Leiche des alten Meyhöfer . Er hat unser Gut anzünden wollen , und Gott hat ihn erschlagen . « » Gott steckt keine Scheunen in Brand ! « sagte Elsbeth und blickte nach dem brennenden Hof zurück , von dem ein dunkelblauer Qualm in den trüben Morgen emporstieg . » Aber ist es nicht Gottes Fügung , daß wir gerettet wurden ? « » Hat uns einer gerettet , so tat es dieser ! « sagte Elsbeth . » Was ? Er soll alles geopfert haben , er soll ein Brandstifter geworden sein - bloß um - ? « » Frag ihn ! « sagte sie tonlos , und in aufsteigender Herzensangst schlug sie die Hände vor die Brust und wimmerte laut . » Geb ' Gott , daß er noch einmal antworten vermöchte , « murmelte Douglas . Dann erteilte er ein paar Knechten den Befehl , daß sie die Leiche des Alten in das Wohnhaus brächten . Nach einem Arzt war bereits gesandt worden , er selbst wollte zu den Schwestern fahren , um sie zu benachrichtigen . Mit verstörten Gesichtern kamen die Gäste dem Wagen entgegengestürzt , der vor der blumengeschmückten Veranda hielt . » Geht fort , « sagte sie und wehrte die tätschelnden Hände mit einer Gebärde des Grauens von sich ab . Auch der lustige Bräutigam , der während dieser Nacht eine gar klägliche Rolle gespielt hatte , kam herbei und versuchte ihr zuzureden , daß sie sich von dem hilflosen Leibe entferne . Sie aber schaute ihn mit irrem Blick von oben bis unten an , als erinnere sie sich nicht , ihn jemals gesehen zu haben . - Ein Gefühl seiner Wertlosigkeit mochte in ihm aufsteigen . - Beklommen und verschüchtert ließ er von ihr ab . Die Tanten eilten händeringend zu dem alten Douglas , der , auf ein Fuhrwerk wartend , vor den Ställen auf und ab schritt . Seine mächtige Brust atmete schwer , seine weißen , buschigen Brauen preßten sich zusammen , und seine Augen schossen Blitze . - Ein Sturm schien durch seine Seele zu gehen . » Erbarm dich ! « riefen die Weiber , » schaff Elsbeth zur Ruhe , - sie muß sich erholen , - es scheint , als will sie wahnsinnig werden . « » Wenn es so ist , wie sie sagt , « murmelte er vor sich hin , » wenn er sein Hab und Gut geopfert hat ! - Donnerwetter , laßt mich in Ruh ' ! « schrie er die Weiber an , die ihn umringten . » Aber denk an Elsbeth , « riefen sie - » um zwölf Uhr kommt der Pfarrer - wie wird sie aussehen ? « - - » Das ist ihre Sache ! « schrie er , » laßt sie nur machen ! Sie weiß genau , was sie tut ! « In dem Augenblicke , in dem Paul vom Wagen gehoben wurde , kam von dem Tore ein Häuflein Knechte daher , welche die Leiche seines Vaters trugen . - - - Dicht hintereinander wurden die beiden Körper in das » weiße Haus « getragen , und der Hund ging winselnd und schnuppernd hintendrein . Es war eine traurige Prozession . - - - Elsbeth ließ Paul in ihr Schlafzimmer schaffen , schloß die Tür und setzte sich neben das Bett . Vergeblich flehten die Tanten um Einlaß . Um elf Uhr kam der Arzt und erklärte , bis zum nächsten Morgen bei dem Kranken bleiben zu wollen . Er hatte sich wohl darauf eingerichtet , denn er war ein alter Freund des Hauses und gehörte zu den Hochzeitsgästen . Inzwischen sollte nach einer Wärterin telegraphiert werden . » Darf ich nicht bei ihm bleiben ? « fragte Elsbeth . » Wenn Sie können ! « antwortete er verwundert . » Ich kann ! « erwiderte sie mit einem rätselhaften Lächeln . Die Tanten pochten aufs neue . » Erbarm dich , Kind ! « riefen sie durch den Türspalt , » du mußt dich anziehen , du mußt zum Standesamt . Der Pfarrer ist gekommen . « » Er kann wieder gehn ! « antwortete sie . Draußen ließ sich ein Murmeln vernehmen , auch der Bräutigam half ratschlagen . » Was wollen Sie tun , mein Kind ? « sagte der greise Arzt und sah ihr forschend ins Auge . Da sank sie weinend vor dem Bette auf die Knie , ergriff Pauls schlaff herabhängende Hand und drückte sie gegen Augen und Mund . » Das ist Ihr fester Wille ? « fragte der alte Mann . Sie nickte . » Und wenn er stirbt ? « » Er stirbt nicht , « sagte sie , » er darf nicht sterben . « Der Arzt lächelte traurig . » Es ist gut , « sagte er dann , » bleiben Sie eine Weile bei ihm allein und erneuern Sie alle zwei Minuten den Umschlag . Ich werde inzwischen Ruhe schaffen . « Alsbald hörte man draußen Wagen vorfahren und den Hof verlassen . Eine Stunde später trat der Arzt wieder in das Krankenzimmer . » Das Haus ist bald leer , « sagte er , » die Feier ist aufgeschoben . « » Aufgeschoben ? « fragte sie angstvoll . - - - Der alte Mann sah sie an und schüttelte den Kopf . Das Menschenherz zeigte sich ihm jeden Tag in neuen Rätseln . - - - - - - - - - - - - - - - Wochenlang schwebte der Kranke zwischen Leben und Tod . Elsbeth wich kaum von seinem Bette , sie aß nicht , sie schlief nicht , ihr ganzes Leben war aufgegangen in der Sorge um den Geliebten . Der Alte ließ sie gewähren . » Sie muß ihn gesund machen , « sagte er , » damit ich ihn fragen kann . « Der lustige Vetter fing an zu ahnen , daß seine Lage keine beneidenswerte war , und nachdem er