man aus der Sakristei herbeigeholt hatte . Für Ebba war nichts mehr da ; nur ein paar Kissen fanden sich , um sie wenigstens gegen die bittere Kälte des Fußbodens zu schützen . Aber es war zuwenig , und als Holk in dem kleinen angrenzenden Kastellanshause vergeblich nach etwas Besserem gesucht hatte , schlug er der immer heftiger fröstelnden Ebba vor , den Weg nach dem Bahnhofe hin , von dem man vorher ihrer Erschöpfung halber Abstand genommen hatte , doch lieber wagen zu wollen . Ein alter Schloßdiener war auch bereit , den nächsten Weg zu zeigen , und so brach man denn auf und hörte die Bahnhofsuhr eben sechs schlagen , als man ankam . Die Prinzessin war schon seit länger als einer Stunde fort , und der nächste von Helsingör her erwartete Zug kam erst in dreißig Minuten . Auf dem Bahnhofe selbst lief alles durcheinander , und das kleine Wartezimmer bot keinen Platz mehr , war vielmehr überfüllt von Hillerödern , alten und jungen , die sämtlich nach Kopenhagen hinein wollten , um über alle vorgekommene Schrecknisse , deren sensationellste glücklicherweise meist erfunden waren , so schnell wie möglich berichten zu können . In dem einen Turme , so hieß es mit aller Bestimmtheit , seien alle verbrannt , drei Personen vom Hofstaat und außerdem ein Gärtner . Ebba , die sich nur mühsam aufrecht hielt , hörte das alles , und ihre Lage wäre kaum besser gewesen als vorher in der kalten Kirche , wenn nicht einer der Stationsbeamten ein Einsehen gehabt und das für den königlichen Hof bestimmte Separatzimmer für Holk und Ebba geöffnet hätte . Hier war es nicht bloß warm und geräumig , hier fand man auch Pentz und Erichsen , die zurückgeblieben waren , um über die Schicksale der Verlorengeglaubten an die Prinzessin berichten zu können . So war es von dieser ganz zuletzt noch angeordnet worden , als sie mit der Schimmelmann schon das Coupé bestiegen hatte . Die Begrüßung Holks und Ebbas von seiten der beiden Kammerherren war , da man nicht ohne Sorge gewesen , aufrichtig herzlich ; aber diese Herzlichkeit wurde doch sehr übertroffen , als gleich danach Karin hereinstürzte , die bis dahin zusammengekauert in einer Ecke des daneben befindlichen Wartezimmers gesessen hatte . » Laß doch , Kind « , versuchte Ebba zu scherzen . » Was war es denn groß ? Erst etwas zu heiß und dann etwas zu kalt . « Aber Karin , so gerne sie sonst lachte , wollte diesmal von einem Eingehen auf Ebbas scherzhaften Ton nichts wissen und hörte nicht auf , unter Schluchzen und Weinen ihrer Herrin die Hände zu küssen . Von Pentz ' Seite , wie sich denken läßt , wurden allerlei Fragen gestellt , aber ehe Holk , an den sie sich vorzugsweise richteten , darauf antworten konnte , hörte man aus der Ferne schon den Pfiff der Lokomotive , ein Zeichen , daß der erwartete Helsingörer Zug herankäme . Noch eine Minute , so hielt er , und trotzdem Wagenmangel war , gelang es doch , für Ebba ein besonderes Coupé zu finden , worein sie gebettet und mit Plaids und Mänteln zugedeckt wurde . Karin setzte sich zu ihr , während die drei Herren in ein Nachbarcoupé stiegen . Um acht hielt man auf dem Kopenhagener Bahnhofe , Wagen wurden heranbeordert , und als diese da waren , fuhr Pentz mit Ebba und Karin ins Palais der Prinzessin , während sich Erichsen und Holk in ihre Privatwohnungen begaben . Holk klopfte . Die schöne Frau Brigitte stand vor ihm und sagte : » Gott sei Dank , Herr Graf , daß Sie wieder da sind . « Aber etwas von Enttäuschung mischte sich doch sichtlich mit ein , was auch kaum anders sein konnte , denn gerüchtweise war gleich nach Eintreffen des Extrazuges von dem schrecklichen Ende des Grafen Holk und des Fräuleins von Rosenberg gesprochen worden , eine Sensationsgeschichte , wie sie sich Mutter und Tochter nicht schöner wünschen konnten . Und nun war der Graf doch am Leben und das Fräulein vielleicht auch oder wohl eigentlich ganz gewiß . Es war doch auf nichts Verlaß mehr , und gerade immer das Interessanteste versagte . Brigitte bezwang sich aber und wiederholte : » Gott sei Dank , Herr Graf . Wie wir in Angst um Sie gewesen sind ... Und um das schöne schwedische Fräulein ... « Und bei diesen Worten ließ sie kein Auge von Holk , denn ihr nach einer bestimmten Seite hin geradezu phänomenal ausgebildetes Ahnungsvermögen ließ sie das gesamte Geschehnis , besonders aber das Intime darin , mit einer Deutlichkeit erkennen , als ob sie dabeigewesen wäre . » Ja , meine schöne Frau Brigitte « , sagte Holk , der entweder wirklich nur heraushörte , was wie Teilnahme klang , oder es heraushören wollte , » ja , meine schöne Frau Hansen , das waren böse Stunden , wie man sie seinem Todfeinde nicht gönnen mag , am wenigsten aber sich selber und ... « » ... einer so schönen Dame . « » Nun ja , wenn Sie wollen . Das Fräulein ist aber nicht so schön , wie Sie immer annehmen , und jedenfalls lange nicht so schön wie andere , die ich nicht nennen will . Aber davon sprechen wir ein andermal und entscheiden dann die Frage . Jetzt bin ich todmüde , liebe Frau Hansen , und will den Schlaf nachholen , den ich versäumt habe . Bitte , weisen Sie jeden ab , auch Baron Pentz , wenn er nachfrägt . Aber um zwölf bitt ich zu klopfen . Und dann bald das Frühstück . « Holk schlief fest , und erst als er das Klopfen hörte , stand er auf , um in aller Eile seine Morgentoilette zu machen . Er war noch wie unter einem Druck , so daß alles Geschehene halb schemenhaft an ihm vorüberzog , und erst als er an das Fenster trat und auf die Straße hinunterblickte