die ersten , schlimmsten Tage vorüber sind . « - - - Er machte ein verbindliches Gesicht . Pause . » Hat das Verhör lange gedauert , Herr Laponder ? « Er lächelte zerstreut : » Nein . Ich wurde bloß gefragt , ob ich geständig sei , und mußte das Protokoll unterschreiben . « » Sie haben unterschrieben , daß Sie geständig sind ? « fuhr es mir heraus . » Allerdings . « Er sagte es , als ob es sich von selbst verstünde . Es kann nichts Schlimmes sein , legte ich mir zurecht , weil er so gar keine Aufregung zeigt . Wahrscheinlich eine Herausforderung zum Duell oder etwas Ähnliches . » Ich bin leider schon so lange hier , daß es mir wie ein Menschenleben vorkommt ; « - ich seufzte unwillkürlich , und er machte sofort eine teilnehmende Miene . » Ich wünsche Ihnen , daß Sie das nicht mitzumachen brauchen , Herr Laponder . Nach allem , was ich sehe , werden Sie wohl bald wieder auf freiem Fuß sein . « » Wie man ' s nimmt « , antwortete er ruhig , aber es klang wie ein versteckter Doppelsinn . » Sie glauben nicht ? « , fragte ich lächelnd . Er schüttelte den Kopf . » Wie soll ich das verstehen ? - Was haben Sie denn gar so Schreckliches begangen ? Verzeihen Sie , Herr Laponder , es ist nicht Neugierde von mir , - lediglich Teilnahme , daß ich frage . « Er zögerte einen Augenblick , dann sagte er , ohne mit der Wimper zu zucken : » Lustmord . « Mir war , als hätte er mich mit einem Stock über den Kopf geschlagen . Vor Abscheu und Grausen konnte ich keinen Ton herausbringen . Er schien es zu bemerken und blickte diskret zur Seite , aber nicht das leiseste Mienenspiel in seinem automatenhaft lächelnden Gesicht verriet , daß er über mein plötzlich verändertes Benehmen verletzt gewesen wäre . Wir wechselten kein Wort weiter und blickten stumm aneinander vorbei . - - - Als ich mich nach Einbruch der Dunkelheit niederlegte , folgte er sogleich meinem Beispiel , entkleidete sich , hängte sorgsam seine Kleider an den Wandnagel , streckte sich aus und schien , nach seinen ruhigen , tiefen Atemzügen zu schließen , unmittelbar darauf fest eingeschlafen zu sein . Die ganze Nacht konnte ich nicht zur Ruhe kommen . Das beständige Gefühl , ein solches Scheusal in meiner nächsten Nähe zu haben und dieselbe Luft mit ihm atmen zu müssen , war mir so gräßlich und aufregend , daß die Eindrücke des Tages , Charouseks Brief und all das erlebte Neue tief in den Hintergrund traten . Ich hatte mich so gelegt , daß ich den Mörder beständig im Auge behielt , denn ich würde es nicht haben ertragen können , ihn hinter mir zu wissen . Die Zelle war vom Schimmer des Mondes matt durchdämmert , und ich konnte sehen , daß Laponder regungslos , fast starr , dalag . Seine Züge hatten etwas Leichenhaftes bekommen , und der halbgeöffnete Mund erhöhte diesen Eindruck . Viele Stunden hindurch änderte er nicht ein einziges Mal seine Lage . Erst spät nach Mitternacht , als ein dünner Mondstrahl auf sein Gesicht fiel , kam eine leise Unruhe über ihn und er bewegte unaufhörlich die Lippen , wie jemand , der im Schlaf spricht . Es schien immer dasselbe Wort zu sein , - ein zweisilbiger Satz vielleicht , - so wie : » Laß mich . Laß mich , Laß mich . « - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Die nächsten paar Tage vergingen , ohne daß ich Notiz von ihm genommen hätte , und auch er brach niemals das Schweigen . Sein Benehmen blieb nach wie vor gleich liebenswürdig . So oft ich auf und ab gehen wollte , sah er es mir sofort an und zog höflich , wenn er auf der Pritsche saß , die Füße zurück , um mir nicht im Wege zu sein . Ich fing an , mir Vorwürfe wegen meiner Schroffheit zu machen , konnte aber den Abscheu vor ihm beim besten Willen nicht loswerden . So sehr ich gehofft hatte , mich an seine Nähe gewöhnen zu können , - es ging nicht . Selbst in den Nächten hielt es mich wach . Kaum eine Viertelstunde verbrachte ich im Schlaf . Abend für Abend wiederholte sich haargenau derselbe Vorgang : Er wartete respektvoll , bis ich mich ausstreckte , zog dann seine Kleider aus , legte sie pedantisch in Falten , hängte sie auf , und so weiter und so weiter . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Eines Nachts - es mochte um die zweite Stunde sein - stand ich schlaftrunken vor Müdigkeit wieder auf dem Wandbrett , starrte in den Vollmond , dessen Strahlen sich wie glitzerndes Öl auf dem kupfernen Gesicht der Turmuhr spiegelten , und dachte voll Trauer an Mirjam . Da hörte ich plötzlich leise ihre Stimme hinter mir . Sofort war ich wach , überwach , - fuhr herum und horchte . Eine Minute verging . Schon glaubte ich , ich hätte mich getäuscht , da kam es wieder . Ich konnte die Worte nicht genau verstehen , aber es klang wie : » Frag ' mich . Frag ' mich . « Es war bestimmt Mirjams Stimme . Schlotternd vor Aufregung stieg ich , so leise ich konnte , herab und trat an das Bett Laponders . Das Mondlicht schien voll auf sein Gesicht , und ich konnte deutlich unterscheiden , daß er die Lider offen hatte , doch nur das Weiße der Augäpfel war sichtbar . An der Starre der Wangenmuskeln sah ich , daß