! « fiel er ihr ins Wort . » Sag ihm doch das andere « , ermahnte Virgil voll Ungeduld . Vinska verfärbte sich . » Lieber Pavel « , begann sie , » lieber Pavel , deine Mutter ist angekommen . « Er zuckte zusammen : » Wo ist sie ? ... Ist sie in meinem Hause ? « » Nein , sie hat in dein Haus nicht treten wollen , bevor du da bist . - Sie hat auch nicht zu mir kommen wollen « , setzte sie hinzu . » Hast du sie eingeladen ? « » Ja , ich hab sie eingeladen , zu mir zu kommen und bei mir auf dich zu warten . Sie hat nicht gewollt ; sie wohnt beim Wirt , aber von dir erzählt habe ich ihr den ganzen Tag , und sie hat sich gar nicht satt hören können . Dann ist sie hinaufgegangen zu deinem Haus . Sie wird jetzt dort sein . « Pavel war zumut , als ob ein großes Stück Eis auf seine Brust gefallen wäre . » Gut « , murmelte er , » gut , so geh ich « , aber er rührte sich nicht . Sein unstet irrender Blick begegnete dem der Vinska , der angstvoll gespannt auf seinem finsteren Gesichte ruhte , und plötzlich sprach er : » Ich dank dir , daß du sie eingeladen hast . « » Nichts zu danken « , versetzte Vinska . Die Herzen beider pochten hörbar , deutlich las jeder in der Seele des andern . Sie fand in der seinen nicht mehr die alte Liebe , aber auch nicht mehr den alten Groll ; die ihre war in allen Tiefen erfüllt von schwerer , von nutzloser Reue , hervorgegangen aus dem Bewußtsein : Was ich an dir gefrevelt habe , vermag ich nie wiedergutzumachen . Ohne noch ein Wort zu wechseln , schieden sie . Pavel ging langsam die Dorfstraße hinauf . - Die Sonne versank hinter den waldbekränzten Hügeln , scharf und schwarz ragten die Wipfel des Nadelholzes in die purpurfarbige Luft . Auf das Grubenhaus hatten klare Schatten sich gebreitet , sie glitten über sein ärmliches Dach , trübten den Glanz seiner kleinen Fensterscheiben und umflossen eine hohe Gestalt , die vor dem Gärtchen stand , vertieft in den Anblick des untergehenden Tagesgestirns . Die Mutter , sagte sich Pavel - die Mutter . Da war sie , ungebeugt von der Last der letzten zehn Jahre , ungebrochen durch die Schmach ihrer langen Kerkerhaft . Pavel setzte seinen Weg fort - nicht mehr allein ! Das unterdrückte Geräusch von flüsternden Stimmen , von Schritten , die ihm nachschlichen , schlug unsäglich widerwärtig an sein Ohr . Eine Schar von Neugierigen gab ihm das Geleite und wollte Zeuge sein der ersten Begegnung zwischen Mutter und Sohn . Er sah sich nicht um , er ging vorwärts , äußerlich ruhig , seinem Verhängnis entgegen . Die Mutter hatte sich gewandt , erblickte ihn , und Wonne , Stolz , erfüllte Sehnsucht leuchteten in ihren Augen auf ; aber sie blieb stehen , wo sie stand , mit herabhängenden Armen , sie sprach ihn nicht an . » Grüß Euch Gott , Mutter « , sagte er rasch und gepreßt ; » warum bleibt Ihr vor der Tür , tretet ein . « » Ich weiß nicht , ob ich soll « , antwortete sie , ohne ihn aus den Augen zu lassen , aus denen eine Liebe sprach , ein glückseliges Entzücken , die wie Licht und Wärme über ihn hereinströmten . » Ich habe nicht gedacht , dich so zu finden , Sohn - « ihre Stimme bebte vor tiefinnerlichstem Jubel - , » nicht so , wie ich dich finde . Ich möchte dir nicht Schande bringen , Pavel . « Nun faßte er ihre Hand : » Kommt , kommt , und noch einmal : Grüß Euch Gott . « Er führte sie ins Haus und sah , daß sie unwillkürlich das Zeichen des Kreuzes machte , als sie es betrat . » Setzt Euch , Mutter « , sagte er ; » ich hab Euch viel zu sagen , viel Trauriges ... « Sie war seiner Aufforderung gefolgt , sah sich bewegt und staunend in der Stube um und sprach : » Was du mir sagen willst , weiß ich im vorhinein : daß ich hier nicht bleiben kann . Es ist mir nicht traurig - eine Freude nur , daß ich dich so gefunden habe , wie du bist , wie ich dich sehe ... Nie wäre es mir in den Kopf gekommen , Sohn , daß ich dir beschwerlich fallen will , und wie du geschrieben hast : Ich bau ein Haus für Euch , da habe ich gedacht : Baue ! und Gott segne jeden Ziegel in deinen Mauern . Baue ! baue ! aber für dich - nicht für mich . « » Warum habt Ihr so gedacht ? « » Weil du mich hier nicht brauchen kannst « , antwortete sie ruhig und ohne den Schatten eines Vorwurfs . Er aber murmelte : » Was meint Ihr ? « » Wenn dich in den vielen Jahren dein Herz an die Mutter gemahnt hätte « , fuhr sie in ihrer Gelassenheit fort , » hättest du dich manchmal nach ihr umgeschaut . Du hast es nie getan , und darum bin ich auch nur gekommen , weil ich es nicht mehr ausgehalten habe , dich nicht zu sehen , und gehe wieder , heute noch . « » Wohin ? Ihr könnt doch nicht wieder in den Kerker zurück ? « » Das nicht ; aber in unser Spital , wo ich Krankenwärterin bin . « » So , Mutter , so ? Seit wann ? « » Seit ein paar Monaten schon . « » Das muß was Schweres sein , Krankenwärterin bei den schlechten Leuten . « » Schwer und leicht ; die Ärgsten