alles sauber und akkurat , daß es eine Freude ist , und ganz flink . Eigentlich war ich dagegen , ich meine das mit Pippi , mit dem Namen , der mir ein bißchen genierlich vorkam , aber Hecht sagte : Warum nicht , Ida ? Drüben die bei Geheimrats heißt Lolo , warum soll unsere nicht Pippi heißen ? Und seitdem heißt sie so . Recht hat er . Aber nun muß ich schließen , denn wir haben alle Hände voll zu tun , weil wir zum Fest diesmal eine Weihnachtsbude haben wollen , und Ulrike soll in der Bude sitzen und verkaufen . Und bis dahin sind bloß noch vierzehn Tage . Denn den elften fängt ja der Weihnachtsmarcht an , das wirst Du wohl noch wissen , auch wenn Ihr drüben keinen habt . Denn wenn der Bußtag in Sachsen auch anders liegt als bei uns ( wobei ich die Sachsen eigentlich nich recht begreife ) , so denk ich mir doch : Weihnachten ist überall gerade zu Weihnachten und auch in Amerika . Eben kommt Pippi und will Goldpapier . Gott , mir brummt der Kopf , wie wenn schon Marcht und Weihnachten wäre ... Am elften , wenn wir die Bude aufmachen , dann denkt an uns . Es ist doch ein wichtiger Schritt , auch wegen Ulrike . Deine ewig unveränderte Schwester Ida Hecht geb . Kaulbars . « Dieser Brief , der trotz seiner in mehr als einem Stück anfechtbaren Adresse : » Herrn Martin Kaulbars aus Preußen ( Kreis Ost-Havelland ) , zur Zeit in Nogat-Ehre bei Darlington ; Indien Trottoiry , Amerika ... « glücklich angekommen war , hatte die bei dem Hinweis auf den elften Dezember ganz natürlich von einem weihnachtsmarktlichen Gefühl ergriffenen Kaulbarse sofort mobil gemacht und nach Nogat-Ehre hinübergeführt , wo sie , wenn auch keinen Weihnachtsmarkt , so doch ein paar weiße Christenmenschen vorfanden , in deren Gesellschaft es am Heiligen Abend immerhin besser war als auf dem Vorwerk und sich , wenn weiter nichts , wenigstens ein paar Nüsse vergolden und ein paar Lichter anzünden ließen . Kaulbars und Frau waren nun also wieder in Nogat-Ehre , verträglicher und umgänglicher als gewöhnlich , was in einer gewissen Weihnachtsstimmung seinen Grund hatte . Trotzdem war man im Oberstocke froh , sie nur an den ersten zwei , drei Abenden erscheinen und sich bald danach auf ihr Küchen- und Wirtschaftsdepartement beschränken zu sehen . In Wirtschaft und Küche war ihnen am wohlsten , weil sie sich hier am nützlichsten machen konnten . Frau Kaulbars , die bei der alten Pfefferküchlerin Winkler in Neu-Ruppin ihre Anlernejahre durchgemacht hatte , war in diesem Dienstverhältnis eine gute Kuchen- und Pfefferkuchenbäckerin geworden , die , wenn es sein mußte , sogar französische Zitronat-Gewürzkuchen backen konnte , was ihr schon beim vorjährigen Weihnachtsfeste , trotzdem Maruschka aus der Thorner Pfefferkuchengegend war , einen Oberaufsichtsposten auf diesem Gebiete eingetragen hatte . Das wiederholte sich jetzt , während er , Kaulbars , von der Mitte des Monats an , den Post- und Reisedienst übernahm und aus Halstead , und selbst aus Denver , alles herbeischaffte , was zu Geschenken und Bewirtung noch fehlte . Zugleich war ihm aufgetragen , sich um Tischplatten , Ständer und Holzböcke zu kümmern , für den Fall , daß der große Tisch in der Halle nicht ausreichen würde . So war die eigentliche Festwoche herangekommen ; nur noch vier Tage standen zur Verfügung , und doch fehlte noch immer die Hauptsache : der Baum . Ihn zu beschaffen war jetzt höchste Zeit und führte zu Verhandlungen , in denen der von seinen verschiedenen Missionen eben zurückgekehrte Kaulbars kategorisch erklärte : So wie früher ginge das nicht , und von einer Zypresse , » bloß weil sie auch Nadeln habe « , könne diesmal keine Rede sein . Er habe schon das vorige Jahr zu Obadja gesagt , Zypresse sei ganz gut und er habe nichts gegen Zypressen , aber das Zypressige sei nun mal für die Dodigen und nicht für die Lebendigen , und Weihnachten sei kein Kirchhof . Es müßte partout eine propre Tanne sein , so was Schlankes wie Miss Ruth , und wenn es eine Tanne nicht sein könne , na , denn eine Kiefer oder eine Kussel . Irgendwas werde sich doch wohl finden lassen , vielleicht schon drüben im Park , und wenn nicht da , so doch oben im Gebirge . Es bedarf keiner Versicherung , daß die Rede Kaulbars ' ( Obadja war nicht zugegen ) unter allseitiger Zustimmung aufgenommen und dabei festgesetzt wurde , sofort ans Werk gehen zu wollen . Und wirklich , eh noch die Fluruhr zehn schlug , fuhr auch schon ein auf niedrigen Rädern gehender , im übrigen aber langgestreckter und mit zwei starken Pferden bespannter Korbwagen vor , auf den die schon in der Halle Wartenden aufstiegen . Es waren ihrer vier , zunächst Ruth und Toby , die vorn auf einem Häckselsack Platz nahmen , dann Kaulbars und Lehnert . Hinter und zwischen ihnen lagen Axt und Grabscheit und ein paar starke Stricke zum Umwuchten , denn man hatte vor , nicht ein Bäumchen , sondern einen wirklichen Baum nach Hause zu bringen . Der fünfte von der Partie war Uncas . Er sollte , nach aller Wunsch und Plan , eigentlich mit aufsteigen , denn der Weg war weit ; Uncas zog es aber vor , nebenherzutrotten , mutmaßlich , um auch heute wieder , wie das seine Art war , einen Vorsprung zu gewinnen und dann Ruth , unter Gebläff und Freudengewinsel , an sich vorbeipassieren zu lassen . Obadja , nachdem er übrigens erst nach einigem Zögern seine Zustimmung zu der Fahrt gegeben hatte , war mit auf die Rampe hinausgetreten , küßte Ruth und gab Toby Verhaltungsregeln . Er solle nicht zu hoch in das Gebirge hineinfahren und überhaupt sich mit der Rückkehr beeilen , das Barometer sei stark gefallen , und irgendwas wie Regen oder Sturm stehe mutmaßlich in Aussicht .