Trude eilte zum Keller herein und rief : » Ach Gott , ach Gott - aus der Bodenkammer kommt der Soldat - andere haben ihn frei gemacht . « Da holte ich mit meiner Muskete zum Schlagen aus und traf den Soldaten , so bei mir stund , daß er lautlos zusammenbrach . Nun kam der Offizier wieder aus dem Gange heraus , ich aber schlug ihn nieder , bevor er sich aufgerichtet hatte . Und sofort flüchtete ich in den Gang . Gleich darauf erscholl Rufen und Waffenklirren im Keller , Fackelschein strahlte in den Gang , so daß ich meinen Schatten sah . Ein Schuß krachte . » Johannes ! « rief Thekla ängstlich . » Ich komme , « antwortete ich . » Schnell , schnell ! « rief sie - » daß du hierher um die Ecke biegst - da trifft dich keine Kugel . « Und es bog sich der Gang wie ein Knie , nach oben geräumig , so daß man sich aufrichten konnte . Hier stund Thekla hinter der Laterne , den Degen gezückt , ein Pistol in der Linken . » Verteidigen wir diese Stelle ! « sagte sie . Ich aber bedachte , ob man den engen Teil des Ganges nicht mit Steinen verrammeln könne . An der Decke fand ich das Gemäuer rissig und morsch , beschloß daher , es mit Pulver zu sprengen . Riß aus meiner Feldbinde einen Fetzen , schüttete reichlich Pulver darauf , legte ein Stück Lunte hinzu und wickelte alles dermaßen zusammen , daß es ein Päcklein bildete . Das zwängte ich tief in eine Mauerritze und stopfte Steine hinterdrein , jedoch so , daß die Lunte herausragte . » Fort ! « sprach ich zu Thekla und zündete das Ende der Lunte an . Wir liefen den Gang entlang . Auf einmal erscholl hinter uns ein furchtbar Krachen , und der Lufstoß hätte mich beinahe zu Boden geworfen . Die Laterne war erloschen . Rauch und Staub benahm mir den Odem . » Thekla , « stöhnte ich . Sie antwortete erst nach einer Pause : » Hier bin ich . « Nun holte ich das Feuerzeug aus meiner Tasche und zündete die Laterne wieder an . Wir gingen rückwärts und sahen , daß die Sprengung den Zugang mit Mauerstücken versperrt hatte . Lauschend vernahmen wir des Feindes Stimmen nur als ein verworren Gemurmel . Stumm blickten wir einander ins Angesicht . Thekla seufzete , und als ich ihre Hand ergriff , verspürete ich , wie sie zitterte . » Mein gnädig Fräulein ! « stammelte ich . Gemeinsam sanken wir auf die Knie , und mir war , als halte ich die Vaterhand umklammert , die so gütig und so stark aus Feindesnot erretten kann . Nach ihrem Gebete schaute Thekla auf , als erwache sie vom Traume , sie starrte auf die Trümmer , so den Gang verschüttet hatten , sah mich hierauf an mit stummer Frage . » Ein Zurück gibt es nicht mehr , « antwortete ich - » und ob das Vorwärts zur Rettung führt , steht bei demselben Gotte , der uns zu dieser Stunde so wunderbarlich geleitet . « Aufschluchzend umschlang Thekla meinen Hals und barg an meiner Brust ihr tränenvolles Antlitz . Ich legte den Arm um die bebende Gestalt . Wir fanden keine Worte . Mich deuchte , ich sei ein Nachtfalter und schwirre , vom Lichte trunken , um eines Engels lichtes Angesicht . Wie ich meinen Sinn gesammelt hatte , sprach ich : » O meine Thekla , liebe Thekla , warum nur ist die Ewigkeit so kurz ? « Da sie mich liebreich , doch fragend anschaute , meinte ich : » Wir waren in der Ewigkeit - und sind auf einmal wieder in der bangen Zeit . « Mit einem schweren Seufzer preßte sie meine Hand an ihren Busen , flüsternd : » Ach , hätte der treue Gott jetzo uns beide zu sich genommen ! « » Es ist wohl noch nicht so weit - Pilger sind wir , und wer weiß , wo unser Ziel . Komm , liebe Braut ! Ich bin bei dir , du bist bei mir . « Und meinen Arm um ihre Schultern gelegt , stützte und leitete ich sie . Bald hörte der Gang auf , eine sehr schmale Treppe von Stein führte aufwärts , bis sie von einem hölzernen Dache abgeschlossen ward , geformt als ein Sargdeckel . Ich drückte dawider , und es hub sich der Deckel . Ich ließ mir von Thekla die Laterne reichen und leuchtete in den aufgetanen Raum . Es war eine Gruft , darin etliche Särge stunden . Wir erkannten , daß wir unter der Johanniskirche waren . Die Tür , durch die ich eindrang , war ein Sarg inmitten der anderen - ein Sarg ohne Boden ; sein Deckel war der Verschluß unserer Treppe . Wir stiegen in die Gruft empor und taten den Sargdeckel hinter uns zu . Außer den Särgen befand sich in der Gruft ein Schrein , dessen Tür verschlossen war . Eine Leiter führte zur Decke , und hier mußte eine Falltür sein . Ich kletterte hinan und stemmte mich wider die eiserne Platte . Sie hub sich und klappte mit dumpfem Falle seitwärts . Wir stiegen in ein Gewölbe , das wohl ebenfalls unterirdisch war , da es keinerlei Fenster hatte . Nur eine Tür , mit Eisen beschlagen . Ich rüttelte daran , sie schien von außen mit einem Vorhängeschloß versperrt . Das Gewölbe enthielt Truhen und Schreine , sowie etliche Fässer . Ich ward nun inne , daß wir in einer Gerätekammer der Kirche waren , wohin ich als Knabe meinen Vater einmal begleitet hatte . Tat eine Truhe auf und fand eine Altardecke von schwarzem Sammet . » Kirchengerät ! « sprach ich . » Vor den Plünderern hat man ' s geborgen . Hier muß ein guter Versteck sein . « Auch die Truhen waren mit