mir stand , fragte sie : › Wie sehen Sie denn aus , Fräulein ? Sie bebbern ja man so . ‹ » Da hielt ich mich nicht länger und begann zu weinen , wie ein kleines Kind , unbändig , trostlos . Und in diesem Augenblick kamen die Eltern wieder . » Sie umstanden mich mit ängstlichen Gesichtern , versorgt und vergrämt , denn ich merkte es ihnen an , sie hatten in der Stadt nichts ausgerichtet . Und nun mein unverständliches Wesen obenein ! – Da hielt ich mich denn nicht länger und spielte meinen Trumpf aus : › Ich habe mich mit Bodenstedt nun doch verlobt , Mutter , ich glaube , ich habe ihn doch recht gern – und – ‹ » Meine Mutter sah förmlich erschrocken aus , aber mein Vater – nie habe ich über eines Menschen bleiches Gesicht so die Freude aufgehen sehen . Und das allein hielt mich aufrecht in der schweren Zeit meiner Brautschaft . Die Vorbereitungen zur 294 Hochzeit flößten mir anfangs ein Grauen ein , später ließ ich alles beinahe apathisch geschehen . Die Eltern wünschten rasche Heirat , sie hatten sich ein bescheidenes Quartier am Ende des Dorfes gemietet mit der Aussicht auf die Berge und den Wald . Mein Bräutigam hatte das Haus gekauft inmitten des Ortes , in dem wir heute waren . Es war wünschenswert , daß die kleine Feier noch in den größeren Rentmeisterräumen stattfand , und so sollte Mitte März die Trauung sein . Es kam auch alles ganz programmmäßig , ich hatte sogar zwei Brautjungfern . Pastors Cäcilchen hatte mir großmütig vergeben , daß ich dem Doktor besser gefiel als sie , und dann meine junge Schwägerin , eure Tante Minna , die damals ein reizendes junges Mädchen war . » Der Herr Pastor hielt eine schöne Rede , in der von wahrer , tiefer Liebe die Rede war , so daß ich im Gefühl meines störrischen Herzens zu zittern begann , als sei ich ein ganz verworfenes Geschöpf . Ich sagte mir nur immer zum Troste , er weiß es ja , ich habe ihm nichts geheuchelt , ich will ihn ja lieben lernen , ich spreche also keine Lüge , wenn ich Ja sage und gelobe , daß uns nur der Tod scheiden solle , daß ich ihm treu sein werde . » Nun folgte das festliche Essen , das gar sehr einfach war , und dann führte mein junger Mann mich heim . » Ich erzählte euch schon , daß er fortgeholt wurde und erst am Morgen wiederkam , wo er mich mit verweinten Augen fand . » Ich bin auch nicht froher geworden in der nächsten Zeit , und nur die Wahrnehmung , daß meine lieben Eltern ruhiger geworden waren , hielt mich aufrecht . Ihre Sorgenlast war durch meine Verheiratung weniger schwer geworden , und mein Mann verschaffte ihnen auch in der zartesten Weise , ohne daß der Vater etwas davon merkte , alle möglichen Erleichterungen . » Als aber der Juni kam und ich eines Tages von Cäcilie erfuhr , der Baron sei wiedergekommen , da stand es schlimm mit mir . » Eine sonderbare Unruhe hielt mich in ihrem Bann . Ich irrte 295 in meinem kleinen Hause umher wie eine arme Seele , welche die rechte Bahn verlor und sich nicht heim finden kann . » Als ich dann zu meinem Schrecken noch bemerkte , daß der Baron zuweilen an unserem Hause vorbeischritt und das Fenster musterte , an dem ich hinter Blumenstöcken und Gardinen versteckt zu nähen und zu lesen pflegte , zog ich die Rouleaus nicht mehr auf in diesem Zimmer und hielt mich in der Stube meines Mannes auf . » Und doch geschah nichts von seiner Seite , keine auch noch so kleine Annäherung . Es war nur mein eigenes Herz , das ich fürchtete , das sich nicht abweisen ließ mit seiner Behauptung : Er liebt dich noch ebenso , er trauert um dich , er kann dich nie vergessen , so wenig wie du ihn . » Euer Vater fuhr damals fast jeden Nachmittag auf Praxis und kam erst Abends heim , oft sogar erst spät in der Nacht . Er wurde geholt bis in die höchsten Gebirgsdörfer . » Zuweilen bat ich die Mutter , mich während solchen langen Alleinseins zu besuchen , oder ging zu den Eltern . Mitunter lud ich auch Pastors Cäcilie ein , die ganz die alte war , seitdem sie ein neues Interesse hegte , das dem unverheirateten Nachfolger meines Vaters galt . Sie saß häkelnd und schwatzend neben mir , und ich war , ohne daß ich mich sehr beteiligte an dem Gespräch , schon beruhigt , daß ich einen Menschen neben mir hatte , der von meinen Seelenkämpfen nichts ahnte . » An einem entsetzlich schwülen Junitage , an dem mein Mann nach Priesenrode gefahren war , am zeitigen Nachmittag , schickte ich nach Tisch das Mädchen in die Pfarre und ließ Cäcilie zu mir bitten . Eine Unruhe , viel größer noch als sonst , war über mich gekommen . » Sie erschien denn auch bald in einem rosa Kleide und in strahlender Laune , eine Rose im Gürtel , bereit , sich über alles und nichts mit mir zu unterhalten . Da es unmöglich war , bei der sengenden Glut im Garten zu sitzen , zogen wir uns in mein Zimmer zurück , in dem ich es durch geschlossene Läden einigermaßen kühl gehalten hatte , und dort saßen wir uns gegenüger und tranken Kaffee und Cäcilie schwatzte von dem neuen 296 Rentmeister . Sie vertraute mir sogar an , daß sie mit ihm ein Stelldichein an dem Pförtchen in der Parkmauer gehabt habe und daß Robert , sie nannte ihn schon beim Vornamen , ihr erzählt habe , wie sehr ausgezeichnet er sich mit seinem Herrn , dem Baron , stehe . Der sage eigentlich zu allem , was er verlange , ja . Der Baron brüte so