stirn und verließ das Gemach . » Erwache gesund morgen ! « sagte er noch . » Ich verspreche es dir ! « erwiderte sie freundlich . Klaudine wollte sich mit Frau von Katzenstein in die Nachtwache teilen . Sie ging in das Zimmer , das man ihr angewiesen hatte , und zog sich ein bequemeres , wärmeres Kleid an . Dann kehrte sie zurück und saß neben dem Bette , still und geduldig . Die Herzogin lag mit geschlossenen Augen . Die kleine Nachtuhr tickte leise . Das Bildnis der Madonna leuchtete matt herüber , des Mädchens Augen blieben hängen an diesem holden Antlitz und wanderten dann zu dem bleichen der Kranken . Dann sank ihr Kopf an das Polster , sie schloß die Augen und dachte nach . Sie war wohl müde von der gestrigen Nacht . Ein leises traumhaftes Dämmern kam über sie , sie sah sich mit seinem Kinde auf dem Arme und fühlte seinen Dankeskuß auf der Hand und sie lächelte im Schlaf . Dann schreckte sie empor , und ein Grauen schlich durch ihren Körper . Sie sah in die Augen der Herzogin , die mit einem unheimlich forschenden Ausdruck auf sie gerichtet waren , so seltsam starr ! » Elisabeth « , fragte sie unter leisem Frösteln , » kannst du nicht schlafen ? « » Nein ! « war die kurze Antwort . » Soll ich dir vorlesen ? « » Nein , ich danke ! « » Willst du plaudern ? Soll ich dir das Kopfkissen zurechtlegen ? « » Gib mir die Hand , Klaudine . War ich sehr unleidlich heute ? « » Ach , Elisabeth , das kannst du gar nicht sein ! « rief das Mädchen und kniete neben ihr . » Doch , doch ! Ich fühle es . Aber dann – dann ist mein Herz krank und du mußt verzeihen . « » Sag , Elisabeth , geschah dir ein Weh ? « » Nein . Ich dachte nur ans Sterben , Klaudine . « » Oh denke das doch nicht ! « » Du weißt ja , Klaudine , daß wider die Liebe und den Tod kein Kraut gewachsen ist ! Ich glaube , ich fürchte auch nicht den Tod , ich habe eher Angst vor dem Weiterleben . « » Du bist überaus angegriffen , Elisabeth ! « » Ja , ja , und ich bin so müde . Du sollst auch schlafen , es ist besser , ich bleibe allein , bitte , geh ! Die Kammerfrau wacht nebenan . Geh ! Ich muß dich immer ansehen , wenn du hier sitzest . « Klaudine beugte sich betrübt über die fieberheiße Hand und zog sich zurück . Gegen Mitternacht schlich sie sich im Nachtkleide nach dem Krankenzimmer