Ihren Namen auf irgend einen Zettel , den man Ihnen geben wird , und können ihn wiederbekommen , so bald oder so spät es Ihnen gefällt . « Sie wendete sich ihm zu und sah ihm stumm in das gütig lächelnde Angesicht . In ihrem glücklichen Erstaunen fand sie keine Worte . Nun sie der Stelle , an der ich mich befand , den Rücken nicht mehr zukehrte , sah sie auch mich . Sie erkannte mich natürlich sofort , doch war die Wirkung eine ganz andere , als ich wohl hätte vermuten dürfen . Der plötzliche Uebergang von der schwersten Sorge zu der Erkenntnis , daß sie nun geborgen sei , hob die übermäßige Anspannung ihrer Nerven aus ; die Kräfte verließen sie . Sie ließ einen lauten Schrei erklingen , schloß die Augen , streckte die Arme aus , um nach einem Halt zu suchen , und wäre hingestürzt , wenn Raffley sie nicht gestützt hätte . Ich sprang hinzu . Sie war ohnmächtig geworden . Da eilte der Disponent hinaus und kam nach noch nicht einer Minute mit einigen Malajinnen zurück , welche Mary auf eine leichte Bambusbank betteten und diese mit ihr hinaustrugen . » Kannte Euch die Dame , Charley ? « fragte mich Raffley , ohne sich um die Aufregung zu bekümmern , in welcher sich sämtliche Bankbeamten befanden . » Fast schien es so ! « » Ja , wir kennen uns , « antwortete ich . » Kommt her ; ich muß Euch das erklären ! « Ich führte ihn in das nebenan liegende Wartezimmer , in welchem sich grad jetzt Niemand befand , und klärte ihn so auf , wie die uns nur kurz zugemessene Zeit es mir erlaubte . Ich sagte ihm natürlich auch , daß ich Wallers unter einem andern Namen bekannt geworden sei , und bat ihn , mich ja nicht bei dem richtigen zu nennen . » Well ! Das verleiht Euch einen Anflug von Romantik , den ich Euch nicht rauben werde , « lächelte er . » Ihr seid ja , ein Sihdi welcher Gedichte macht , und solche Leute soll man - - - « » Halt ! « unterbrach ich ihn . » Grad daß ich mich auch mit Gedichten befasse , dürfen Wallers am wenigsten erraten . Ich bitte also , besonders auch hierüber zu schweigen ! Den Grund dazu werde ich Euch mitteilen , sobald wir Zeit dazu haben . Ich glaube , man verlangt jetzt nach uns . « Ich sah eine der Malajinnen kommen , welche uns mitteilte , daß die fremde Njonja34 wieder zu sich gekommen sei und bitte , mit uns sprechen zu dürfen . Sie führte uns nach einer gegen den Hof liegenden Veranda , wo Mary , auf einem bequem ausgezogenen Sessel ruhend , uns erwartete . Ich darf mir wohl erlauben , über die erste Viertelstunde dieses Zusammenseins hinwegzugehen . Sie war der Freude des Wiedersehens und unseren Bemühungen gewidmet , Mary zu beruhigen und sie zu überzeugen , daß für sie und ihren Vater alles nur denkbar Mögliche geschehen werde . Hierauf hielt sie es für Pflicht , zu erzählen , was mit ihr und ihm geschehen war . Raffley aber bat sie in seiner mir so wohl bekannten , rücksichtsvollen Weise , sich zu schonen und uns einstweilen nur zu sagen , wo ihre Wohnung sei . Sie nannte unser eigenes Hotel , worauf er ihr , als sie sich stark genug dazu erklärte , einen Wagen bringen ließ und sie bat , uns nach meinem Zimmer melden zu lassen , wann sie sich ausgeruht habe . Als sie fortgefahren war , ließ er sich die von ihr gewünschte Summe auszahlen , worauf wir ihr per Rickschahs nachfolgten . Im Hotel angekommen , teilte ich dem Sejjid mit , daß Miß Mary Waller hier sei ; er möge sich unauffällig nach ihrem Zimmer erkundigen . » Die Miß aus Amerika ? « fragte er erfreut . » Die liebe ich ! Ich werde das sehr schnell erfahren . « Es dauerte allerdings nicht lange , bis er wiederkam . Sein Bericht lautete : » Sie ist heut in der Nacht zu Fuß und ganz allein vom Hafen hergekommen und hat sehr lange läuten müssen , ehe man ihr geöffnet hat . Sie ist sehr schwach und elend gewesen , hat weder gegessen noch getrunken , sondern sich gleich auf das Bett geworfen und vor Müdigkeit bis vor einer Stunde geschlafen . Dann ist sie in die Stadt gegangen und vor einigen Minuten in einem Wagen zurückgekehrt . Sie wohnt drüben im großen Hause und hat nach einem Arzte geschickt . An ihrer Zimmertür steht die Nummer Zwanzig . « » Gut ! Geh hin , und warte , bis der Arzt bei ihr gewesen ist ; dann bringst du ihn zu mir . Aber sie soll nichts davon wissen . « Ich vermutete , daß dieser Arzt einer von den beiden sei , welche ihren Vater behandelt und nach Atjeh geschickt hatten , und ich hatte Recht , denn als er kam , war er derselbe , den ich besucht hatte , um mich nach Wallers Krankheit zu erkundigen . Er war von Mary gerufen worden , um über den Zustand ihres Vaters , welcher sich in Atjeh verschlimmert hatte , gefragt zu werden , und wir wollten mit ihm sprechen , um , ohne die Tochter damit belästigen zu müssen , etwas über die gegenwärtige Lage des Vaters zu erfahren . Er konnte uns natürlich nur sagen , was er von ihr gehört hatte , und das war nichts Zusammenhängendes , nichts Ausführliches gewesen . Wallers waren zunächst nach Uleh-leh und von da hinauf nach Kota Radscha gefahren , wo ihnen der Gouverneur infolge eines Empfehlungsschreibens eine Wohnung im Kratong , der früheren Zitadelle der Eingeborenen , gegeben hatte . Da dort aber die militärische Besatzung der Holländer liegt , so hatte der Kranke dort die ihm so notwendige Stille und