des Hauseigentümers zu wiederholen , die vorhin unbeantwortet geblieben . Aber kaum hatte er den halben Schritt eingeholt , war die schlimme Anwandlung aus seinen Augen verschwunden , und er plauderte weiter . » Alter Freund ! Was ich sagen wollte : ich weiß nicht , wie ich zu deiner Allergnädigsten stehe ? Gern möcht ich sie doch unter den nunmehrigen Verhältnissen begrüßen , zumal ich auch mit Damen behaftet bin , denen ein schicklicher Umgang Bedürfnis wäre . Sie sind durch den frühen Tod ihrer Mütter in der feineren Erziehung nicht gefördert worden , haben zwar durch fahrende , junge geistliche oder weltliche Lehrer Unterricht erhalten , wenn es sich fügte ; das wollte aber nicht viel heißen , hätte auch nicht viel zu sagen , wenn sie als Ersatz mehr gesellschaftliches Geschick hätten , als sie sich in ihren heimatlichen Verhältnissen haben aneignen können - aber da hapert ' s eben , wie du leicht bemerken magst , und aus diesem Grunde muß ich darauf sehen , sie bald in dies oder jenes Haus einzuführen , wo sie etwas lernen können , so das nötigste - « » Du klopfst da an der unrechten Türe , « unterbrach ihn Salander , » meine Frau lebt ziemlich zurückgezogen und hält nicht einmal eine Stubenjungfer . Seit vielen Jahren behelfen wir uns mit einer älteren Magd , du kannst dir also denken , daß wir kein Haus machen , wo für Damen etwas zu lernen ist . « » Laß das nur gut sein ! Die gnädigste Frau ist mir nicht grün , ich weiß das wohl ; allein darum hab ich doch allen Respekt vor ihr und schätze , daß sie für sich allein schon ein gutes Haus vorstellt - versteh mich nur ! Ich suche ja nicht Glanz und Geräusch für die armen Weibchen , sondern ein Vorbild ruhig edler Weiblichkeit in allem Tun und Lassen - « » Da kommst du bei der Marie schlecht an , wenn du dergleichen vorbringst ! « unterbrach Salander abermals den Aufdringlichen , » sie kann das Wort nicht ausstehen und hat es dem Redner jetzt noch nicht verziehen , der sie einst an der Hochzeit unserer Töchter vor allem Volk ein Muster edler Weiblichkeit genannt hat ! « » Ha , die famose Hochzeit ! « rief Wohlwend , » davon hab ich auf dem Borstenmarkt zu Budapest eine Zeitungsnotiz gelesen . Ich frühstückte ein Schweinshaxerl mit einem Seidel Erlauer , nahm ein Blatt in die Hand und las aufs Geratewohl : Den berühmten Hochzeiten zu Kana , des Camacho ( welchen ich nicht kenne ) usw. wird man diejenige eines Herrn Martin Salander in der freien Schweiz anreihen müssen , welche derselbe bei der Verheiratung seiner zwei Töchter angestellt hat und wobei nicht nur eine Menge Volkes bewirtet , sondern auch politische Schauspiele und Allegorien aufgeführt wurden , alles unter freiem Himmel ! Davon mußt du mir noch erzählen ! Stelle dir vor , wie es mich elektrisiert hat und wie mir trotz meines gebratenen Schweinshaxerls der Mund wässerte ! « » Ja , ein andermal ! « sagte Salander , der rot und verlegen geworden und nach der Uhr sah , » jetzt muß ich doch ans Geschäft gehen , es ist bald neun Uhr ! « Wohlwend faßte ihn aber am Rockknopf : » Noch ein Wort , alter Freund ! Du bist also allein zu Hause ? Wir haben noch gar nie recht ausgeplaudert , nimm vorlieb und iß heute mit uns , wenn du nichts anderes vorhast ! Wir sind freilich nur unvollkommen eingerichtet und ohne allen Luxus auch in der Küche - allein ich weiß , du nimmst vorlieb ! Wir müssen uns in den eigenen vier Wänden bewegen , wenn wir ungestört sein wollen . Du versprichst zu kommen , nicht wahr ? « Martin fühlte sich durch das neue Andrängen Wohlwends nicht angenehm berührt und gedachte auch des Widerwillens der Frau Marie . Doch der Umstand , daß er sich vorgenommen hatte , auswärts zu speisen , und eine gewisse Neugierde , das Schönheitsbild nochmals zu erblicken , dessen Lob eine so liebliche Heiterkeit der Gattin erweckte , veränderten plötzlich seinen Sinn und verhüllten sein Bewußtsein mit einem aufsteigenden Nebelgewölk , und er sagte zu , worauf Wohlwend sich schleunig entfernte und Salander endlich die Stätte seiner Arbeit aufsuchte . Er blieb einige Stunden andauernd beschäftigt , auch nachdem seine Leute weggegangen , und übersah mit klarem Blicke die Geschäftslage nach allen Seiten . Wo sich eine Schwierigkeit zeigen wollte , rührte sie nicht von Selbsttäuschung oder bedachtlosem Verfahren her , und es ließ sich ihr mit ruhigem Gleichmute begegnen . In der Stille der Mittagsstunde warf er auch einen prüfenden Blick in die Bücher , sowie auf die persönlichen Notizblätter über die wichtigeren Vorkommnisse im allgemeinen , und nahm mit Befriedigung wahr , was er zwar wußte , daß der Gang seiner Handelsangelegenheiten keine verwegenen Sprünge machte , dagegen in gleichmäßigem Flusse sich gelassen vorwärts bewegte . Darin glaubte er dankbar ein ihm anhaftendes Glück zu erkennen , seit den früheren Unfällen nur auf redliche und zuverlässige Geschästsfreunde zu stoßen oder dieselben sogar anzuziehen , wenn er so eitel sein wollte , sich dessen zu rühmen . Nun schnarrte die solide Uhr über dem Schreibtische , viertelte , schlug ein kräftiges Eins und erinnerte ihn daran , daß er dem Louis Wohlwend versprochen habe , bei ihm zu essen , und zugleich , daß dieser älteste Freund beinahe der einzige Mensch war , der ihm wiederholt Unglück gebracht hatte . Er erschrak förmlich , schloß die Aufzeichnungen wieder ein und besann sich schwankend , ob er nicht besser täte , dem Gefühle seiner Marienfrau zu folgen , nicht hinzugehen und überhaupt mit dem wunderlichen Gesellen kurz abzubrechen . Als er jedoch bedachte , wie Wohlwend ja den guten Willen zeige und bereits betätigt habe , das Vergangene freiwillig gutzumachen , dünkte es ihm doch untunlich und grausam , den Mann so