übt , ist Vielen unbegreiflich . « » Schwätzer ? « fragte ich . » Ja . Es genüge ein Beispiel : Tifl hatte die Perser , als der Bluträcher hier war , über die Grenze zu bringen . Da ist er den ganzen , weiten Weg zwischen dem Mirza und dem Multasim geritten und hat ihnen bereitwilligst Auskunft gegeben über alles , was sie wissen wollten . « » Von wem hast du das erfahren ? « » Von meinem Ruderer hier , welcher dabei gewesen ist . Kein Dschamiki hat mit diesen Leuten ein Wort gesprochen ; nur Tifl allein hielt keinen Augenblick den Mund . Doch damit sei es genug . Ich sehe , daß du aufbrechen willst , Effendi . « Ich war nämlich auch aufgestanden . » Ja ; ich muß heim , « sagte ich . » Aber ich möchte mich über den See rudern lassen . Willst du dich auf Assil setzen und ihn mir an die Landestelle bringen ? « » Wie gern ! « rief er aus . » Einmal deinen Rappen unter mir ; das war schon längst mein Wunsch ! Läßt er mich hinauf ? « » Wenn ich nichts dagegen habe , ja . « » So zögere ich keinen Augenblick . « Er schwang sich in den Sattel . Assil schnaubte verwundert , weigerte sich aber nicht , zu gehorchen . Als der Chodj-y-Dschuna ihn dann in hocheleganten Gängen davontänzeln ließ , sah ich , daß beide gar nicht übel zu einander paßten . Hierauf stieg ich in das Boot , und der Dschamiki legte sich in die Ruder . So kurz dieser unbeabsichtigte Ausflug gewesen war , ich hatte auf ihm außerordentlich Wichtiges erfahren . Meine Gedanken wollten sich ganz ausschließlich hiermit beschäftigen , und ich mußte mich zwingen , sie auf die Schönheit der Umgebung zu lenken , als wir uns auf der Mitte des Sees befanden . Ich sah jetzt zum ersten Male die westliche Seite des Thales grad vor mir liegen und alle ihre Linien auf zum Himmel streben . Nur allein der Fuß des Berges hatte sich nicht senkrecht , sondern quer gelagert , doch nicht vollständig wagerecht , sondern schief . Das erinnerte mich an die Struktur der Wände des Wadi Jahfufe , durch welches man im Antilibanon von Muallaka nach Damaskus reitet . Ich betone diese Art der Felsenlagerung besonders , weil sie mich zu einer Entdeckung führte , die ich sonst wohl schwerlich gemacht hätte . Als ich von hier , von der Mitte des Sees aus , nach dem Alabasterzelte emporschaute , fiel mir etwas auf , was ich von dem Rosentempel aus nicht bemerkt hatte . Das Zelt besaß nämlich die Gestalt einer Krone , deren durchbrochene Kuppel von acht weißschimmernden Flügeln auf dem Ringe getragen wurde . Es stand , wie ich sah , nicht auf dem höchsten Punkte des Berges . Sondern von diesem lief ein heller Felsenstreif , fast wie ein niederwärts gestreckter Arm geformt , bis zu der senkrecht abstürzenden Kante vor und bildete dort eine hand- oder faustförmige Verbreitung , auf welche das Zelt gesetzt worden war . Zu beiden Seiten dieses Felsenstreifens lag nur unfester Steingrus , nur lockeres Geröll . Es bedurfte keiner großen Phantasie , sich einen Wetterguß oder sonst eine Katastrophe zu denken , durch welche dieses lose Gestein in die Tiefe gespült oder gerissen wurde . Dann mußte der felsige Arm sich frei in die Lüfte dehnen , um auf gewaltiger Faust die Alabasterkrone über dem Thale herniederzustrecken . Das war nur so eine ganz flüchtige , schnell vorübergehende Idee , wie man sie hat , um dann lächelnd den Kopf darüber zu schütteln . Aber wie oft verdichtet sich scheinbar Flüchtiges zur festen Form , die uns belehrt , daß die Idee denn doch wohl etwas anderes ist , als nur eine schnell und spurlos zerplatzende Gedankenblase ! Je mehr wir uns dem Ufer näherten , desto mehr wurden meine Gedanken nach unten gezogen . Die schiefe Struktur des Felsens beschäftigte mich . Ich folgte mit dem Auge ganz unwillkürlich den auffallend regelmäßigen Linien dieser Lagerung . Es war mir interessant , zu sehen , mit welcher Neigungsgleichheit sie alle ohne Ausnahme verliefen . Ohne Ausnahme ? Nein ; doch nicht ! Ich bemerkte eine Stelle , wo dies doch nicht der Fall war . Grad da , wo der Berg am weitesten an den See herantrat , hörten die abwärts gesenkten Linien auf , nicht etwa , um anders zu verlaufen , sondern es gab überhaupt keine mehr . Diese Stelle war nicht groß , nicht breit , aber dicht bedeckt von wuchernden Rankengewächsen , welche von dem Humusboden des Ufers bis in das Wasser niederhingen . Es gab da weder Garten noch Feld , sondern wildliegendes Land , und darum war noch niemand auf den Gedanken gekommen , sich um dieses Gestrüpp und seine Bodenunterlage zu bekümmern . Mir aber fiel diese letztere sofort auf . Ich bin zwar kein Gelehrter , obgleich es wohl auch einige Menschen gab , die mich gar Manches lehrten , aber ich sagte mir doch , daß die Naturlinien da , wo sie aufhörten , durch etwas Anderes ersetzt worden sein mußten , was nicht natürlich , also künstlich war - - also durch Menschenhand . Hundert Andere wären vorübergerudert , ohne sich um diese scheinbare Nebensache weiter zu bekümmern ; mir aber konnte das nicht passieren . Ich ließ den Kahn bis ganz nahe an das Gestrüpp treiben und nahm dann dem Dschamiki das eine Ruder aus der Hand . Indem ich mit demselben die Ranken zur Seite schob , sah ich unter ihnen nicht natürliche Felsen , sondern behauene Steine . Das waren genau solche Kolossalblöcke wie diejenigen , aus denen die Cyklopenmauer da drüben am Berge bestand ! Ich begann , zu ahnen , und setzte die Untersuchung fort , doch so unauffällig und scheinbar spielend wie möglich , weil der Dschamiki nicht zu erraten