daß Johanna das Blut glühen fühlte , wenn sie den arglosen Einhart mit Poncet zusammen sah . Poncet kam jetzt auch , wenn Einhart nicht daheim war . Man besprach sich heimlich und traf sich heimlich . Poncets Liebe war hart . Seine Illusionen waren flüchtig . Es griff das Gerippe des matten Unglaubens gar zu hart durch das weiche Fleisch seiner Begehrung . Er hatte es oft in den Fingern zucken wie herrische , böse Laune , sobald die Phantasmagorie , die sein Begehren geweckt , in der Erfüllung untergesunken . Aber je jäher die Härte seines Wesens und seiner Enttäuschung aufquoll , desto jäher und süchtiger wurde ihm Johannas Wesen Untertan . Die Liebe Einharts war eine zärtliche , sanfte , frische Weise . Grade in Einharts Wesen lag Liebe und Begehren wie Heiterkeit . Auch im Rausche der Sinne spielten die Genien um das Lager zweier Liebenden . Jetzt in den Wintermonaten in den heimlichen Beziehungen zu Poncet gewann Johanna einen Zug fremder Schicksalshärte in ihren Blick . Einhart begann ihre Seele langsam durch zu schauen . Zuerst hatte er Johanna noch in arglosem Scherz mit einem Satan im Hintergrunde gemalt . Und auch , daß er sie als eine junge Hexe im Morgengrauen fortgeführt , hatte seine Seele noch ganz ohne Wissen , gleichsam im Traumspiel vorweg getan . Johanna verwahrte sich gleich dagegen . Sie fand die Bilder abscheulich . Sie hing sich an ihn und weinte einmal , und mochte gar nicht sprechen . Sie war sich heimlich wie erraten vorgekommen . Obwohl Einhart ganz und gar nichts wissen konnte . Denn alles war noch immer völlig geheim gewesen , was Poncet betraf . Aber diese feinen , schauenden Wesen , die das Denken gar nicht brauchen , um die treibenden , Mächte auszuspüren ! Einharts beginnende Wissenschaft scheute gleich vor allem offenen Ausdruck zurück . Wie er zu erkennen begann , bekam er auch nur seltsame Linien der Vernichtung in seine gelbgrauen , hageren Backen . Und der Blick seines Auges glomm in Erstaunen . Johanna kam immer zu ihm mit Demut wie Liebe . Sie schien ihm manchmal , wie etwas abzubitten . Aber er hätte zuerst und noch lange seinem Mißtrauen keinen Raum in sich , nun gar Worte geben mögen . Auch zu Poncet blieb er immer gleich freundlich . Daß der ganze Winter ungestört hinging . Erst einmal gegen den Frühling kam es zu einem wirklichen Erschrecken . Daß die Gewißheit Einhart gleich wie eine Kralle anfaßte . Johanna war schon in sonderlicher , verschleiernder , erregter Demut und in nicht weniger flatternder Frühlingspracht mit irgend einer sehr plausiblen Absicht , Einkäufe oder dergleichen zu tun , ausgegangen . Sie war , den Hut frischer Springen von goldenen Stäbchen gehalten über breiten Dunkelscheiteln , zu Einhart getreten mit zärtlichem Auge , das nur ein wenig noch unsicher nebenher sich zu schaffen gemacht , und hatte dann in einer innigen Anwandlung Einhart plötzlich leidenschaftlich auf den Mund geküßt , was sie aus freien Stücken noch nie getan . Einhart durchfuhr es gleich sonderbar . Aber er hatte , versunken in die Pinselstriche für die große Tafel , die er für das Speisezimmer der Gräfin Schleh eben vollendete , die Sache doch noch einmal vergessen . Da war der Abend herangekommen , wo sich Johanna noch immer nicht einfand . Und auch Poncet , der um diese Zeit gewöhnlich kam , war ausgeblieben . Einhart lebte es plötzlich sicher und mit dem ganzen Wesen , was sich jetzt im Grunde der Seelen zugetragen . Jetzt zum ersten Male schoß auch Entschluß und Wille auf . Er hatte sich im Dämmer in seinen Gesellschaftsrock geworfen und hatte die klare Absicht , in eine fremde Gesellschaft zu gehen . Da kam Poncet , bleich , offensichtlich verlegen , erregt die Treppe empor und trat ein . Einhart war stumm und scheu . Poncet redete zuerst auch nicht . Er wagte auch nicht , nach Johanna zu fragen . Wie er es doch tat , nachdem er sich das große Bild Einharts lange stumm angesehen , gab Einhart eine harte Antwort . » Du wirst es besser wissen , als ich ! « sagte er nur , während er sich an dem einsamen Lichte seine Zigarette anglomm , ehe er das Licht rücksichtslos löschte . Es war eine sehr peinliche Pause , die Einhart und Poncet , beiden gleich , einen heißen Schmerz im Blute zum Aufbrennen brachte . Sie waren dann schweigend die Treppe hinuntergegangen , weil Einhart gewissermaßen sich ganz ohne Anwesenheit Poncets zu fühlen schien und seinem Vorhaben wie allein nachging . Einhart wollte um keinen Preis , daß jetzt noch gar Johanna dazu sich fände . So schritten sie stumm nebeneinander einige Straßen lang , bis Einhart mit flüchtigem Gruß in das Treppenhaus der Gräfin Schleh verschwand . Er wünschte jetzt durchaus nur mit dem Rauch einer feinen Zigarette und dem sanften Geplauder der alten , feinsinnigen , gütigen Frau am Kaminfeuer eine Stunde lang sich aus den Trümmern seiner zerbrochenen Zutraulichkeit zu sich zu finden . Wie er dann heimkam um Mitternacht , lag Johanna schon im Bett . Sie wagte nicht , ihre Augen aufzutun . Tat nur , als wenn sie fest eingeschlafen und sah scheu und zärtlich durch die blinzelnden Lider zu Einhart hin , der , die kleine Kerze in der Hand haltend , im Zimmer sich noch eine Weile zu tun machte . Einhart schien ein wenig eingesunken fast . Demütig ging dann und wann ein Lächeln aus seinen beglänzten Blicken . Einhart konnte noch immer lächeln , wenn er nagende Schmerzen hatte . Und auch wenn er sich recht aus der Tiefe selber sonderbar dünkte . 13 Johanna erwachte spät . Einhart stand bereits vor der Staffelei und malte versunken und mit einem Blick voll demütiger Tiefe . Johanna erkannte an allem , daß seit gestern eine völlige Verwandlung mit ihm vorgegangen . Sie hatte das Feingefühl , was aus der stummen Geste