der Gefahr entronnen , mußte dies ausgiebig feiern ; die Rekruten aber und ihre Angehörigen konnten ja nicht ungetröstet heimkehren . Unablässig scholl das Heulen , Schluchzen und Johlen durch die Nacht , kaum daß der Lärm des einen Trupps verklungen war , verkündete schon der nächste sein Nahen . So eben jetzt - » Mädel , einen letzten Kuß , Weil ich jetzt marschieren muß - « heulte eine meckernde Stimme in den höchsten Tönen aus dem Leiterwagen , der langsam herangehumpelt kam , und die anderen , die im Wagen saßen , fielen johlend im Chorus ein : » Marschieren muß ... « Dennoch teilte der Marschallik der Frau nur flüsternd die Freudenbotschaft mit . » So wahr ich die Freud ' haben soll « , schwor er , » meine Jütte unter dem Trauhimmel zu sehen , er hat ganz deutlich Reb Itzig gesagt und vernünftig gesprochen . Frau Rosel , er ist gerettet . « Sie erhob die Augen zum Himmel . » Aber nun schließet die Fenster « , bat sie , » Das Gesindel schreit immer lauter ! Wenn nur die Nacht schon vorbei wär ' ! « Der Marschallik tat , wie sie gewünscht , aber das nützte auf die Dauer nicht . Gegen die dritte Stunde kam ein Trupp vorbei , der sich für den Heimweg ganz besonders gestärkt , denn er brüllte , daß die Scheiben zitterten : » Nach Wien werd ' ich gehen Vor des Kaisers weißes Haus Und werde weinen und flehen : Gib den Iwon heraus ! « » Der Teufel wird euch holen , ehe ihr hinkommt « , murmelte der Marschallik grimmig und beugte sich unwillkürlich über den Kranken , als könnte er dadurch das Lärmen von ihm abhalten . Aber schon war Sender emporgefahren . » Rekruten - « murmelte er verstört . » Ich muß auch mit ... « Er suchte die Decke abzuschütteln . » So wie du bist in dieser Generalsuniform ? « lachte der Marschallik und drückte den Kranken in die Kissen nieder . » Du bist kein Rekrut , es geht dich nichts an « , sagte er nachdrücklich . » Heut ' bin ich dein Hauptmann und befehl ' dir : Augen zu ! « Aber er mußte lange bitten , bis Sender sich beruhigte , und nun fuhr der Kranke bei jedem Geräusch empor . So auch , als Frau Rosel zwei Stunden später endlich abkommen konnte und an sein Lager trat . » Mutter ! « rief er freudig , als er sie erkannte . Dann aber wurde seine Miene ängstlich . » Bist du - bist du mir bös ? « Sie hatte bisher tapfer an sich gehalten , nun war ihre Kraft zu Ende . » Mein armes Kind ! « schluchzte sie auf , und die Tränen überströmten das bleiche , vergrämte Antlitz , das in diesen bösen Tagen um Jahrzehnte gealtert war , » quäl ' dich nicht . Wenn du nur gesund wirst , ist alles gut ! « Da lächelte der Kranke , und als ihm die Mutter die Hand auf die Stirne legte , schlummerte er sanft wieder ein . » Das wär ' in Ordnung « , sagte der Marschallik . » Das Fieber ist weg , in vier Wochen ist er gesund . Der versoffene Grundmayer hat ja kaum gewußt , was er verschreibt , aber Gott hat ihn gerettet ! « » Gelobt sei Sein Name ! « stimmte sie unter heißen Tränen bei . » Aber morgen wird er sich besinnen , was geschehen ist , und zu fragen anfangen ... « » Und dann ist Gott tot und Ihr verloren ! « fiel der Marschallik ein . » Sprecht nicht so töricht , Frau Rosel , es wird sich alles finden ! Jetzt aber legt Ihr Euch auf ein paar Stund ' schlafen ! ... Gleich werdet Ihr gehorchen ! « fuhr er fort , als sie sich sträubte . » Wollt Ihr auch krank werden ? « » Reb Itzig « , sagte sie gerührt , » was seid Ihr für ein Mensch ! « » Ein kluger ! « erwiderte er . » Der einzige Schlaukopf in ganz Barnow ! Da ist eine arme , verlassene Witwe mit ihrem todkranken Sohn - wo war mehr Gotteslohn zu holen , als in den letzten vierzehn Tagen hier ? Und alles haben die dummen Leut ' mir gelassen ... Im Ernst , Frau Rosel « , fügte er bei , » ich hab ' Euch zu danken . « Nachdem sie in ihre Kammer gegangen war , setzte sich der Marschallik an das Fußende des Lagers und verließ den Platz nur , wenn ein Wagen am Schranken hielt . Er dachte nach - es waren keine fröhlichen Gedanken , die den mitleidigen Mann erfüllten . Er war kein Fanatiker , der fröhliche , kluge Lustigmacher von Barnow , es entsetzte ihn nicht , daß Sender heimlich die » christlichen Zeichen « erlernt , aber unbehaglich war es ihm doch . » Darum also « , dachte er , » hast du mir und dem dicken Mortche in Mielnica so übel mitgespielt . Natürlich , ein Deutsch heiratet spät oder gar nicht . Und ein Deutsch willst du ja werden . Wer das hinter dem lustigen Pojaz gesucht hätt ' ! Mein armer Jung ' , dazu wär ' s , fürcht ' ich zu spät für dich , und wie willst du ' s denn nun machen ? Wer dir die Bücher geschenkt hat , die wir oben in deiner Lade gefunden haben , mag der Teufel wissen ; sie sind nun verbrannt , aber das Schlimme für dich ist geblieben ! Der Rabbi in Wut , die Gemeinde gegen dich - was machen wir nun aus dir ? Und was sagen wir dir jetzt , wo du deinen richtgen Namen kennst ? « Sorgenvoll griff er nach Senders Gebetriemen , die - wie