ich dich sogar in den Wald fahren , und dort wollen wir den ganzen Tag zusammenbleiben . Das Kind nickte befriedigt . Als Heinz die Schelle zog , die das Mädchen herbeirufen sollte , fiel sein Blick auf die Uhr , er erschrak – halb elf Uhr vorüber ! Grellerts Kartellträger hätte längst da sein müssen . „ Ist niemand hier gewesen , der nach mir fragte ? “ forschte er das Mädchen aus . „ Niemand , Herr Schloßhauptmann . Soll ich das Frühstück für Herrn Schloßhauptmann auch hierher bringen ? “ „ Nein “ , ich gehe hinüber . Bedienen Sie Heini heute ! “ „ Gnä Frau sind aber nicht zu Hause . „ Meine Frau ? Wo – “ „ Wir haben gnä Frau schon überall gesucht , und Frau von Gruber schickte schon um acht Uhr nach oben ; sie ist kränker geworden , aber gnä Frau war nirgends zu finden . Er war mit ein paar Schritten durch das Nebenzimmer geeilt und hatte die Thüre nach dem Salon aufgerissen . Die ganze Schwüle des gestrigen Tages , gemischt mit dem Geruch , der aus Blumenvasen quillt , die nicht täglich mit frischem Wasser gefüllt wurden , schlug ihm entgegen . Er durchmaß auch dieses Zimmer , gelangte von dort in die Eßstube und musterte den unberührten Frühstückstisch , und dann trat er in Tonis Schlafzimmer . Das Bett war unberührt ; in der roten Ampel unter dem Plafond brannte trübe ein Oellämpchen , dem Verlöschen nahe . Vor dem Toilettentisch lagen einzelne zusammengeknüllte Papierballen , die Schübe waren aufgezogen und in demjenigen , welchem die junge Frau ihren Schmuck anzuvertrauen pflegte , steckte der Sicherheitsschlüssel . Er trat näher und öffnete : die roten Juchtenetuis mit dem Namenszug der Besitzerin und der siebenzackigen Krone darüber waren verschwunden , statt dessen lag ein Brief da , an ihn adressiert . Mit der flüchtigen charakterlosen Schrift Tonis war geschrieben : „ Du wirst zugeben , daß es ein Blödsinn wäre , wenn Ihr Euch duelliertet . Ich habe daher Grellert gebeten , mit mir heute bereits abzureisen ; in einigen Wochen wäre es ohnehin geschehen , denn so konnte ich nicht weiterleben ! Grellerts Onkel ist ein sehr reicher Mann , wir gehen zu ihm nach New York . Er hat keine Kinder und seinen Neffen schon seit längerer Zeit inständig gebeten , herüberzukommen . – Für uns ist gesorgt , und Dir ist auch geholfen . Du bist frei . Ich scheide mit dem beruhigenden Bewußtsein , daß weder Du noch Heini mich vermissen werden . Nach gewisser Zeit werden wir geschieden sein , und dann wirst Du vielleicht auch noch glücklich – ich gönne es Dir . So leb ’ wohl , der Vorhang ist gefallen , das Trauerspiel unserer Ehe zu Ende . Daß es ein wenig plötzlich schloß , ist Schuld des Zufalls , der Dich gestern in den Park führte . Mache keine Thorheiten und versuche nicht , den Vorhang wieder aufzuziehen , dies meine letzte Bitte . Toni . “ Mit dem Briefe in der Hand trat er eine Stunde später an das Bett der alten pensionierten Hofdame . Sie lag mit starren Augen und hochroten Wangen und wand das spitzenbesetzte Tüchlein in den mageren Händen . „ Ach Heinz , Heinz , “ stotterte sie , „ ich hätte dich früher warnen sollen ! Ich hab ’ s ja schon längere Zeit gemerkt , aber man will doch so ungern zwischen Eheleute reden . “ „ Beruhige dich nur , Tante , “ sagte er beschwichtigend . „ Ich bitte dich , Heinz – was hast du unternommen ? Hast du telegraphiert ? Sie muß doch wiederkommen , und du mußt dich mit ihm schlagen ! “ „ Ein fahnenflüchtiger Offizier ist nicht mehr satisfaktionsfähig , “ sagte er hart , „ und ein davongelaufenes Weib nehme ich nicht wieder . “ „ Du bist verrückt , Heinz – so urteilt der Spießbürger , aber kein Edelmann ! Du mußt ihn fordern ! “ „ Nein – er mich ! “ Ich nannte ihn einen Schurken , als solcher geht er nun hinüber . – Es fällt mir nicht ein , einen trojanischen Krieg anzufangen um diese Frau , ich wünsche glückliche Fahrt ! “ „ Man wird alle Schuld auf dich wälzen ! “ schrie sie , „ man wird ’ sagen – “ „ Mögen sie ! Was geht übrigens die Menschen an , ob dem Kerkow die Frau davonläuft ? “ fuhr er bitter fort . „ Es wird schließlich ein jeder begreiflich finden – der Kerl ist ja halb verdreht , nächstens reif für das Irrenhaus ! Ein Teil menschenscheuer noch , ein Teil empfindlicher und mutloser wird er wohl noch werden , und wenn das Kind die Augen zuthut – dann – “ er hatte sehr leise gesprochen – „ Na , aber bis dahin hält man es aus , muß es aushalten . Guten Morgen , Tante ! “ Sie sah ihm nach mit großen angstvollen Augen , wie er in der Thür verschwand , ein Mann , ohne einen Funken Energie , zu nichts mehr fähig ! „ Meine Frau ist auf mehrere Woche verreist , “ sagte Heinz Kerkow zu den Dienstleuten . Um Mittag kam eine Depesche vom Regiment an Lieutenant [ 226 ] Grellert , mit dreitägiger Urlaubsbewilligung nach Bremen . Der Unteroffizier meldete es dem Herrn Schloßhauptmann , und auch , daß er vorläufig das Kommando übernommen habe . Heinz nickte stumm – was ging ihn die Reise des Lieutenant Grellert an , was das düpierte Regiment ! Als Heini nach Tische schlief , verschloß er selbst die Läden und die Thüren der Zimmer , die Toni bewohnt hatte , und legte die Schlüssel in seinen Schreibtisch , dann saß er am Fenster und schaute über die kleine Stadt hinweg , die noch nichts ahnte von dem neuen prächtigen Klatschstoff . Welche Lust ! Er sah sie bereits