als Anstandsdame , Clementine und Elisabeth von Strehsen und die entsprechende Anzahl Kavaliere für die Damen waren geladen . Lena hätte Kurt gern dabei gehabt , aber der hatte sich seit jenem Abend vor der Katastrophe mit Bornstein nicht wieder gezeigt . Sie hatte ihm durch Elisabeth sagen lassen , sie hege nicht den geringsten Groll gegen ihn , dass er das schuldige Werkzeug zu ihrer und Bornsteins Trennung geworden sei . Dennoch blieb er von der Bildfläche verschwunden . Eines Abends , kurz vor der Hochzeit , als Elisabeth draussen bei Lena sass , berichtete sie unter Thränen den Zusammenhang . Bornstein hatte seine Hand völlig von Kurt abgezogen . Er hatte es ihm nicht vergeben können , dass er ihn zu dem heftigen Auftritt mit Lena gereizt hatte . Da Kurts Verhältnisse damals gerade ziemlich glatt gewesen waren - Bornstein hatte kurz zuvor ziemlich häufig bluten müssen - hatte er den Dienst auf der Stelle quittiert . Die Mutter habe darauf gedrungen . Sie verlangte , dass ein Strehsen wenigstens ohne Schulden abschnitte . Wochenlang sei er ohne Beschäftigung , ohne Verdienst umhergelaufen , jetzt habe Kurt endlich eine bescheidene Stellung auf einem Bankbureau gefunden . Aber er sei ganz geknickt , der arme Junge , und liesse sich nirgends sehen . Im Grunde sei es , Lena möge ihr das nicht übelnehmen , eine bodenlose Schufterei von Bornstein , denn was habe Kurt dann eigentlich anderes verbrochen , als Bornsteins Aufträgen gemäss gehandelt ? » Die Mutter ist ganz verzweifelt « , fuhr Elisabeth fort , » Kurts Freundschaft mit Bornstein war ihr letzter Halt . An Papa hat sie gar keine Stütze mehr . Er ist menschenscheuer und stumpfsinniger denn je . Die Kreuzzeitung und die Rangliste kommen kaum noch aus seinen Händen . Unser Kleiner soll nun auch zu Michaelis aus dem Korps heraus und irgendwo in die Lehre gesteckt werden . Der arme Junge ! Das werden böse Zeiten werden ! Aber Mama lässt nicht mit sich reden . Sie ist wie umgewandelt . Früher schien ihr der Soldatenstand die einzig mögliche Carriere für einen Strehsen . Heute hat sie ein förmliches Grauen davor bekommen . Für unseren Graudenzer hoffen wir ja auf die Gnade seines hohen Paten , des Prinzen Leopold . Mama will darum einkommen , dass ihm aus der Privatschatulle des hohen Herrn ein Zuschuss bewilligt wird . « Lena war es sehr peinlich , dass sie indirekt die Schuld an dem völligen Niedergang der Strehsens trug . Aber was konnte sie dagegen thun ? Höchstens den beiden alternden Mädchen ab und zu etwas zukommen lassen . Bornsteins Handlungsweise begriff sie ganz gut , ja sie gefiel ihr sogar . Es lag etwas Temperamentvolles darin , was sie sonst an Bornstein vermisst hatte . Jedenfalls war es die interessanteste Situation , die er zu Wege gebracht hatte . Das söhnte sie ein wenig mit ihm aus . Franz hatte sie in der ersten Zeit unausgesetzt über ihre Beziehungen zu Bornstein ausgefragt . Lena hatte es nicht anders erwartet und ihm gesagt , was sie für gut befunden hatte . Im Grunde hatte sie ihm ja nichts zu verheimlichen , aber wozu ihn in alles einweihen ? Das konnte für später , wenn es ihm einmal einfallen sollte - und was fiel einem Manne nicht ein ? - Schlüsse von der Vergangenheit auf die Gegenwart zu ziehen , am Ende unbequem werden , und Lena wollte keine Unbequemlichkeiten mehr . Mehr als genug hatte sie davon gehabt . Als Frau wollte sie unbeanstandeter noch denn als Mädchen , ihr Leben geniessen , nach allen Richtungen hin . Von Mäkeleien und Nörgeleien wollte sie nichts mehr wissen . Und Franz mäkelte und nörgelte nicht . Er that ihr jeden Willen und war es zufrieden , wenn sie ihm ein heiteres Gesicht zeigte und er sich an ihren Liebkosungen berauschen durfte . Sie waren das einzige , was ihm darüber forthalf , dass er gethan hatte , was er niemals hätte thun dürfen , dass er sich im Rausch einer kurzen Stunde ernsthaft an Lena gebunden hatte . - Mit blühenden Flieder- und Schneeballbüschen , mit den ersten knospenden Rosen zog der Juni ins Land . Für den sechsten war die Hochzeit bestimmt . Am vorletzten Tage noch kam eine Absage vom Vater . Er konnte sich nicht entschliessen , sein behagliches Dasein in Karstens Garten auch nur auf ein paar Tage zu unterbrechen . » Er sei ein alter Mann und passe mit seinem Stelzfuss und seiner Pfeife - von seinem Korn sagte er nichts - nicht in eine feine Hochzeits-Gesellschaft . Die Töchter möchten ihm nicht böse sein . « Lena kam diese Absage sehr gelegen . Sie hatte den Vater überhaupt nur auf Lottes und Franz ' dringendes Zureden eingeladen . Lotte aber war sehr betrübt . Den alten Mann einmal wiederzusehen , war ihr inniges Herzensbedürfnis geworden . Franz brummte und machte ein missmutiges Gesicht . Er erklärte den Alten für einen ausgemachten Egoisten . Die Hochzeit verlief still und sehr wenig nach Lenas Sinn . Sie hatte an allem auszusetzen . Das Menu war nicht gut zusammengestellt . Franz und Lotte waren in ganz überflüssigem Masse gerührt . Eine Hochzeit war doch am Ende kein Leichenschmaus . Clementines und Elisabeths unerlaubt schlechte Toiletten brachten sie zur Verzweiflung , ebenso Frau Wohlgebrechts breite , behäbige Redseligkeit . Das einzig erträgliche waren die drei Kavaliere der unverheirateten Damen , die Lena nach eigenem Geschmack gewählt hatte . Das kurze Diner schien kein Ende nehmen zu wollen . Endlich war man bis zum Eis gelangt . Gleich danach wollte das junge Paar aufbrechen . Franz machte Anstalten , Lotte ein Wort des Abschieds zu sagen . Sein Groll gegen sie war längst geschwunden . Der Trotz , mit dem er sich gewappnet hatte , längst gelöst . Was konnte diese feine Seele dafür , dass sie ihn nicht hatte lieben können ? Rührend lieblich sah sie heute aus in ihrem schlichten weissen