, plauderten sie von den Nachrichten , die heute gekommen waren . Und zum ersten Male stieg eine leichte Sorge in ihnen auf , bei dem Gedanken , daß sie nun aus der freundlichen Geborgenheit der Fremde so bald wieder nach Hause sollten , wo selbst der Alltag von geheimen Fährlichkeiten erfüllt schien . Sie setzten sich unter die Platane an den weiß lackierten Tisch . Wie mit Absicht war dieser Platz immer für sie freigehalten . Nur gestern Nachmittag war der neu angekommene österreichische Herr dagesessen , hatte sich aber , durch einen mißbilligenden Blick Annas fortgewiesen , mit höflichem Gruß entfernt . Georg eilte aufs Zimmer und holte für Anna ein paar Bücher , für sich einen Band von Goethe-Gedichten und das Manuskript seines Quintetts . Nun saßen sie beide da , lasen , arbeiteten , sahen zuweilen auf , lächelten einander an , sprachen ein paar Worte , guckten wieder ins Buch , blickten über die Balustrade ins Freie und fühlten den Frieden in ihren Seelen und den Sommer in der Luft . Sie hörten , wie der Springbrunnen hinter dem Busch ganz nahe rauschte und dünne Tropfen auf den Wasserspiegel fielen . Manchmal knarrten die Räder eines Wagens jenseits der hohen Mauer , zuweilen tönten vom See her dünne , ferne Pfiffe , seltener noch klangen Menschenstimmen von der Uferstraße in den Garten herein . Von Sonne vollgetrunken drückte der Tag auf die Wipfel . Später , mit dem leisen Wind , der jeden Nachmittag vom See her wehte , verstärkten und mehrten sich Laute und Stimmen . Die Wellen schlugen hörbar an den Strand , Rufe der Schiffer tönten herauf , jenseits der Mauer klang Gesang junger Leute . Vom Springbrunnen sprühten winzige Tröpfchen her . Der Hauch des nahen Abends weckte Menschen , Land und Wasser wieder auf . Schritte tönten auf dem Kies . Therese , schlank und weiß , kam rasch die Allee gegangen . Georg stand auf , ging ihr ein paar Schritte entgegen , reichte ihr die Hand . Auch Anna wollte sich erheben , Therese ließ es nicht zu , umarmte sie , gab ihr einen Kuß auf die Wange und setzte sich zu ihr . » Wie schön ist es da ! « rief sie aus . » Aber bin ich euch nicht zu früh gekommen ? « » Was fällt dir ein , ich freu mich ja so « , erwiderte Anna . Therese betrachtete sie mit prüfendem Lächeln und ergriff ihre beiden Hände . » Na , dein Aussehen ist beruhigend « , sagte sie . » Es geht mir auch sehr gut « , erwiderte Anna . » Und dir wie es scheint nicht minder « , setzte sie mit freundlichem Spott hinzu . Georgs Augen ruhten auf Therese , die wieder ganz weiß wie morgens , diesmal noch eleganter , in englisches gesticktes Leinen gekleidet war und um den freien Hals eine Schnur aus lichtrosa Korallen trug . Während die beiden Frauen über den sonderbaren Zufall ihres Wiedersehens sprachen , erhob sich Georg , um Aufträge für das Diner zu erteilen . Als er in den Garten wiederkehrte , waren die beiden andern nicht mehr da . Er sah Therese auf dem Balkon , den Rücken an das Geländer gelehnt , mit Anna reden , die unsichtbar , in der Tiefe des Zimmers weilen mochte . In guter Stimmung spazierte er in den Alleen hin und her , ließ Melodien in sich singen , fühlte seine Jugend und sein Glück , warf zuweilen einen Blick auf den Balkon oder über die Balustrade auf die Straße und sah endlich Demeter Stanzides herankommen . Er ging ihm entgegen . » Seien Sie willkommen « , begrüßte er ihn am Gartentor . » Die Damen sind oben auf dem Zimmer , werden aber bald erscheinen . Wollen Sie sich indessen ein bißchen den Park ansehen ? « » Gern . « Sie spazierten miteinander weiter . » Haben Sie die Absicht , länger in Lugano zu bleiben ? « fragte Georg . » Nein , wir fahren morgen nach Bellaggio , von dort an den Lago Maggiore , Isola bella . Die ganze Herrlichkeit dauert ja nimmer lang . In vierzehn Tagen müssen wir wieder zu Hause sein . « » So kurzen Urlaub ? « » Ach , es ist nicht meinetwegen . Aber Therese muß zurück . Ich bin ein ganz freier Mann . Ich hab schon meinen Abschied im Sack . « » Sie wollen sich also ernstlich auf Ihr Gut zurückziehen ? « » Mein Gut ? « » Ja , ich hab so was gehört , bei Ehrenbergs . « » Aber ich hab doch das Gut noch gar nicht . Steh allerdings in Unterhandlungen . « » Und wo werden Sie sich ankaufen , wenn ich fragen darf ? « » Wo sich die Füchs ' gute Nacht sagen . Es wird Ihnen wenigstens so vorkommen . An der ungarisch-kroatischen Grenze . Ziemlich einsam und entlegen , aber sehr merkwürdig . Ich hab eine gewisse Sympathie für die Gegend . Jugenderinnerungen . Drei Leutnantsjahre . Offenbar bild ich mir ein , ich werde dort wieder jung werden . Na , wer weiß . « » Eine schöne Besitzung ? « » Nicht übel . Vor zwei Monaten hab ich sie mir wieder angesehen . Hab sie nämlich schon aus früherer Zeit gekannt . Dem Grafen Jaczewicz hat sie gehört dazumal . Zuletzt einem Fabrikanten . Dem ist seine Frau gestorben . Jetzt fühlt er sich einsam da unten und will ' s los werden . « » Ich weiß nicht « , sagte Georg , » aber ich stell mir die Gegend ein bissel melancholisch vor . « » Melancholisch ? Na , mir scheint , in einer gewissen Lebensepoche kriegt jede Gegend ein melancholisches Ansehen . « Und er blickte rings um sich , wie um sich einen neuen Beweis von der Wahrheit seiner Worte zu verschaffen . » In