gehörte , wenn er nur seine Schritte in diese Pfadlosigkeit lenken wollte ; dann überkam ihn eine heftige Angst vor ihr , die ihn körperlich peinigte . Einmal spielte er Schach mit ihr ; sie hatte einen Zug getan , der das Spiel gegen sie entschied , und als es schon zu spät war , wollte sie ihn zurücknehmen . Er antwortete , daß das gegen die Regel sei , da stand sie auf und sagte , nun wolle sie nicht zu Ende spielen . Wie er ihren Gesichtsausdruck sah , wurde ihm plötzlich bewußt : sie brauchte ihn nur ; und wie sie in diese Klarheit hinein noch sprach , daß er ihrem früheren Mann sehr ähnlich sei , da spitzte sich in ihm plötzlich ein starker Haß zu , und er empfand fast körperlich , wie sie einen selbstsüchtigen Willen auf ihn wirken ließ und durch den vieles aus ihm herausholte , was ihm gehörte , um es sich anzueignen und sich in roher Weise damit zu schmücken . Unter solchen Umständen gelangten sie zum Einverständnis . Und zwar geschah das scheinbar unvorbereitet , aber er hatte es vorhergefühlt . Sie stand von ihrem Stuhl auf , legte die Hände auf den Rücken und ging im Zimmer auf und ab wie ein Mann . Vorher hatte sie geraucht , und von dem Ende ihrer Zigarette im Aschenbecher stieg noch eine dünne Rauchsäule in die Höhe , die jedesmal in Verwirrung geriet , wenn sie in die Nähe kam . Sie begann damit , daß es doch nötig sei für sie beide , zu Klarheit zu kommen , und weil für sie selbst die Peinlichkeit des Anfangens geringer sei , so wolle sie beginnen ; denn in seiner Natur liege es , daß er endgültige Entschlüsse scheue . Und wie sie so sprach , arbeiteten in ihm Furcht und Scheu , und er sah unglückliche Zeiten voraus , und doch konnte er nicht aufspringen und ihr entgegentreten , denn sein Herz bebte in tiefer Sehnsucht zu ihr . Dämmerung sammelte sich in den Winkeln des Zimmers . Sie ging auf und ab , sprach stockend und langsam . Es fiel ihm ein , daß er einen Vorwand haben mußte , um das Gespräch abzubrechen , aber seine Angst fand keinen Vorwand , und sein Herz schlug ihr entgegen . Ihr Tonfall war fremdartig ; und es wurde ihm plötzlich klar , daß sich hier für einen Augenblick in ihr der Vorhang lüftete , durch den ihr eignes Innere sich vor ihr verbarg , und daß sie erschrak vor sich selbst ; hätte er ihr jetzt alles sagen können , was er wollte , seinen Haß , seine Liebe , seine Furcht und seine Verachtung , so hätte sie alles begriffen und hätte ihn ziehen lassen . Aber er brachte kein Wort über seine vertrockneten Lippen , und schämte sich für sie . And weil sie im Staube lag und sich selbst verachtete in dieser Minute , so sagte er , wider seinen Willen und tonlos : » Du hast recht , ich liebe dich über alles . « Wie diese Worte verhallt waren , sonderbar waren sie verhallt in dem dunkelnden Raume , und sein Herz krampfte sich zusammen , da war auch in ihr der Vorhang wieder zugezogen , und sie wußte nicht mehr , daß sie im Staube gelegen hatte . Karl aber fühlte sich vernichtet , daß er hätte mögen ohnmächtig werden . Sie kam zu ihm und legte ihm die Arme um den Hals ; und er mußte sie küssen ; das war eine Heuchelei , daß er sie küßte , und eine Qual war es für ihn . Sie wich seinem Kuß aus , scheu und befangen ; aber auch sie heuchelte ja , indem sie auswich , nur wußte er , daß ihr das keine Qual war . Sie hatte jetzt einen Menschen , der ihre Leiden tragen mußte , einen Feigling , der am Abgrund gestanden hatte und hinuntergesprungen war in die Tiefe , trotzdem er wußte , daß er unten zerschmettern würde , aber er sprang hinunter , weil etwas in ihm war , das ihn zwang , sich in dieses Verderben zu stürzen . Und siehe , jetzt lachte sie schon , mit jenem melodischen Lachen , das ihm so furchtbar war . Er hätte sie fassen mögen und weit von sich schleudern , aber er zog sie an sich und flüsterte Liebesworte . And an Luise dachte er und ihren ruhigen Blick , und wußte jetzt mit Klarheit , daß es nur seine Schwäche war , die sie fern von ihm gehalten . Denn ihre Seele hatte sich zu ihm geneigt und wollte ihm ihre sanfte Blüte erschließen . Es folgten die äußerlichen Dinge , Verlobung und Hochzeit , und die Aufmerksamkeit der Menschen , und inzwischen ging der seelische Kampf der beiden weiter , denn auf der einen Seite drang sie in ihn hinein als etwas Fremdes , suchte ihn auszufüllen und sich an Stelle seines Eigenen zu setzen , so daß er hätte mit ihren Augen sehen müssen und mit ihren Gedanken urteilen , und auf der andern Seite nahm sie räuberisch von ihm , paßte das Geraubte sich an , daß es ihr altes Eigentum schien und zeigte ihm das gelegentlich ganz unbefangen . Dann erkannte er mit Wut Stücke von sich in fremder Gefangenschaft , die er nicht befreien konnte . Doch er kam am Ende dazu , daß er sich gegen das erste mit einem Erfolg verteidigte , und zuletzt wieder allein in sich war ; aber gegen das zweite gab es für ihn keine Waffen . Indessen stellte sich da unerwartet eine Hilfe für ihn ein , denn je mehr er sich abschloß und sie aus sich entfernte , desto geringer schien ihre Kraft zum Rauben zu werden , wiewohl sie den Trieb dazu behielt . Dadurch kam sie in eine Enttäuschung , die sie jedoch nicht verstand , denn die Lage erschien